Manche Erinnerungen dem Schicksal überlassen
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Wiedereinmal war ich gestern versunken in – ach, wie soll ich das jetzt erklären?
Einige der selbstgebrannten CDs und DVDs wollte ich kopieren, zumindest die darauf enthaltenen Daten. Nach schonwieder mehr als fünf Jahren seit dem lezten Mal ist das notwendig, sinnvoll sowieso. Einige meiner Erinnerungen liegen bei mir (leider nur noch) in computerlesbarer Form vor.
Und so saß ich und sah mir Bilder an und las alte Texte. Dabei mußte ich auch feststellen, daß ich mich an “Dinge” nicht mehr erinnern konnte. Ein Besuch im Harz, Pilzesammeln im Erzgebirge. Ein Ausflug auf den Kyffhäuser. Essen in einem Gasthaus in Wettin. Da fand ich Scans von Postkarten und Ansichtskarten, Fotos von Fährfahrscheinen auf der Saale und der Elbe und dem Rhein.
Staunend stellte ich fest, daß sehr viele Dinge aus meinem Gedächtnis verschwunden waren, die untrennbar mit einer ganz bestimmten Frau verbunden sind. Immerhin lebte ich mit der einige Jahre (vier? sechs?) zusammen, ehe die Beziehung vollständig auseinanderbrach. Konsequent habe ich alles weggeräumt, was mit ihr zu tun hatte. Ja, damals ging es mir auch nicht so blendend. Es ging mir (trotz oder gerade wegen dieser Beziehung) sogar ziemlich schlecht. Und nach deren Ende wieder besser, aber nicht sofort gut.
Gestern also saß ich und sichtete, was mir von dieser Zeit geblieben ist, einen Teil davon.
Es hat mir nicht besonders gutgetan.
Deshalb habe ich ziemlich viele Erinnerungen an diese Zeit nicht kopiert. Die Silberscheiben, auf denen sie zu finden wären, stecken jetzt in einer Extra-Mappe. Gestern schien es mir, als würde ich dem Verlust dieser Daten bestimmt nicht hinterhertrauern.
Aber ich kenne mich, deshalb habe ich sie noch nicht ganz weggeworfen. Sind sie in weiteren drei oder fünf oder zehn Jahren noch lesbar, denke ich erneut drüber nach. Sind sie bis dahin verschwunden, unlesbar: Auch gut. Ich überlasse meine Erinnerungen ihrem Schicksal.
Habe ich die Verantwortung für meine Erinnerungen abgegeben? Nein. Diese liegen – wie in meinem Gedächtnis auch – in einer unbeachteten Ecke. Verschwinden sie irgendwann in meinem Kopf, habe ich sie vergessen (obwohl das ja nicht wirklich heißt, daß Erinnerungen damit unwiderbringlich verloren sind). Und verschwinden sie von den CDs und DVDs, dann ist es doch ähnlich. Glaube ich.
Und an alles muß ich mich ja auch nicht erinnern, stellte ich fest.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 7. Oktober 2012 waren Erkenntnis und Ergebnis.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
282 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 441 words)


Das ist immer so eine Sache mit Erinnerungen..
Irgendwann habe ich vor über 20 Jahren ALLE Tagebücher/Kalender mit Notizen verbrannt. WEG!
.. und nun hab ich doch manchmal gedacht .. was war da und wie war das .. aber die Erinnerungen hab ich auch nicht mehr im Kopf … mir fehlen da große „Stücke“ jetzt.
LG, Petra
Irgendwie wurde früher auch nicht gar so viel an Erinnerungsstücken aufgehoben, hab ich das Gefühl? Gerade wenn ich diese Digitalfotografie betrachte: Unmengen von Bildern werden heute aufgehoben, wo früher aus dem ganzen Jahr 36 Aufnahmen oder noch weniger ausreichten …
Ich habe beim Umziehen auch viele Erinnerungen gefunden und mich von ihnen getrennt. Für mich hatte das was von Loslassen.
Ich hab das Zeug erstmal „aus meinem Boot geworfen“. Wenns noch ’ne Weile nebenherschwimmt …
Das Loslassen bereitet mir – auch bei Unangenehmem – immer mal wieder Probleme.
Manchmal ist Vergessen sehr heilsam! Vielleicht sogar eine Gnade. Ja.
Gruß von Sonja
Alles im Leben hat ja seinen Sinn. die Erinnerungen gehören zu uns und wenn wir etwas vergessen, dann hat das wohl auch einen Sinn (es sei denn, es ist durch eine Krankheit bedingt).
Ich kann mich schlecht trennen von Tagebüchern oder anderen Aufzeichnungen, obwohl ich schon einmal darüber nachgedacht habe, dass ich nicht möchte, wenn diese Dinge anderen in die Hände fallen, wenn ich mal nicht mehr da bin. Schwierig!
Vorläufig habe ich meine Tochter beauftragt, das alles an sich zu nehmen und niemandem weiterzugeben … vielleicht entscheide ich mich aber später auch noch anders, wer weiß!
