Adventszeit ohne Erinnerungen?
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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.
Ich brauchte gerade drei Tage, um alle Weihnachts-CDs mehrfach gehört zu haben. Viele der Lieder konnte ich mitsingen, meist sogar mehr als nur die erste Srophe. War ich Sänger in einem Chor? Oder Musiker in einem Orchester, in einer Band? Dieses zum großen Teil fehlende Gedächtnis ist wirklich unangenehm. Ja, manches kehrt mit der Musik zurück. Aber weder weiß ich meinen Namen, noch meinen Beruf, noch erinnere ich mich an Familie, Freunde, meine Vergangenheit. Selbst das, was wieder auftauchte, ist immer irgendwie etwas verschwommen, unscharf, unwirklich. Ich weiß auch nicht, ob das bei allen Erinnerungen “normal” ist oder meiner Kopfverletzung geschuldet. Sabine ist noch immer krank, erkältet, wie Kathrin mir sagt, jedesmal wenn ich sie nach ihrer Kollegin frage. Und das ist schade, denn ich werde jetzt gleich von der Überwachungsstation, auf der ich lange genug zubrachte, auf eine Normalstation verlegt. Ob ich sie dort wiedersehen werde, die Erzgebirgerin? Und wie soll ich all die geliehenen Dinge zurückgeben, den Schwibbogen, den Discman, die Kopfhörer?
Zwei Stunden später bin ich auf der normalen Station. Auch hier liege ich in einem Zweibettzimmer, allein. Und wie mir die Schwester gerade mitteilte, werde ich in diesem Zimmer auch alleine bleiben. “Sie sollen alle Möglichkeiten erhalten, sich an sich selbst zu erinnern.” Ich verstehe nicht, was mir damit gesagt werden soll. Aber die Schwester ist schonwieder im Zimmer, stellt mir ein Räuchermännlein – das Räuchermännchen, das auf Sabines Wagen stand! – auf den Nachtschrank und zündet tatsächlich ein Neudorfer Weihrauchkerzchen an. Fragend schaue ich die Schwester an. “Ach, die Kolleginnen von der Ü 2 haben uns diesen Tip gegeben. Und ganz ehrlich: Sie müssen dort großen Eindruck hinterlassen haben!” Und schon ist sie wieder verschwunden und ich lasse mich in den Duft sinken.
Wach werde ich, als auf dem Gang der Geschirrwagen seine typischen Geräusche erklingen läßt. Es muß Zeit sein fürs Abendessen, draußen jedenfalls ist es dunkel. Ich schalte den kleinen Schwibbogen an. Der Bergmann mit seiner Erzstufe steht noch immer neben mir. Die Tür geht auf und: Schwester Sabine steht mit meinem Tablett in der Tür. Sie trägt keine Schwesterntracht, nein, das ist Zivil-, also Privatkleidung. “Na? Das Gesundschlafen ist bei Ihnen immernoch Programm, hörte ich gerade.” Ihre Stimme ist etwas angeschlagen, und dann verfällt sie in den Heimatdialekt. “Iech bie aah noch kraanklich, wollt oder aah aafach emol nooch Ihne saah. De Musik scheint Ihne gednfalls gefalln ze hamm.” Ich weiß auf Anhieb nichts zu antworten, bin platt vor Überraschung. “Wissen Sie, Sabine, daß Sie mit ihrer Idee …” Sie nimmt meine Hand. “Weihnachten, die Adventszeit: Das ist doch etwas Besonderes. Und wenn es jemandem so … so geht wie Ihnen, dann rührt mich das sehr. Ich möchte dann immer … helfen. Damit die Erinnerungen wiederkommen. Und bei vielen Menschen ist die Adventszeit eben die, die mit den meisten Gefühlen verbunden ist und damit auch die meisten Erinnerungen … ”
Wir schweigen. Wir wollen gleichzeitig sprechen, bemerken es und belassen es beim Luftholen. Wir schweigen wieder. Mir geht ein Lied durch den Kopf. Ich summe die erste Strophe stumm vor mich hin und werde mit der letzten Zeile laut. Das Lied erklingt zweistimmig, denn auch Sabine summt genau dieses Lied, dieses eine, das in jedem Jahr das Fest eröffnet. Die zweite Strophe singen wir gemeinsam, ich im Tenor und Sabine mit einem Alt wie meine Frau.
