In die Falle getappt (2017: 323)

Wider besseren Wissens.

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Es ist ja ein wirklich bekanntes Phänomen, welchem ich heute zum Opfer fiel. Denn: Der ganze Tag war zwar anstrengend, weil viel getan wurde, aber doch sehr entspannt anstrengend, weil mir so ziemlich alles locker von der Hand ging. Und was nicht sofort klappte, verursachte keine “Versager”-Attitüde, sondern wurde im zweiten Anlauf oder bei einer Korrektur zur Zufriedenheit erledigt. Es war also ein wirklich guter Tag. War. Wirklich. War.

Bis dann am Abend eine einzige dumme Bemerkung all das Gute, all die Erfolge, alles Können mit einem Schlag auf den Müll fallen ließ. Vom Moment an war der Tag auch in der Rückschau nur noch ein Scheißtag.

Eine zwar saudämliche, aber eben doch nur eine Bemerkung. Sieben Worte, die … wehtaten, mich ebenso aufbrausen ließen. Fühlte ich mich doch persönlich angegriffen, meine Leistung sah ich abgewertet, mich für dumm verkauft. Und diese Bewertungen übernahm ich natürlich sofort. Wider besseren Wissens! Ich sah ja, was ich alles geschafft hatte, und ich wußte und weiß, wieviel Arbeit und Schweiß darin stecken – und doch war all das schlagartig ausgeblendet, weg, nicht mehr da, nur noch unwert. Jedenfalls fühlte sich das alles so an. Rational konnte ich nichts davon betrachten, nicht nach dieser Bemerkung. Nicht mit dieser Verletztheit, diesem Rachedurst, diesem “Ich-schmeiß-alles-hin”-Gefühl.

 

Ich weiß nicht, wann das begann, dieses “ein Schlechtes macht Tausende Gut zunichte”. Aber das war und ist Bestandteil meiner Depression, eines der typischen Muster, die mich weit, weit hinab in das Schwarze Loch bringen können. Heute nicht. Heute tat auch ich einen wütenden Schrei, beschränkte meine weitere Hilfe nur noch auf etwas, das so nicht erwartet und erwünscht war von der bemerkenden Person. Aber das schaffte mir dann wieder Luft, Denkvermögen, vernünftigen Zugang zum vergangenen Tag. Und das war gut und notwendig, für mich.

Ich werde sicher auch in Zukunft wider besseren Wissens wieder in diese Falle tappen; doch ich möchte deshalb nicht wieder in der tiefen Depression landen, in der, in der nichts mehr einen Wert hat, am allerwenigsten ich einen Wert habe, in der ich nur noch Schuld habe an allem und mein Tod den anderen nur eine Last nehmen würde. Heute habe ich es auch dank großartiger Hilfe geschafft. Beim nächsten Mal schaffe ich es wieder.

So. Das mußte ich jetzt schnell noch loswerden. Jetzt verschwinde ich im Bett.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 19.11.2017 waren ein sehr schöner Morgen, der Abschluß des Arbeitsabschnitts, das Wiederauffangen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu In die Falle getappt (2017: 323)

  1. Gratuliere Emil!
    Alles Gute, Segen und schlaf gut!
    M.M.

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  2. Sofasophia sagt:

    Schlaf gut!
    Und gut, dass du es drehen konntest. Ich weiß, wie schnell wir aus der Bahn geraten können.


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  3. Die Reaktion gehört zu dir. Aber das beste: dass du es geschaft hast, wieder aus dem sich anbahnenden Loch rauszukrabbeln gehört auch zu dir! Und das ist eine wunderbare Leistung! Gratuliere! 👍🏻 👍🏻 👍🏻


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  4. Ulli sagt:

    Wie lange es braucht, dass alte Muster aus dem System verschwinden und dann … wie befreiend es ist, dass sie zwar hochpoppen, aber nicht mehr wirklich greifen … dafür hast du ein Beispiel gegeben!
    herzliche Grüße
    Ulli

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  5. Ich glaube Es ist ziemlich schwer, alte Muster zu durchbrechen. Du hast es geschafft. Sei stolz auf dich.


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  6. Manchmal weiß ich keinen gescheiten Kommentar zu schreiben und der Like-Button passt auch nicht – passt meistens nicht. Denkanstöße sind deine Blogbeiträge für mich…

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