13. Türchen: Weihnachtskarten und -briefe (Nº 347)

Immer zum Jahresende: Weihnachtsfrieden?

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind. Und ganz besonders schreibe ich meinen Adventskalender in diesem Jahr für eine Bloggerin.
 
Ich wünsche mir und Dir, Chaoskatze, eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für Dich und für alle Menschen, die Hoffnung brauchen.

 

 

Vor Weihnachten und besonders zwischen den Feiertagen gilt in Finanzämtern und ähnlichen Einrichtungen ja der Weihnachtsfrieden. Das heißt, daß in aller Regel von kurz vor Weihnachten bis in das neue Jahr hinein auf schlechte Nachrichten, Mahnungen, Vollstreckungen und Haftantritte verzichtet wird. Und doch gibt es neben sehnsüchtig erwarteten Päckchen, Paketen und Weihnachtskarten immer wieder Briefe, die nichts Gutes verheißen. Drei davon hatte ich im Kasten, drei ließ ich zwei Tage und Nächte ungeöffnet liegen. Schließlich fühlte ich mich beim Blick auf diesen kleinen Stapel aber wieder wie zur schlimmsten Zeit meines Lebens, als ich monatelang nicht am Briefkasten war, mich täglich bewußtlos trinken mußte und schließlich behördlicherseits abgemeldet wurde.

Ich faßte den Vorsatz, morgen endlich die drei Briefe zu öffnen. Morgen gleich zum Frühstück würde ich stark genug sein, auch mit schlechten Nachrichten vom Stromversorger und vom Jobcenter umgehen zu können. Gleich morgen. Mit diesem Gedanken schlief ich ein. Den einen Abend, einen zweiten Abend, einen dritten, einen vierten … EIne ganze Woche noch lagen die Briefe ungeöffnet auf dem Tisch. Ja, ich wußte, daß das Jobcenter mich auch eingeladen haben könnte – doch noch kam kein weiterer Brief. Meine Angst aber, den Briefkasten zu öffnen, wuchs von Tag zu Tag.

Jetzt war es genug. Das Zittern meiner Hände ließ sich nicht unterdrücken, als ich den ersten Brief vom Jobcenter öffnete. Den dicken zuerst, hatte ich gedacht, denn das könnten auch die Unterlagen für den Weiterbewilligungsantrag sein. Genau das war auch in dem Umschlag: Die notwendigen Formulare für den Antrag auf Weiterzahlung der Leistungen. Wie erleichtert ich da war! Schnell füllte ich aus, was ausgefüllt werden mußte, dann griff ich zum nächsten Brief vom Jobcenter. Auch das war keine Einladung, sondern ein Bescheid. Ein Bewilligungsbescheid über mein Arbeitslosengeld 2, das zum neuemn Jahr um einen gigantischen Betrag steigen würde. Puh! Diese beiden Briefe hätte ich also nicht zu fürchten brauchen, gleich öffnen können.

Blieb der dritte Brief. Vom Energieversorger. Die Jahresendabrechnung für den verbrauchten Strom. Die Preise dafür waren ja kräftig gestiegen, so kräftig, daß sich all meine Sparbemühungen sicher nicht auf den Abrechnungsbetrag auswirken konnten. Noch einen Schluck Kaffee zur Stärkung? Wieder zitterten die Hände und der Umschlag zerriß auf ganz unordentliche Art und Weise. Da. Nettoentgelt, Rechnungsbetrag, Summe der Abschläge und da: XXX,xx Euro. Das kann nicht sein. Ich kann jetzt nicht noch über einhundert Euro zahlen. Und beim Jobcenter über ein Darlehen für die Stromnachzahlung verhandeln … Aber Moment!

Der neue Abschlag ist niedriger angesetzt. “Erstattung”. “… wird auf ihr Konto überwiesen.” Huch!? Sicherheitshalber rief ich an und fragte genau nach. Ja, ich hatte richtig verstanden. Guthaben. Verrechnet mit der Dezemberzahlung, Und das dann noch verbleibende Geld wurde bereits am Monatsanfangauf mein Konto überwiesen. Ja, das ist wie ein kleines Weihnachtsgeschenk. Ich sollte mich doch freuen dürfen. Das tat ich auch, nachdem ich der Dame am Telefon ebenfalls eine schöne Zeit gewünscht hatte. Ein kleiner Jubelschrei entfuhr mir schon!

