Heute ist zwar Weihnachten (Nº 359/2018)

Doch ich meckere trotzdem.

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Ich bin wiedereinmal zornig, wütend, ungerecht, ungehobelt. Und das ausgerechnet heute.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ja, erst heute ist, war beinahe, Weihnachtstag. Erster Feiertag. Und nicht gestern und nicht die Geschenkerennerei und nicht die Völlerei sind Weihnachten. Heute ist der Tag nach der Geweihten Nacht, in der nach den Überlieferungen der Vater als sein eigener Sohn zur Welt kam. Es mag sein, daß eine Minderheit hierzulande sich mit dem Gruß “Fröhliche Weihnachten” nicht anfreunden mag, so, wie anderswo Minderheiten sich mit einer Grußformel nicht anfreunden mögen. Und doch ist es mein Gruß, ist es das, was ich den Menschen wünsche, denen ich begegne, ohne Ansehen des Glaubens, der Person, der Herkunft, des Alters. Warum muß aus einem Gruß ein “Politikum” gemacht werden? Ich als Nachtmensch kenne keinen “Guten Morgen”, und ich muß mir den Wunsch um acht Uhr in der Früh (für mich also mitten in der Nacht) trotzdem gefallen lassen.

Ach so. Ja. Genau das ist es: Wer den Gruß “Frohe Weihnachten” zur Zeit und hierzulande zu unterlassen bittet, der sollte auch das “Guten Morgen” jederzeit zu unterlassen bitten. In diesem Lande wird an Dingen herumgedoktert, herumgepfuscht, sprachgeregelt, denkverboten (oh ja, mein Eindruck), statt an der Lösung der Probleme wirkliche zu arbeiten. Immer wieder werden Fassaden übertüncht. Kindergelderhöhung! Damit wird etwas gegen Kinderarmut getan! Natürlich! Nur nicht bei den Ärmsten der Armen, nur nicht bei denen, die von ALG-II und Sozialgeld abhängig sind: Da nämlich wird Kindergeld der Bedarfsgemeinschaft in voller Höhe als Einkommen angerechnet (auch die Erhöhung), so daß genau diese Kinder ihr Kindergeld in voller Höhe zur Verringerung der ALG-II- und Sozialgeldbezüge einsetzen müssen. Auch die Erwerbsminderungsrente steigt. Aber nur für Fälle, deren Anspruch ab dem nächsten Jahr eintritt. Wer jetzt schon beantragt hat oder bezieht, der bekommt diese Erhöhung natürlich nicht. Wieso auch? Wozu auch? Na? Wenn das Generische Maskulinum als geschlechtsunabhängiges grammatikalisches Konstrukt die Frauen nicht mitmeinte, dann kann es auch die Herren nicht mitgemeint haben, dann gibt es in Zukunft die Ärztin und den Ärzter, die Verkäuferin und den Verkäuferer.

Wir versuchen, die Ansicht aufzupolieren. Marode Brücken werden frisch gestrichen, dann halten sie länger.

Es wird durch Sprachregelungen versucht, Gräben zuzuschütten, ohne wirklich die Schaufel in die Hand zu nehmen. Das klingt für mich doppelplusgut.

Lebt gefälligst so, daß niemand anderes an eurem Leben Anstoß nehmen kann? Wie bescheuert. Wie unsinnig. Wie armselig diejenigen, die das von den Menschen fordern – und immer nur von den anderen Menschen.

 

Warum denn ausgerechnet zum Ersten Weihnachtsfeiertag dieser Text? Weil auch heute nirgends heile Welt herrscht. Weil ich die morschen Konstruktionen hinter den glitzernden Fassaden sehe, Tag für Tag. Hier, da, dort. Montags, an Wochenenden, zur Weihnachtszeit. Weil ich es so satt habe, diese täglichen Belehrungsversuche, diese Aufforderung zur Vertuschung hinzunehmen, unwidersprochen hinzunehmen; und ich habe keine Lust mehr auf Begründungen, die nur auf Hörensagen beruhen. Weil mir Husten aus der Hölle und verstopfte Nase die Laune sowieso verdarben.

 

Wer von mir Verständnis und Rücksichtnahme einfordert, sollte auch willens und in der Lage sein, mir Verständnis und Rücksichtnahme entgegenzubringen. (Oh, ich weiß, dieser Text ist weder gendergerecht noch political correct. Er ist meine herausgeplatzte Meinung, aber nicht mein Dogma.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 25.12.2018 waren gesunkene Temperatur, viele Kerzen, Stollen und Speckfettbemen.
 
Aussortiert habe ich gestern, am Heiligen Abend, zwei kaputte Taschen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Antworten zu Heute ist zwar Weihnachten (Nº 359/2018)

  1. kat. sagt:

    Wow! Das blitzt. Aber ich kann dir zustimmen. Ich hab letztens eine Doku gesehn über kinderarmut. Hier? In unserem tollen Land? Wo der vaterunterhalt der alleinerziehenden Mutter aufs Grund-Staatsunterstützung angerechnet wird? Die sowenig Geld hat, dass sie in der Pampa leben muss, und sozial vereinsamt? Und nie dort einen Job findet weil sie sich kein Auto leisten kann? Oh ich wurde auch so böse. Und wer will das, das man sich nicht mehr Frohe Weihnachten wünscht? Sollen sich alle gehackt legen! Und Weihnachten,ieber Emil da bricht eh der ganze Mist raus. Siehe Familienweihnachtsfeiern. Kam gestern in den Genuss einer solchen. Und fragte mich, wo bleibt Liebe und Nachsicht? Trotzdem, heute versuche ich erneut die Sache mit Liebe und Nachsicht. Grüße Kat.

  2. piri ulbrich sagt:

    Wer von mir Verständnis und Rücksichtnahme einfordert, sollte auch willens und in der Lage sein, mir Verständnis und Rücksichtnahme entgegenzubringen.

    Ein wichtiger Satz – den sollte jeder berücksichtigen.

  3. Pit sagt:

    Lieber Emil,
    wie Recht Du hast! Deswegen bleibe ich hierzulande auch bei „Merry Christmas“ und kann mich mit „Happy Holidays“ or „Season’s Greetings“ nichts anfangen.
    In diesem Sinne, nachtraeglich, ein froh-besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute, ganz besonders gute Gesundheit, im kommenden Jahr,
    Pit

    • Der Emil sagt:

      (Ich wollte es jetzt wirklich in Englisch versuchen, aber das pack ich nicht.)

      Am meisten kotzt mich an, daß auch in Traditionen und Volksbräuchen und religiösem Kontext diese ominöse „political correctness“ gefordert wird, meist von Menschen, die wenig bis keine Ahnung davon haben bzw. selbst auf p.c. „verzichten“ …

      Have a good time „between the years“.

      • Pit sagt:

        Jetzt kann ich mich nur wiederholen: „Wie Recht Du (auch hier) hast!“ „Political Correctness“ war schon immer eine Geisteshaltung, die mir nicht gefallen hat, weil sie im Gegensatz zu dem, was damit vielleicht einmal intendiert war, meistens von Intoleranz gepraegt war/ist und jedem diese Meinung/Geisteshaltung aufzwingen will.
        Auch Dir eine schoene Zeit zwischen den Jahren, mit den besten Gruessen aus Fredericksburg,
        Pit

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