Wie er früher üblich war
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Fleisch kocht im Topf, in dem ich vorher etwas Sellerie, ein paar Möhrenstückchen und Zwiebeln angebraten hatte. Ja, das Fleisch auch, aber wirklich nur kurz. Dann wurde mit Gemüsebrühe abgelöscht und aufgefüllt. Daneben stehen bereit: gewürfelte Möhren, gewürfelter Kohlrabi, zerkleinerter Blumenkohl, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln usw. usf. Das meiste davon wurde selbst geschnippelt und eingefroren. Lorbeerblätter und Nelken hab ich dazugegeben, Salz, etwas Pfeffer, Majoran und selbstgetrocknetes Selleriekraut; am liebsten hätte ich noch ein paar Wacholderbeeren gehabt. Die Kartoffeln koche ich morgen extra, während das Gemüse schon in der geseihten Brühe garzieht; einige werde ich pürieren und damit dem Eintopf/der Suppe etwas Bindung geben.
Und während das Rindfleisch jetzt noch etwa 30 min bis 40 min benötigt, habe ich Zeit, zu Nadel und Faden zu greifen und den einen oder anderen Schaden zu beseitigen, zu flicken, wie es so schön heißt. Da war hier eine Naht auf und dort ein Knopf ab. Die Hose muß gekürzt und die wieder ausgelassen werden. Oder es gibt verscheidene Dinge zu kleben, hier was abgebrochenes, dort ein zerfallenes Spielzeug. Jaja, Spielzeug zerfällt, von ganz allein, wirklich, wenigstens wenn Kinder drauftreten. Dann zerfällt es von ganz allein und ich, ich darf es wieder zusammenleimen.
Das Fleisch braucht noch seine Zeit. Aber hier riecht es schon nach der Sonnabendsuppe, nach dem werdenden Gemüseeintopf, nach der köchelnden Brühe. Es duftet so, daß ich schonwieder Hunger bekomme, vielleicht auch nur Appetit. Zwei Stunden schon bin ich mit der Vorbereitung für das morgige Essen beschäftigt, und diese zwei Stunden flicke und repariere ich auch schon. In der Zwischenzeit hat die Frau das Kind gebadet, gestillt und gefüttert und ins Bett gebracht. Auch wir waren in der Wanne. Jetzt sitzen wir beisammen, reden, schmieden Päne für morgen und Sonntag. Zerreißen uns die Mäuler über die Nachbarn, lästern über die Verkäuferinnen in der HO. Wir trinken noch ein Bier zusammen, beschließen wir. Stoßen dann auf die geschaffte Woche an.
Ich lege nochmal ein paar Scheite Holz und drei Briketts in die Glut. Bis die dann erloschen ist, wird das Fleisch eine wundervolle Brühe ergeben haben. Wir gehen bald ins Bett und lauschen noch ein wenig dem Radio, Pop nach Acht bis Mitternacht bringt heute Oldies. Dieser neue Moderator, dieser Günther Jauch, der kann dem Thomas Gottschalk, der sonst die Sendung moderiert, sprachlich noch nicht ganz das Wasser reichen. Seine Musikauswahl allerdings gefällt uns wesentlich besser als die Gottschalks.
Irgendwann zwischen Hollies und Middle of the road bin ich wohl eingeschlafen …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 14. Oktober 2014 waren der ruhige Vormittag, mich sehr erfreuende Nachrichten, die geschaffte Hausarbeit (Abwasch und Bügeln).
Tageskarte 2014-10-25: Der Ritter der Schwerter.
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Hmmm, das duftet soooo lecker 🙂
Ja, die Gerüche der Kindheit und überhaupt der alten Zeiten sind schon etwas ganz besonderes.
fein erzählt. friedliches familienidyll …
A blended story made of various remembrances. Une histoire mixte faite de souvenirs divers.
Solche Freitagabende können viele der heute über 40jährigen erlebt haben. Bei Menschen unter 25 bin ich mir da aber weniger sicher …
Die haben dann einfach andere Erinnerungen 😉
Genau. Ich würde gern heute schoneinmal hören, an was die sich in 20 oder 15 Jahren so erinnern, die Jungschen.
Also als eines dieser Jungschen kann ich sagen, dass auch ich solche Erinnerungen habe. Ich bin zwar wohl das Kind, aber ich lag immer mit Papa auf dem Sofa und habe den Rettungshubschrauber geschaut. Oftmals war es so gruselig fand ich, dass ich mich hinter meine Papa versteckt habe, bis es vorbei war. Währenddessen war meine Mama in der Küche und zauberte uns ein wunderbares Abendbrot. So waren sie, meine Sonntagabende. Kein Freitag, ich weiß, aber trotzdem genau so schön.
LG 🙂
Frag sie doch mal, die Jungschen. Ich bin mir sicher, dass sie auch bleibende Erinnerungen haben, und bestimmt nicht immer schlechte. Und deren Kinder werden auch was zu erzählen haben. Später, wenn sie mal einer fragt. So geht das immer so weiter.
ja genau das sind auch meine Erinnerungen 😉 wir mussten auch noch am Sonnabend in die Schule und deswegen hat Mutti schon Freitagabend Suppe vorgekocht, weil sie auch bis Mittag arbeiten musste … wir haben immer Schlagerderby und Plattenteller im Radio gehört, allerdings weiß ich nicht mehr ob das am Freitag war, ich glaube eher das war Sonnabend oder Sonntag… Radio Luxemburg haben wir auch immer gehört… aber nur ganz leise das die Nachbarn das nicht hörten 😉