Eine ganz persönliche Weihnachtsengelgeschichte
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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind. Und ganz besonders schreibe ich meinen Adventskalender in diesem Jahr für eine Bloggerin.
Ich wünsche mir und Dir, Chaoskatze, eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für Dich und für alle Menschen, die Hoffnung brauchen.
Bei meiner Großtante – bei derjenigen, die ihren Mann am 29. Februar 1940 ehelichte – standen das ganze Jahr über im Glasschrank in der guten Stube einige kleine Engelsfiguren mit Musikinstrumenten. Im alten, verwinkelten Häuschen gab es zwei sogenannte Blumenfenster, bei denen außen am Haus auf einem verbreiterten Fensterbrett einfach nochmal ein komplettes Fenster war. Im Sommer wirkten sie wie Minigewächshäuser und waren voller Blumentöpfe gestellt. Im Winter war es zu kalt für die Pflanzen, dann wurde in dem Blumenfenster der Wohnstube die Fläche weihnachtlich gestaltet.
Eine selbstgebaute, beleuchtete Kirche stand darin, flankiert von Nußknackern und Räuchermännchen. Die Wattepuppe stand darin, eine Kurrende und: eine ganze Kapelle von Engelchen mit sehr kurzen weißen Hemdchen. Sie waren aufgestellt auf einem selbstgefertigten Stufenbrettchen, das weiß lackiert und mit Watte beschneit war. Und nie, wirklich nie durften wir Kinder (eigene Kinder hatten sie nicht) diese Engel herausnehmen und mit ihnen spielen. Die Kurrende, die Nußknacker, die anderen Figuren durften wir benutzen. Nur nicht diese Engel mit ihren grünen Flügeln. Die waren zumeist alt, das sah man ihnen an. Einige wenige der Musiker schienen neuer zu sein, glänzten noch mit nichtgerissenem Lack und goldenen Instrumenten.
In jedem Jahr saß aber der Großonkel mit seinem Holzbein am Küchentisch und reparierte die Figürchen. Da mußte hier ein Arm angeklebt werden, da war ein Flügel lose, dort hatte die Gitarre oder die Flöte Schaden genommen. Natürlich sah man die unfachmännischen Reparaturversuche, und trotzdem durfte niemand, wirklich niemand außer dem Onkel die Figuren berühren. Ich glaube, auch die Großtante durfte das nicht.
Viel später, der Großonkel war gestorben und die Großtante nicht mehr so sicher auf den Beinen, viel später dann durfte ich diese Figuren aufbauen (das kann sogar nach 1989 gewesen sein, ich weiß es nicht mehr). Und dann erfuhr ich, warum die wenigen Figuren ganzjährig im Schrank standen und sie niemend anfassen durfte. Sie waren ein Weihnachtsgeschenk des Großonkels an seine Frau. Er hatte sie von der Ostfront heimgeschickt, kurz bevor er sein Bein verlor. Wieviel Wahrheit in der Geschichte steckt, die mir die Großtante dann erzählte von Gesprächen mit den Engeln und gemeinsamem Gesang beim Denken an ihren Mann, kann ich nicht beurteilen.
Bis zu ihrem Tod allerdings hielt sie diese Weihnachtsengel, die ältesten, abgenutztesten, in Ehren. Vielleicht hat sie dann wieder mit ihnen gesungen, zu den sanften Melodien, die nur Menschen mit Kummer hören können, und dabei an ihren Mann gedacht.
Jaja, die Engel waren in der DDR “Goldstaub”, hergestellt in Grünhainichen seit 1923. Mehr über sie schrieb ich in der Kabinettsküche (ab 00.20 Uhr lesbar). Und wer das alles ganz genau wissen möchte, der schaut sich am Dritten Advent, am 15. Dzember 2013 um 13.30 Uhr im MDR diese Sendung an (ich ergänze einen Link zur Mediathek, falls verfügbar).
Eine friedvolle, besinnliche Zeit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 14. Dezember 2013 waren der nachlassende Schmerz im Fuß und der Besuch von der allerallerallerbesten Freundin.
© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Lieber Emil,
danke für deine zauberhaften Gedanken…
Solche Texte mag ich sehr.
Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit im
Lichte der nahenden Weihnacht.
HERZ-ens-Grüße von
M.M.
Danke für diese wunderbare Geschichte.
Hab Deinen Blog noch (fast) zur rechten Zeit gelesen. Hab nun MDR eingeschaltet. 🙂
LG Gabi
Die Figuren waren früher bestimmt besser bei euch bekannt als bei uns 😉
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