Zu bedenken gegeben.
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Gegen eine Dummheit, die gerade Mode ist, kommt keine Klugheit auf.
Theodor Fontane
Beinahe wäre das Zitat alles gewesen, das ich heute hier schreibe. Und es hätte nichtmal etwas mit meinem heutigen Tag zu tun gehabt, oder mit etwas, an das ich mich eben erinnerte. Nein, es war einfach die völlig fehlende Lust zum Schreiben, die mich den ganzen Tag begleitete. Nichts ging mehr, nach diesen heißen Tagen waren meine Reserven erschöpft. Also saß ich, apathisch, nur ein wenig in einem einzigen Blog lesend, vor meinem Rechner. Auf irgendeinem Zettel hier im Zettelhaufen fand ich den Satz von Fontane … Mein Kreislauf schaute kurz vom Boden auf, fand den Satz ausreichend und lag dann wieder darnieder. Ab und an tränkte ich die zwei Gästehandtücher, die auf meinen Unterarmen lagen, wieder frisch mit kaltem Wasser. Und natürlich füllte ich auch genügend Wasser aus dem Wasserhahn in mich um (ich denke, nachher werde ich um die zehn Liter gepichelt haben).
Ich kann die Menschen nicht verstehen, die solches Wetter das ganze Jahr lang haben wollen. Es ist definitiv zu trocken, es ist für diese Region der Erde zu heiß, auf der ganzen Erde viel zu warm. Es ist nur anstrengend. Gegen Kälte kann ich mir mehr anziehen, was, außer kaltes Wasser und Ventilatoren, kann ich bei Hitze noch tun? Warten auf Abkühlung und auf Regen. Der Klimawandel kommt nicht erst in ein paar Jahren, er begann schon vor einigen Jahren. Klima ist ein träges Phänomen, bis sich Auswirkungen auf Veränderungen zeigen, dauert es ein paar Jahre. D.h. die jetzige Dürre und Hitze zeigen, daß sich seit Jahren (und vielleicht Jahrzehnten) etwas verändert hat auf dieser Erde.
Ich vermisse Frühling und Herbst, die ich aus meiner Kindheit und Jugend als Übergänge zwischen Winter und Sommer bzw. Sommer und Winter kennenlernte. Mittlerweile erinnert mich vieles hier an andere Regionen dieser Erde, an diejenigen, in denen es eine Regenzeit und eine Trockenzeit gibt. Zwei Jahreszeiten, statt der vier, die hierher, in diese Region der Welt gehören würden. Das Defizit der Niederschlagsmengen mag ja mit einigen Starkregen und Sturzfluten rein rechnerisch ausgeglichen werden, doch der knochentrockene und harte Boden, die verdorrten Wiesen und Wälder können diesen Überschuß an Wasser nicht aufnehmen: Das meiste Wasser fließt oberflächlich ab, weil es keine Zeit hat, in tiefere Bodenschichten vorzudringen.
Die Ententeiche hinterm Haus haben einen deutlich niedrigeren Wasserspiegel als noch vor zwei Jahren. Rundherum sind braune Flächen zu sehen, wo vor drei Jahren noch grünes Gras wuchs. Die jungen Bäumen rollen ihre Blätter ein und werfen sie ab. Selbst widerstandsfähige Heckenpflanzen sind sehr kahl. Die meisten Freiflächen hier in HaNeu waren grün: Wiesen, Hecken, Bäume standen überall zwischen den Plattenbauten. Als selbständige Stadt war HaNeu eine der grünsten Städte der DDR, ganz so, wie sie geplant war. Heute sind die Grasflächen braungrau, die von manchen Mietern am Haus gepflegten Blumenparadiese wurden aufgegeben. Ich erinnere mich an einen alten Herrn, der vor zwei Jahren sagte, daß er täglich dreißig bis fünfzig Liter Wasser – also drei bis fünf große Gießkannen voll – für die drei mal einszwanzig große Fläche vergießen mußte, um das wirklich kleine Stück blühende Schönheit so schön zu erhalten … Er gab auf, seit letztem Jahr blüht dort nichts mehr.
Ich wünsche mir fünf Tage feinen Landregen am Stück bei etwa 25 °C tagsüber, unterbrochen von dem einen oder anderen Gewitterchen. Auf daß die Natur sich etwas erholen kann, wieder Kraft hat, uns das Leben zu verschönern und zu erleichtern. Das wäre eine Wohltat für Pflanzen und Tiere, und für uns Menschen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 27.07.2019 waren positiv mein Mut zur Absage, ein ausgelesenes Buch, endlich den “Chronos Cube” angefangen.
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Schwerter.
© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich kann dir nur zustimmen Emil.
Ich wünsch mir das auch. So ein großes Aufatmen wäre das!
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Ich bin ganz bei Dir. Und wenn der Wunsch nach Regen in Erfüllung geht, ändert das nichts am Großen und Ganzen. Bisher haben wir es ja noch gut und können weiter im Luxus leben.
Fragt sich nur, wie lange noch. Aber hilft ja nichts, zwischendurch genieße ich das Schwimmen im See und bin für eine Weile glücklich. Ja, es ist wahr und vielleicht auch lebensnotwendig: Gegen eine Dummheit, die gerade Mode ist, kommt keine Klugheit auf. Auch bei mir. Ein Bekannter findet sowieso, dass ich alles zu verbissen sehe und er durchaus ein Recht darauf hat, zwei-bis dreimal im Jahr nach Ägypten zum Surfen zu fliegen. Liebe Grüße! Regine
Genau das Wetter, das du im letzten Abschnitt beschreibst, hatten wir heute, aber leider nur für ca. fünf Stunden. Morgen ist wieder Sonne angesagt.