Vorsatz. Einsatz. Fragesatz.
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Ich habe zwei Sätze gesucht. Das ließ mir keine Ruhe. Und endlich habe ich ihn gefunden, den einen Satz. Irgendwie gehört ein zweiter, ihm vorangehender Satz dazu – aber da bin ich mir nicht so sicher. Gefunden habe ich diesen Satz nicht, wie ich mich zu erinnern glaubte, auf einer rechten Seite (dabei war ich mir dessen sooooo sicher), sondern auf einer linken – aber da ist er.
Ein Satz zur Flucht. “Alle sieben Wellen” setzt ja nach einer Flucht und einer mehrmonatigen Pause fort, was in “Gut gegen Nordwind” begann und beschrieben wurde. Erwähnte ich bereits, daß ich mich in beiden Büchern wiedererkenne, als Mail-, Nachrichten- und SMS-Schreiber und -Leser (da frage ich mich doch: erkennt sich auch jemand in diesen Büchern, der hier mitliest)?. Das liegt daran, daß ich mich wie Emmi und wie Leo verhielt – meist zu unterschiedlichen Zeiten; manchmal war ich wohl ein Gemenge aus beiden. Mehrmals floh ich, mehrmals mußte ich eine Flucht ertragen.
“[ … ] unsere »Geschichte« war noch nicht fertig. Flucht ist nie der Endpunkt, immer nur dessen Hinauszögerung.”
Daniel Glattauer: Alle sieben Wellen. S. 68.
ISBN 978-3-552-06093-7.
© Deuticke im Paul Zsolnay Verlag Wien 2009.
Mein Erleben bzw. meine Erinnerung an mein Erleben gibt mir dabei wirklich ein Rätsel auf. Meine eigenen Fluchten erfolgten ungeplant, überstürzt, verzweifelt, plötzlich und ja, auch unüberlegt. Nie, nie habe ich Fluchtpläne geschmiedet. Ich habe ertragen, ich schauspielerte solange es nur irgend möglich war und tat wirklich (fast) alles für die Beziehung(en – mensch hat nunmal mehrere meist unterschiedliche gleichzeitig). Das alles waren nur aus Furcht vor der Entscheidung hinausgezögerte Entscheidungen, die dann so abrupt und endgültig fielen?
Immer dann aber, wenn ich eine Flucht als der ohnmächtig Zurückbleibende erlebte, ertragen mußte: Immer dann – glaube ich, und so erinnere ich mich auch daran – fand ich schon vorm Verlassenwerden tausende Anzeichen für das bevorstehende Verschwinden der Person. Der Fluchtplan lag ganz offensichtlich auf der Hand, war überdeutlich erkennbar. Und ich litt unter der Gewißheit, daß ich verlassen werde.
Mein Erleben in “Beziehungen”. Nicht nur zwischen Frauen und mir, nein, auch in anderen Beziehungen: Freundschaften, Bekanntschaften, Arbeitsverhältnissen, sogar in der Familie. Spreche ich mich im Nachhinein von Schuld frei mit dieser Beurteilung? Schiebe ich damit mehr Schuld auf andere, weil sie geplant handelten? Ist das wirklich so geschehen oder deute ich die Vergangenheit nur um?
Meiner Erinnerung kann ich nicht voll und ganz vertrauen, das weiß ich. Und so sitze ich jetzt hier und verstehe die ganze Wahrheit des Glattauer-Satzes (“Hinauszögerung des Endpunktes”). Aber ich kann nicht – auf keine Art und Weise! – herausfinden, ob es wirklich, wirklich so war wie ich glaube und mich daran erinnere, daß es war …
Wie lebt der Mensch, der seinen Erinnerungen nicht traut, nicht trauen kann und sich so seiner Vergangenheit, seines Lebens so unsicher ist wie ich?
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 16. September 2013 war ein gutes Stück kreative Arbeit.
© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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In Büchern sich wiederfinden sollte für einen reflektierenden Menschen doch auch eines der Ziele sein, überhaupt zu lesen, denke ich, entweder, in der Auseinandersetzung, der Abgrenzung, zu der man sich aber doch zuerst anprobierenderweise annähern muß, oder im allzu oft erschrockener (Wieder-)Erkenntnis. Kürzer, aber mit einem nicht-existenten Ausdruck hätte ich damit sagen wollen: reflektierendes Lesen ist entweder Wider- oder Wieder-Erkenntnis, Nein oder ja, selbst in dem, was man ablehnen möchte, Annäherung und Umarmen eines Gedankens, eines So-Seins seiner selbst, eines anderen oder einer übertragbaren, bekannten Situation oder – auch geistige – Flucht, manchmal.
Deine nachträgliche Wahrnehmung oder Erkenntnis der sich bereits angebahnt habenden Enden enthält vermutlich etwas von allen dreien: absolute Wahrheit, aus selektiver Suche entstandene Erklärung und unter der Lupe der Enttäuschung vergrößert wirkenden Häkchen im bis dahin für einen sowieso ständig Hinterfragenden als „normal“ empfunden Hergang. Dasselbe würde ich auch im entsprechenden Dialog-Partner voraussetzen, nämlich eine unter Druck sich gewölbt habende „Empfindungs-Linse“ auf das Miteinander, unter der die Häkchen plötzlich schmerzlich groß und affektauslösend unerträglich wurden.
Ich meine, dass es Menschen gibt, die lange emotionale Wellentalfahrten ganz gut ertragen und mit Geduld und einer art fatalistischen Zuversicht durchschwimmen können, aber bei Kabbelwasser freiwillig aus dem als passiv empfundenen Beziehungs-Boot springen, nur damit die Erschütterungen aufhören, die zu schwimmen oder aus eigener Entscheidung unterzugehen vorziehen.- und das ist überraschend, wenn man es von ihnen (oder sich selbst) noch nicht kennt.
Für den ersten Kaffee am Morgen ist das erstmal genug 🙂
Das ist nicht nur für den ersten Kaffee … ich bin fürwahr erstaunt über diesen Kommentar: Wider- und Wiedererkennen kann und muß ich mich darin. (Ich les und les und les und finde keine adäquaten Worte zur Beantwortung, nichts, das als Antwort angemessen/ähnlich vielschichtig ist.)