Totenstille in der Stadt
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Sonntagnachmittag. In der Nacht vorher war ich gefühlt dreimal pro Stunde wach, hatte mir die Wärmflasche mit kaltem Wasser gefüllt, Arme, Beine, Nacken und Solarplexusgegend immer wieder mit kaltem Wasser abgetupft. Nichts half – an einen erholsamen Schlaf war nicht zu denken. Am Nachmittag dann mußte ich in die Stadt fahren, zum Sender. Eine Art Hochnebel verdeckte die Sonne, es war drückend schwül; und zwischen Schatten und Nichtschatten war kein Unterschied zu fühlen.
Im Bus stehend (zum Setzen war es einfach zu schweißtreibend) erinnerte ich mich an die gute alte DDR-Zeit, in der die Fahrer bei solchen Witterungsbedingungen einfach mit offenen Türen fuhren. Heutzutage gibt es Kraftomnibusmodelle, die mit geöffneter Tür keinen Meter bewegt werden können, sagten mir schon mehrere Fahrer. Und in Karl-Marx-Stadt fuhren auf der Straßenbahnlinie nach Rottluff die ganz alten Trams, die noch aus der Vorkriegszeit stammten und offene Perrons hatten, oder die Gothaer Modelle, deren Türen von Hand geöffnet werden mußten. Frischluft allerorten, bewegte (!) Frischluft.
Die Haltestellen in Halle (Saale) wurden nach modernsten architektonischen Gesichtspunkten errichtet. Die Anzeigetafeln mit den Fahrzeiten stehen so, daß sie vom Bahnsteig aus meist nicht gesehen werden können (zumindest in Neustadt ist das mehrheitlich so). Und die sogenannten Wartehäuschen bestehen meist aus Glaswänden und einem Glasdach. Auf daß auch nirgends etwas Schatten geworfen werden kann (wahrscheinlich soll noch das letzte von den Roten Schweinen endlich Braun werden?) – im Ausgleich dafür schützen diese Gebilde natürlich nicht vor Regen.
Die Straßenbahn kam. Unerträgliche Luft quoll mir aus der Tür entgegen. Trotzdem mußte ich hinein, diesmal setzte ich mich auf die – wie ich fälschlicherweise annahm – schattige Seite der Bahn. Nach 30 Sekunden war so ziemlich alles, was ich am Leib trug – und das war weiß Knöppchen wenig genug – komplett durchgeschwitzt. Nach gefühlten 27 Litern Schweiß konnte ich aussteigen. Unter dem Rhodedendron am Universtätsgebäude saßen zwei Amseln mit ausgebreitet hängenden Flügeln und weit aufgesperrten Schnäbeln. Kein Mensch war auf der Straße, kein Fahrzeug fuhr, kein Vogel sang. Die Freisitze vor den Kneipen absolut leer, die Kneipentüren zu, um die klimatisierte Luft drinzubehalten.
Zustände wie beim cowboyfilmeigenen Showdown in irgendeinem Kaff irgendwo in der mexikanischen Wüste, nur die Kakteen und die Geier und die Sombreros fehlen.
Am Kiosk habe ich mir zwei kalte Bier gekauft, die ich in den Hosentaschen die wenigen Meter bis ins Radio trug. Dort war ich heilfroh, mich nach einer Weile mit einem heruntergekühlten Kaffee in eines der auf 23 °C temperierten Studios setzen. 17.00 Uhr. Der Hitze endlich entflohen, im klimatisierten Studio ein Weilchen dahingedöst …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 20. Juli 2014 war das klimatisierte Studio.
Tageskarte 2014-07-21: Die Zwei der Schwerter.
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


wenn ich das so lese, muss ich ja nicht jammern, dass es hier gestern wie aus Eimern gekübelt hat und es nun erheblich kühler geworden ist …
moderne Architektur, ob nun Bushäuschen oder neue Busse, Strassenbahen und Züge lassen mich oft denken, was eigentlich aus dem alten Wissen geworden ist- früher gabs keine Zugausfälle wegen Hitze, heute schon …
nein, ich habe nix grundsätzlich gegen neu, nur gegen ein Neu, was nicht funktioniert und davon gibt es wirklich mehr, als genug …
herzliche Grüsse Ulli
Zum Glück hat es sich hier auch abgekühlt. Zwar noch nicht geregnet, aber es sind statt 35 °C nur noch 24 °C. Draußen rumpelt es gerade ein wenig, vielleicht gewitterts jetzt.
ich schick dir regentropfen von hier … hat geregnet heut nacht und die luft lässt sich wieder atmen! aaaaah …
Ich fühle mit Dir. Hier ist es wettermäßig auch so.
Wie Du ja gelesen hast, spät abends gestern ein Gewitter. Danach so angenehme Abkühlung. Spätestens 2 Stunden später “stand” die Luft wieder. Nach Mitternacht hatte es draußen über 24 Grad und in der Wohnung auch schon wieder 29.
Heute zwar bewölkt, aber irre schwül. In der Wohnung wieder heiß. So solls leider die ganze Woche dahin gehen.
Ich freue mich heute direkt aufs einkaufen im gekühlten Supermarkt.
Wünsche Dir auch kühlere Zeiten
LG Gabi
Das vormittags leise in der Ferne rumpelnde Gewitter zog an Ha-Neu vorbei. Wohl sind die Straßen leicht feucht, aber es ist noch immer drückend schwül. Im Stehen rinnt der Schweiß an den Armen hinab …
Fies! Konntest Du es denn nicht zu Dir umleiten?
Wünsche Dir, dass trotzdem bald eine Abkühlung kommt.
(Ich mir auch .-))
Das blöde ist ja, dass wenn die Straßen feucht sind und es weiterhin so heiß ist, dass es dann erst so richtig „dampfelt“ danach und unter Umständen dann noch schwüler als vorher ist. 🙁
Nix Umleitung. Schwül. Drückend.
Bääääääh.
Sofortwunsch: 40 cm Neuschnee bei -6 °C …
Oh hallo! So krass bin ich ja nicht. Das wäre mir eindeutig zu kalt. 🙂 Und vor allem wärs ein Schock so von jetzt auf gleich. 🙂
Mir genügt ein Guss, der die Luft reinwäscht und dann Temperaturen zwischen 20 und 23 Grad.
Aber eigentlich ist es ganz irrelevant, was wir uns wünschen. Wetter macht sowieso was es will.
Ja, die Hitze kann einem echt zusetzen, das ist wahr.
Wir haben einen Ventilator im Schlafzimmer, der über uns weht, herrlich, das tut gut, damit kann man echt schlafen.
ich habe heute Wäsche aufgehängt, war kurz vor Ende auch nass geschwitzt.