Die eigene Verantwortung

Niemand kann mich glücklich machen außer mir

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Wer viel (und vor allem kreuz und quer durch die Drucklandschaft) liest, findet immer wieder einmal ein paar Sätze, die der sofortigen Zustimmung bedürfen. (Ja, solche Sätze finde ich wirklich!) Und wenn ich mich notgedrungenermaßen irgendwo in die Zeitschrift “Eltern” vertiefe aus Mangel an anderem Lesestoff, so war ich diesmal echt überrascht: Im Heft 10/2014 ging es (auch) um Beziehungen. Nachdem ich gestern aus meiner eigenen abstrahierte, schreibe ich heute von Michael Cöllen ab, einem Psychologen, Psychotherapeut und Buchautor, der lange Jahre insbesondere in der Paartherapie tätig war. Nicht sofortiges Zustimmen, aber ein “Aha! Also nicht nur ich!” war meine Reaktion darauf. Im Interview mit Margot Weber nämlich sagt Michael Cöllen auf Seite 66 ff:

 

 

[ … ] Die Liebe ist kein Schlaraffenland, auch wenn wir uns das wünschen. Manche Menschen warten tatsächlich einfach nur darauf, daß sie von einem anderen glücklich gemacht werden. Das ist narzistisches Verhalten. Dahinter steht das Streben nach Selbstaufwertung. Bleibt sie aus, reagieren diese Menschen depressiv oder aggressiv. Dann richten se ihre Enttäuschung auf den anderen, statt sich selber kritisch zu hinterfragen. Was wir begreifen müssen: Jeder Partner ist für sein Glück – aber auch sein Unglück – selbst verantwortlich. [ … ] Wir selbst entscheiden, wie wir die vorhandenenMöglichkeiten nutzen oder mißbrauchen, unser Glück beziehungsweise Unglück zu gestalten. Der Partner ist nicht grundsätzlich gut, aber ebensowenig ist er grundsätzlich böse. Oft verteidigt jeder ausschließlich seine eigene Wahrnehmung – als ob das ganze Glück daran hängen würde. Aus dieser subjektiven Wahrnehmung heraus nimmt man sich dann auch nich die Hoheit, den anderen zu kritisieren und zu bekämpfen. Am Ende hat sich jeder Partner seine eigene Wahrheit und seine eigene Welt konstruiert.

Zeitschrift “Eltern”, Heft 10/2014, S. 66 ff

 

 

Das alles weiß ich doch schon, werden viele sagen/denken. Aber ja! Nur: Halte ich mich wirklich daran? Erwarte ich nicht oft zu viel von meiner Partnerin? Sehe ich sie nicht viel zu oft als Erfüllungsgehilfin für all meine unausgesprochenen Wünsche? Wenn ich ihr nicht sage: “Ich möchte Dich jetzt einfach mal umarmen/jetzt einfach mal von Dir umarmt werden.” – woher soll sie das wissen? Und soll ich riechen, daß sie jetzt geküßt werden möchte? Jeder, dem die unausgesprochenen Wünsche nicht erfüllt wurden, ist dann traurig, sauer, eingeschnappt. Aber es gilt eben nicht: “Wenn Du mich richtig lieben würdest, wüßtest Du, was ich brauche!” Und auch das ist nicht wahr: “Wenn Du mir diesen Wunsch (den ich Dir aber auf keinen Fall verraten werden) nicht erfüllst, dann bist Du ein Arschloch vor dem Herrn und hast sowas wie mich überhaupt nicht verdient!” All das weiß ich. Und wie oft tappe ich doch immernoch in diese Falle.

Also. Jeder ist seines Glückes Schmied. Auch in einer Beziehung, in der erst Glück bleiben kann, wenn Verzicht, Einlenken, Geben alltäglich werden. Glaube ich. Jetzt gerade. Bis ich den nächsten nachdenklich machenden Text lese …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 26. Oktober 2014 waren der ruhige Vormittag, leckeres Essen, ein gemütlicher Abend.
 
Tageskarte 2014-

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Die eigene Verantwortung

  1. Sofasophia sagt:

    wie wahr und wie verhängnisvoll …

  2. wildgans sagt:

    Wunderbare Einsichten, so wahr, so wahr! Das ist es auch, was ich mit „Sichselbstbeeltern“ meine, und erst, wenn man das nicht mehr vom Partner oder von Freunden und Geschwistern erwartet, ist man echt „Mensch“, finde ich. Dann wird das Hand-in-Hand-Gehen wunderbar inniglich (statt nur anhänglich-händlich, abhänglich).-

    • Der Emil sagt:

      Aber es ist doch so einfach: Wer mich liebt, soll mich auch glücklichmachen? 😉

      Ach, warum muß ich mich nach etwas so Kompliziertem sehnen (wenn ich mal keine Beziehung habe)?

      • Gudrun sagt:

        Ist das nicht eher so: Du bist glücklich, weil dich jemand liebt?
        „Glücklich machen“, das klingt für mich immer so unwirklich, wie „zaubere mal!“. Manchmal zaubert man dann alles kaputt und ist selbst nicht glücklich dabei. 🙂
        Gruß aus dem Weltnest von nebenan.

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