Warten auf die Eingebung (Nº 211)


Mich über mich selbst wundern

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Dasitzen, aufs leere Papier starren. Füller auf, Füller zu. Warten auf eine Idee. Noch einen Kaffee trinken. Eine Idee haben, sie kurz notieren und vor ihrer Größe zurückschrecken. Die Idee beiseitelegen. Das neue leere Papier anstarren. Die Zipfelchen von Ideen in meinem Kopf sind nicht zu erhaschen. In die Flamme einer Kerze sehen, zu träumen versuchen und dabei zusehen, wie ein Ideechen nach dem anderen sich in der Flamme in Rauch auflöst. Also lieber das leere Papier anstarren.

An die Zeit vor einem anderthalben Jahr denken, Sentimentalität zulassen. Ach, was hab ich damals nicht alles geschrieben – aber ich habe ja zum Glück nicht alles veröffentlicht. Hier in meiner alten Kladde finde ich noch Sachen … Das habe ich auch aufgeschrieben? Und das alles habe ich erlebt? Ja, auch ein paar Träume und Phantasien habe ich mir notiert. Interessant sind sie, manchmal auch erschreckend. Einiges davon würde ich nicht – niemals! – aussprechen, das wäre mir … peinlich?

Hätte ich mehr davon sagen sollen, offenbaren müssen? Oder anders: Wären mehr Wünsche und Träume in Erfüllung gegangen, wenn ich davon gesprochen hätte? Ich weiß nicht recht … Es wäre wohl nichts anders gekommen. Aber mir fällt auf, daß ich zur Zeit weniger, scheinbar weniger Interessantes erlebe, zumindest weniger Erlebtes notiere. Und außerdem schreibe ich keinen «dieser» Wünsche mehr auf! Doch woran liegt das?

Mein Leben ist vollgestopfter. Ich bin sehr oft im Radio unterwegs. Einer meiner Träume scheint geplatzt zu sein. Andere blieben und bleiben mir aber noch. In einigen Dingen bin ich realistischer geworden, was sicher mit der zunehmenden Entfernung von der Tagesklinik zu tun hat. Und mit dem Fehlen einer weiteren Therapie.

Und wenn mir für nachher kein Text einfällt, dann schreibe ich eben über das, was mich beim Warten auf die Eingebung so beschäftigte.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 29. Juli 2013 waren der lange, ausgiebige Regen, die damit verbundene Abkühlung und ein kühles Bier am Abend.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Warten auf die Eingebung (Nº 211)

  1. Ulf Runge sagt:

    Was für ein bärenstarker Artikel über ein leeres Blatt Papier. Über ein pralles Tagebuch unausgesprochener und deshalb ??? nicht wahr gewordener Träume?! Und die Erkenntnis, dass der Alltag uns unserer Visionen beraubt?

  2. Sofasophia sagt:

    auf einem leeren blatt papier hat alles platz. es ist der bessere zuhörer als der beste frisör und die beste beichtmutter zusammen. dazu inspirierender als jeder mensch.
    danke fürs teilen!

  3. Frau Momo sagt:

    Hast Du mal über eine stationäre Therapie nachgedacht? Eine Freundin von mir macht sich gerade auf in die Adula Klinik in Obertsdorf, ich selber hatte meine größten Therapieerfolge in Bad Grönenbach im Allgäu.

  4. Gabi sagt:

    Warum kannst Du keine Therapie machen? Sind keine Plätze frei?
    LG Gabi

    • Der Emil sagt:

      Ich habe bisher noch keinen passenden Therapeuten gefunden. Angeblich gibt es genügend von ihnen – aber die Zahl der Therapiebedürftigen ist zu schnell gestiegen (auch dank ALG-II / Hartz IV).

      • Gabi sagt:

        Das ist bitter. Bei uns in Österreich ists auch nicht leichter einen freien (von der Kasse bezahlten) Therapeuten zu finden. Wartezeit oft ein Jahr oder mehr.

  5. Das ist ein sehr bedenkenswerter Text. Gefällt mir! Zumal er den Leser (m/w) „mitnimmt“ und nicht einfach zurück lässt. Wer kennt sie nicht … diese und sehr ähnliche Gedanken. Allein schon, sie in Schrift zu formulieren, ist eine Idee wert!

  6. Gestern sah ich im ZDF „Ohne Limit“. Wo jemand mit einer Superdroge von 20% Gehirnpotential auf volle 100 kam und volle Power bekam. So konnte er sich an alles erinnern, was er irgendwann mal gesehen und gehört hatte. Denn das sind ja. Nur verdrängen oder vergessen wir es dann ohne Droge meistens erfolgreich.

    Allerdings auch nicht immer. Und so eine Droge geht an die Substanz. hmhm

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