Meine Frau? Ich habe eine Frau. Ich. Habe. Eine. Frau.
Habe?
Hatte?
Ich glaube, das spielt gerade keine Rolle. Ich sitze, liege hier in einem Krankenhauszimmer und fühle mich. Ich fühle mich! Ja, ich fühle mich; und ich fühle mich weihnachtlich. Und Hoffnung habe ich auch wieder, Hoffnung auf wiederkehrende Erinnerungen. Und darauf, das richtige Leben zu führen. So harmonisch wie diese Minuten gerade.
Dieser Text gehört – als Fortsetzung – zu “Abends am Fluß”, “Stimmen und grelles Licht” und zu “Immer wieder Überraschungen”, zum Patienten ohne Gedächtnis.
Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.
P.S.: Das Gute am 18.12.2017 waren ein Frühstück, ein ruheloser Vormittag, ein weiter Weg.
Die Tageskarte für heute ist das As der Schwerter.
© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Danke
Das Schreiben entfacht so viel. Lebenswillen, Kraft, kein Langeweilechillen.
Irgendwo muss ein Hort der Geborgenheit sein…?
Ob das Schreiben das entfacht … Es ist Ausdruck von all dem.
Hort der Geborgenheit: Wunderbare Benennung. Ich suche ihn.
Hallo Emil.
Um deinen Beitrag zu lesen mußte ich erst wieder zu dir kommen. War ja schon einmal passiert, so wusste ich Bescheid.
Komisch oder?
LG, Nati
Äh: Wie meinst Du das jetzt?
Ich hatte mich doch so ziemlich am Anfang von deinem Adventskalender gewundert wo dein Beitrag ist, vielleicht erinnerst du dich. Er ist nicht in meinem Reader erschienen. Auf deiner Seite war er ja. So wusste ich heute direkt Bescheid und bin direkt zu dir gekommen, da er wieder nicht im Reader zu lesen ist.
Dein Beitrag wurde heute im WordPress-Reader nicht angezeigt.
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Liegt vermutlich auch am zerschossenen Bloglayout.
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Es ist – wie soll ich das sagen – bei mir nur sporadisch verschoben. Ich habe am Theme nichts verändert in den letzten zwei Jahren …
Vermutlich hast du in irgendeinem Text einen HTML-Fehler. Nur wo? Das ist eine Sisyphusarbeit.
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Ich habe entdeckt, wo der Fehler sein muß (ein überflüssiges </div>). Zum Beseitigen brauche ich nur ein wenig Zeit.
Ich denke, ich habe den Fehler beseitigt.
Kannst Du eine Änderung zum Guten feststellen?
Dann bin ich ja doch nicht die Einzige.
Nein, warst Du nicht. Ich habe einen fehler entdeckt (in meiner Vorlage) und ihn hoffentlich überall beseitigt …
Das ist ja gut. Ich schau gleich ob der neue Beitrag erscheint und gebe dir Bescheid.
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Zum Teil ist das Layout wieder gut. Die Seitenleiste ist noch verrutscht. Ich kann aber nicht sagen warum. Du wirst auch den Fehler finden!
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Danke. Ich such weiter.
Guten Morgen Emil.
Dein Beitrag ist im Reader nicht zu sehen. Ich kann zu dem 20. auf deinem Blog auch nichts schreiben oder liken (oder ich stell mich doof an, lach).
Den Beitrag hast du schön ausgesucht, wenn jeder so denken würde wie du wäre die Welt voller Frieden, aber ich denke dafür ist die Menschheit nicht gemacht, leider.
LG, Nati
Vielen Dank.
(Tja, das Ding mit dem Reader … Als mir das mit jemand anderem so ging, und das war schon mehrmals, bin ich entfolgt und wieder gefolgt, dann ging das wieder.)
Das habe ich bei einer anderen auch mal versucht. Bekam aber trotzdem nichts mehr von ihr.
Ich versuche es bei dir nachher mal, muss erstmal zur Arbeit. Ich schreib dir dann ob es geklappt hat.
Dein Beitrag von gestern ist jetzt im Reader zu sehen, nur der heutige nicht.
Gelesen.
Gelesen. Hoffnungstext.
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(Alle vier?)