Nun kann ich mich wesentlich beruhigter ins Getümmel der Weihnachtseinkäufe wagen und mir vielleicht nicht nur das Allernotwendigste gönnen. Und auch ein kleines Geschenkchen für die wichtigsten Menschen in meinem jetzigen Leben besorgen …

Aber immer vorm Jahresende diese Ungewißheit, diese Angst vor den Rechnungen. Vielleicht bin ich irgendwann einmal davon befreit, in Zukunft, nächstes Jahr oder später. (Und in diesem Jahr waren es leider 2.21 Euro Nachzahlung.)

 

 

Eine friedvolle, besinnliche Zeit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 12. Dezember 2013 war die Weihnachtsfeier / Jahresabschlußfete .

© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu 13. Türchen: Weihnachtskarten und -briefe (Nº 347)

  1. Hans Kaiser sagt:

    Tja, lieber Emil, das ist auch meine Erfahrung, wenn ich diese auch ab und zu vergesse und vernachlässig, wird es mir immer wieder vor Augen geführt:
    Es gibt nur einen einzigen richtigen Moment. Und der ist jetzt! Sozusagen frei nach Mt 6, 27
    Und sei es nur der zum Briefe öffnen.
    Eine gute Adventszeit.

  2. Der Emil sagt:

    Jetzt hab ich übrigens guten Grund zum Aufschieben: hab mir am 12. Abends den rechten Mittelfuß gestaucht/gezerrt. tut eled weh, läßt mich an krücken laufen. Bin sowas von genervt und sauer!

  3. Karl sagt:

    Auch ich kenne diese Angst vor dem Briefkasten. Doch inzwischen öffne ich ihn trotz Herzklopfens täglich mit einem kurzen Stoßgebet, ängstlich auf Umschläge aus grauem Umweltpapier schielend, die vorzugsweise vom Finanzamt oder ähnlichen Ungemach bedeuten könnenden Stellen verschickt werden. Es hilft ja nichts. Auch wenn ich ein großer Prokrastinator bin, je eher ich Bescheid weiß, desto eher kann ich mich ja vielleicht doch überwinden, die Lösung des jeweiligen Problems in Angriff zu nehmen oder zumindest den Versuch zu unternehmen.

  4. Gabi sagt:

    Ich kenne das bei anderen Dingen. Ist irgendwie schwer, sich zu ändern.
    Und ohje, das ist aber blöd mit Deinem Fuß. Ich hoffe, es wird schnell wieder besser.
    LG Gabi

  5. Diese Briefgeschichte kenne ich auch.
    Ich wünsche dir gute Besserung und eine schmerzfreie Zeit.
    LG Gabi

  6. Gudrun sagt:

    Sag mal, was machst du denn? Da kannst du ja gar nicht mehr über den Weihnachtsmarkt hüpfen.
    Ich wünsch mir, dass es deinem Fuß und dem Emil dran bald besser geht.
    Gruß von Nebenan

  7. Ulli sagt:

    du beschreibst es wunderbar, ich denke gerade an den Buchtitel, die Angst des Torwarts vorm Elfmeter … schreibe es um: die Angst der Armen vor Behördenbriefen … manchmal will man einfach nicht, nicht wahr?!

    herzliche Grüße und eine gute Besserung für deinen Fuß
    Ulli

  8. Amelie sagt:

    He, ich bin nicht allein mit meiner Briefe öffnen-Antipathie. Das ist irgendwie ein gutes Gefühl.

    Alles Gute für Dich und Deinen Fuß
    Amelie

  9. Frau Momo sagt:

    Dieses Liegenlassen von Briefen hat mich mal fast ruiniert… inzwischen kann ich mutiger damit umgehen, aber ich kenne dieses Rumschleichen nur zu gut.

  10. Anna-Lena sagt:

    Der Göttergatte lässt oft auch Briefe vom Freitag oft bis Montag liegen, um sich das Wochenende nicht zu versauen und spielt dann gern den Vogel Strauss. Ich bin da anders. Aber bei soviel guten Nachrichten wird der Zeh sicher ganz beflügelt heilen, denn er will sich ja bewegen 🙂 .
    Gute Besserung und einen schönen 3. Advent.
    ♥lich,
    Anna-Lena

  11. Klasse !!

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