Es war immer nur ein Moment (Nº 250/2018)

Doch noch immer bin ich #NotJustSad

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Und dann kommt ganz plötzlich, genau so, wie ich es schon lange erwartet habe, wieder so ein beschissener Moment, in dem ich an meinem Hiersein und an meinem Dasein verzweifeln mag. Weil eben niemand da ist, der mich als Mensch annimmt. Ich bin für alle eben immer nur der, der die Arbeit macht, oder der, der stört, oder der, der mal wieder “keine Zeit für $IRGENDWASODERWEN” hat – wobei “keine Zeit” hier euphemistisch für “einfach keine Lust und keinen Bock und zu faul” steht; ich bin der, der dieses oder jenes nicht fertigbringt. Oder gar der, von dem man nicht genug Abstand haben kann … Oh ja, diese Momente kenne ich. Sehr gut sogar. Und manchmal, wenn sie nach zwei oder drei Wochen wieder vorüber sind, dann kann ich auch wieder unter Leute gehen, ganz normal einkaufen zum Beispiel. Und telefonieren kann ich dann auch wieder.

Manche wird jetzt sagen, daß das ja so sein muß, wenn ich solche Momente erwarte. Stimmt so aber nicht. Ich empfinde diese Grund­abgelehntheit in mir und versuche, sie zu unterdrücken, und warte dann nur auf einen Auslöser, also ein Wort oder eine Geste, die mich darauf zurückwerfen. Obwohl ich ja nicht nur darauf warte, sondern eher auf ein Wort, eine Geste hoffe, die mir die Unsinnigkeit dieses Fühlens zeigt. Die mich erleben läßt, daß da eben keine grundsätzliche Abneigung und Ablehnung mir entgegenschlägt, sondern daß ich gemocht werde, vermißt werde, vielleicht sogar: geschätzt werde. So einfach wäre es, mich diese Momente nicht erleben zu lassen.

Ja, vielleicht sollte ich mich etwas rar machen, nicht immer Ja! oder Hier! schreien, wenn es … nun ja, wenn es … also wenn ich gefragt werde, ob ich dies oder das tun könnte. Doch was, wenn ich solche Aufgaben ablehne? Dann ist da erst Recht kein Grund, kein Anlaß mehr, mich zu tolerieren, gar zu mögen. Dann gehe ich in der Ein­sam­keit, im Alleinesein ein, dann kann ich mir die schöne Illusion von menschlichen Freunden nicht aufrecht­er­halten. Schön ist es ja, mit Menschen umgeben zu sein. Vielleicht sind unter denen ja auch einer oder zwei, die mich mögen, denen ich fehlen würde und nicht nur das, was ich für sie tu. Hach, das wär' schön.

 

Aber zu oft eben kommt da ein Moment, in dem ich an meinem Hiersein und an meinem Dasein verzweifeln und mich aus dieser Welt stehlen mag.

 

 

Ach nein, das da ist keinesfalls akut. Das ist ein Text, den ich vor langer Zeit hätte schon so schreiben können, vielleicht sogar müssen. Heute muß ich das so nicht mehr schreiben. Aber beim Sortieren kam eben die Grundlage, der Ursprung dieses Textes zum Vorschein; und da hab ich heute dem damals aufgestauten Ärger etwas Luft gemacht.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 07.09.2018 waren die Ruhe beim Bügeln, im Kopf Sortiertes, eine freundliche Geste.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Es war immer nur ein Moment (Nº 250/2018)

  1. Nati sagt:

    Auch wenn es nicht mehr akut ist, trotzdem denke ich das es ein geben und nehmen sein soll. Vllt bittest du einfach mal um Hilfe und bist nicht immer derjenige der alles macht und schafft.

  2. Weena sagt:

    Als ich das heute las, dachte ich, upps, da geht es ja noch einen wie dir und wollte irgendetwas Tröstendes, Aufmunterndes oder sowas schreiben, aber dann der positive Schluss! Uff.
    Liebe Grüße
    Weena

    • Der Emil sagt:

      Es ist nicht so, daß es mir nicht mehr so geht … Nur gerade eben ist es nicht akut. Ich weiß, das kommt dieses Jahr noch wieder (aber auch nicht mehr wochenlang …).

      Danke.

  3. Ulli sagt:

    Das ist so richtig viel Arbeit, bis man selbst weiß und nicht nur glaubt und hofft, dass man nicht stört, dass man nicht genügt, dass man zu viel oder zu wenig ist … ein bisschen helfen können andere, aber das meiste liegt in mir (in dir) selbst, trotz aller Sehnsucht und allem Wünschen, dass es anders sein möge-
    Puh, Emil, kalt erwischt …
    herzlichst, Ulli


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  4. Corinna sagt:

    Wahrscheinlich hinterlässt man bei den meisten Menschen keine Lücke. Ich wäre mir nur bei zwei sehr guten Freundinnen und meiner Familie sicher, dass sie mich vermissen würden. …jedenfalls so lange bis die Zeit den Schleier des Vergessens über den Erinnerungen auszubreiten beginnt. Und das wäre dann wiederum auch gut so.
    Ich genieße die unmittelbaren Momente der Dankbarkeit, wenn ich für jemanden etwas tue. Wenn nie etwas zurück kommt, dann fällt es mir auch leicht, „nein“ zu sagen. Man muss nicht von allen gemocht werden.


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