Quelle der Inspiration.
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Ist es nicht sonderbar, zu was das Unterwegssein mich so bringen kann? Zunächst einmal zu einem Ziel, falls das Unterwegssein ein solches hat; doch das ist in vielen Fällen so. Selbst beim Draußenherumgondeln, vulgo Flanieren oder Füßevertreten, habe ich oft ein Ziel, also einen Ort, an den ich gelangen möchte. Es gibt auch andere Ziele, wie zum Beispiel ein bestimmtes Pensum an Kilometern oder Minuten, die ich unterwegssein möchte, in seltenen Fällen sogar muß. Bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Straßen-, S- oder Eisenbahn, Bus und sogar Schiff unterwegs, dann schreibe ich oft in meine Kladde(n). Und ich gewinne neue Ideen durch Abschöpfung inspirierender Momente und Worte, die von und mit Mitreisenden erlebt und/oder gesprochen werden. Manchmal kann ich mich überwinden, den Menschen für die von ihnen kommende Inspiration zu danken. So wie zum Beispiel bei diesem Ehepaar, er schon vom Alter gebeugt, sie noch ganz rüstig, mit denen ich mich in dieser Woche an einer Bushaltestelle über die Geschichte Halle-Neustadts unterhielt: Die haben mir einige bisher von mir nicht beachtete Details erklärt, und ich bin nunmehr in der Lage, Geschichten aus der Vergangenheit besser zu erzählen. Auch diese beiden freundlichen Menschen und ein Zwönitzer Feierabendbier werden irgendwann einmal hier zu finden sein, hier in diesem Blog oder irgendwo anders. Bisher sind sie in der Kladde, in wunderbarer Gesellschaft von vielen Gestalten, Figuren, neben Anfängen kleiner und großer Abenteuer oder Komödien oder Dramen, gut aufgehoben.
Genau diese Inspiration zu finden, ist für mich ab und zu der einzige Grund, mich in eine Straßenbahn oder in die hier durch die Stadt pendelnde S-Bahn zu setzen und mit dieser von hier nach da, von Endhaltestelle zu Endhaltestelle, von Umsteigepunkt zu Umsteigepunkt zu fahren. Der Menschenklang, der sich überall da ausbreitet, wo mehrere nicht zusammengehörende Menschen gemeinsam unterwegs sind (einer von ihnen bin ich selbst, das vergesse ich zu oft, leider), der ist das für mich wichtige, nicht so wichtig sind die anderen Ger&aul;sche, die das Unterwegssein so erklingen läßt. Allerdings gestehe ich, daß mich schreiende und plärrende Kinder nerven (weil ich dann immer an meine Vergangenheit erinnert bin und an mein Gefühl der Hilflosigkeit in solchen Situationen, da sich ein Kind oder die Kinder absolut nicht beruhigen ließen). Was noch sehr störend ist in meinen Augen und Ohren, sollte ich hier besser verschweigen. Oder ich drücke es so aus: sich laut und raumgreifend danebenbenehmende Menschen. Zum Glück sind diese wieder seltener geworden.
Und so sitze ich auch jetzt im Zug, in einer S-Bahn, und schreibe diesen Text hier. Mir gegenüber sitzen ein drei- oder vierjähriges Kind, das gerade viel Vergnügen daran hat, die Welt zu entdecken, während seine Mutter auf einem Tablet mit Windows und angeschalteten Tastentönen (Ehrlich!) in den kurzen Momenten zu arbeiten versucht, da das Kind nicht ihre Aufmerksamkeit einfordert. Erstaunlich, immer wieder erstaunlich, was Kinder noch wahrnehmen in ihrer Umwelt: Da sind Dinge dabei, die ein Erwachsener gewohnheitsmäßig längst übersehen gelernt hat. Auch ich nehme mich davon nicht aus, aber wenn mir so niedlich gezeigt wird, wieviel mir deshalb entgeht, dann nehme ich mir immer wider vor, der Kindlichkeit in meinem Leben wieder mehr Raum zu geben. Staunen, wundern und freuen können Kinder sich so viel leichter als ich. Ich glaube, es täte mir gut, wenn mir das auch leichter fallen würde. Zumindest beim Schreiben hat mir das Kind geholfen, indirekt, mit seinem mitteilsamen Erleben und seinem «Mama» alle paar Sekunden. Vielen Dank dafür.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 11.04.2019 waren positiv die S-Bahn-Zeit am Nachmittag, ein Stück Kuchen, spübare Entspannung.
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Stäbe.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


All die Geschichten, die einem in auf diese Weise in den Schoß fallen…natürlich darf man nicht alle verwenden, und viele vergisst man ja auch wieder, aber sie waren da, wenn auch nur für einen Moment. (Und wahrscheinlich sind wir irgendwo in den Geschichten der anderen.)
Ein besinnlicher Text, der mir sehr gut gefaellt.
Best word: „vulgo“ – man lernt nie aus. Dankeschön. In einem Zug, ach so. Ich dachte zuerst: am Stück geschrieben, ohne Stift absetzen…
Eines, das leider auszusterben droht, dieses Wort.
Es ist wirklich schön zu erleben, wie Kinder die Welt entdecken. Ich habe die Zeiten mit den eigenen und später mit den Kindern im Schulhort sehr genossen. Jetzt sind es manchmal Erinnerungen, die mich zum Schmunzeln bringen. Wie z.B. als wir einen Windhund trafen und meine Tochter rief: „Kuck mal, da kommt der pünktliche Hund“. Oder als ich abends im Kinderzimmer nachschauen wollte, ob alles in Ordnung ist und eine Stimme aus dem Dunkeln kam: „Du musst nicht so schleichen, wir sind noch merkig“.
Deine Zuggeschichten sind schön zu lesen. Schreib sie auf und halte sie fest, auch mit dem, was du beobachtest und denkst. Es ist eine feine Sache. Danke.
Danke. Ich werde mich bemühen.