14. Türchen: Weihnachtshoffnung (Nº 348)

Zwei stehen im Nieselregen

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind. Und ganz besonders schreibe ich meinen Adventskalender in diesem Jahr für eine Bloggerin.
 
Ich wünsche mir und Dir, Chaoskatze, eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für Dich und für alle Menschen, die Hoffnung brauchen.

 

 

Da stehen sie nebeneinander, draußen, im Schmuddelwetter. Wie sie jeden Tag hierstehen, seit Jahren. Die Umgebung beobachten. Immer nebeneinanderstehend, von Anfang an. Leichter Regen fällt und läßt die Menschen frieren. Spatzen hüpfen nicht herum, sondern sitzen dick aufgeplustert und oft aneinandergedrägt überall da, wo es etwas regen- und windgeschützt ist. Bei dem Wetter spricht man nicht miteinander, also stehen sie nebeneinander im Nieselregen und schweigen.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Manchmal liegt zu dieser Zeit schon Schnee. Es wird nicht richtig hell, auch um zehn Uhr und um elf Uhr nicht. Aber zumindest hört der Regen auf. Aus der Ferne sind Motorengeräusche zu hören. Die zwei schauen sich an und sehen dann gespannt in die Richtung, aus der sie die Verursacher des Krawalls erwarten. Aber lange Zeit geschieht wieder nichts. Und so stehen sie noch immer da draußen, fast reglos, und warten. Bis die Motoren verstummen und nur noch ein Raspeln und Keuchen zu hören sind.

Dann, es dämmert fast schon der Abend, tauchen fremde Männer auf, sehen die beiden an. Hoffnung und Erwartung keimen auf. Vielleicht haben die beiden, die noch immer tapfer an ihrem Platz stehen, auch ein wenig Angst vor der ungewissen Zukunft? Aber wenn es jetzt nicht geschieht, werden sie wieder nicht erfahren, was es ist.

Wird es jetzt endlich geschehen? Wird jetzt endlich irgendetwas geschehen? Und vor allem: Was genau wird jetzt auf die zwei zukommen?

Zunächst sind es Sägen. Die zwei Blaufichten werden endlich, beinahe als letzte der ganzen Schonung, abgeschnitten. Von ihrem Dasein als Weihnachtsbaum, das sie die nächsten Wochen führen werden, wissen sie noch nichts. Aber schön stellen sie es sich vor; schön muß es ja sein, denn all die anderen Blaufichten-Weihnachtsbäume kehrten nie zurück. Und während sie weggetragen werden, in unterschiedliche Richtungen, winken sie sich noch ein letztes Mal mit all ihren Ästen zu.

 

Picea pungens Karkonosze 2
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Eine friedvolle, besinnliche Zeit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht hinkend davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 13. Dezember 2013 waren der nachlassende Schmerz im Fuß (abends brauchte ich nicht mehr zehn Minuten bis ins Bad) und verheißungsvolle Nachrichten.

P.P.S.: Heute fand ich bei metager2 dieses schöne Zitat. «Ein Zyniker ist ein Schuft, dessen mangehalfe Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten.» (Ambrose Bierce)

© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu 14. Türchen: Weihnachtshoffnung (Nº 348)

  1. Gabi sagt:

    Freut mich, dass es Deinem Fuß besser geht.

    Die Geschichte hat für mich einen traurigen Touch. Die beiden Bäume, einerseits freudig, andererseits auch ängstlich, was da auf sie zukommen wird. Und sie wissen ja nicht, dass diese Aktion ja eigentlich ihr Ende bedeutet.

    Das Zitat am Ende finde ich gut.

    Wünsche noch einen schönen Adventssonntag.

    LG Gabi

    • Der Emil sagt:

      Wenn ich ein Gesteinsbrocken wäre, der einsam (oder im Schwarm) durchs Weltall fliegt: Mein Ende wünschte ich mir als Sternschnuppe auf der Erde. Glanzvoll verglühen und vielleicht noch Menschenaugen zum Leuchten bringen dabei …

      Kann doch sein, Weihnachtsbäume denken ähnlich?

  2. Amelie sagt:

    Nachdem sie für eine Woche, mit Glück für zwei Wochen im Warmen wundervoll geschmückt zugebracht haben … landen sie auf dem Müll. Was für eine Zukunft.

    Dann lieber als Sternschnuppe verglühen.

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