Wenn ich mal – na, Du weißt schon, dann gehen meine Kladden und meine Datenträger in jemandes anderen Besitz und Eigentum über. Ich möchte nämlich, daß unsere Nachfolger erfahren, wie wir wirklich lebten und dachten, was uns wirklich bewegte.
Und so habe ich umgesetzt (per Vermächtnis), was ich bei Aufhebenswert schrieb.
lieber emil
tja, die erinnerungen! ich habe heute festgestellt, dass mir das fotoalbum eines ganzen jahres (1998-1999) fehlt. ein richtiges aus papier (- da hatte ich noch keinen eigenen rechner). ein komisches gefühl, dieses loch, diese lücke. (irgendwo in einer der kisten, die bei irgendlink im keller stehen, könnte der ordner noch sein, oder?) lauter bilder vor dem digitalen zeitalter, die bestenfalls auf negativen reproduzierbar sind, falls ich die eines tages finden sollte (normalerweise bewahre ich die im album selbst auf)
was du erzählst: verrückt, was für eine starke energie traurige und gute erinnerungen haben! das erstaunt mich immer wieder neu.
noch eine frage zu den cds: wenn ich meine daten-cds einfach so lasse wie sie sind, gehen die in der schublade von alleine kaputt, oder wie meinst du das? puh, das wäre ja schrecklich. magst du mich da kurz aufklären?
herzliche grüsse
soso
Die gehen in der Schublade von alleine kaputt. Haltbarkeit typisch: 5 Jahre, bei relativ konstanter, kühler Temperatur und Dunkelheit etwa 10 Jahre. Datenretter empfehlen, CDs & DVDs alle 5 bis 10 Jahre zu kopieren. Die Hersteller geben zwar 30/50/80 Jahre an, das gilt aber wahrscheinlich nur unter Idealbedingungen und für besonders fehlerarme Rohlinge. Blue-Ray hielte wohl länger, am besten sind die MO-Datenträger (Profi-Backup).
Ich versuche im Laufe von 5 Jahren alle Datenträger zu kopieren (auch da hatte ich schon Lesefehler, die gerade noch so korrigiert wurden beim Auslesen mit spezieller Software). Und ich habe die Daten zweimal gesichert, zusätzlich noch auf einer Festplatte. (Allerdings bin ich schon etwas EDV-paranoid).
ABER: Das alles ist aus dem Gedächtnis hergeschrieben – bitte nicht versuchen, mich für Fehler haftbar zu machen! 😉
Ich finde ja alles interessant, was mit Gedächtnis zu tun hat. Wie es funktioniert, wie wir damit umgehen, auch kollektives Gedächtnis! Aber Sachen nur aufzuheben, damit die nach uns wissen, wie wir gelebt haben? Ersten kann man nicht alles aufheben, nimmt also schon eine erste Auswahl vor, welche ein Bild ergibt. Außerdem mag es dann noch andere Quellen geben, die ebenfalls zu dem Bild beitragen und es vielleicht in einer Weise verfälschen, die wir uns nie hätten träumen lassen. Allein bei dem Gedanken verliere ich jegliche Lust daran, etwas für jemand anderen aufzuheben. Wenn, tue ich es nur für mich 🙂 Interessant fand ich auch den Kommentar, jemand warf viel weg und grübelte dann, wie war das noch mal??? Das kenne ich gut. allerdings hab ich nicht weg geworfen, sondern nur sehr gut versteckt. Als es mir 20 Jahre später in die Hände fiel, war der Tag erst mal gelaufen. Fand es auf einmal sehr spannend. (Tagebuch der Vorwendezeit)
Liebe Grüße in die Runde – Snoopy
Naja – ich gebe dann eben meine ganz persönliche Sicht auf mein Leben weiter.
Leider habe ich kein Tagebuch aus der Wendezeit, nichtmal meine Zeitung („Der Morgen“) hab ich Dussel aufgehoben …
ich habe mich ja auch in letzter Zeit mit Erinnerungen beschäftigt, weniger mit wirklichen, als mit der Tatsache, dass sie aufsteigen, wann sie es wollen und nicht unbedingt dann, wenn ich es will, dann schon auch, aber spannend finde ich eben die Momente, wenn ich etwas lese oder spazieren gehe oder… und dann wumms… sind sie da, die Erinnerungen, die an gute Zeiten und die an schlechte Zeiten… ich schrieb darüber: In die Stille hinein wächst der Turm der Erinnerungen. Er hat einen Speicher. Und einen Keller. Und eine Wendeltreppe… eine escheraeske. Mal führt sie nach oben, dann wieder nach unten oder sie zweigt ab. Nie kann man sich sicher sein in welche Richtung sie letztendlich führen wird. Zu welchen Räumen, in den Keller oder auf den Speicher. Keine gerade Linie, nur ein unendliches Über- und untereinander, ein Nebeneinander auch. Gleichzeitigkeit. (der ganze Text: http://cafeweltenall.wordpress.com/2012/09/23/blaue-stunde-7-teil-aus-der-stille-heraus/)
herzlich grüße ich dich
Ich frag mich auch oft, ist vergessen nun gut oder schlecht? Unangenehme Dinge vergisst man ja gerne und vielleicht geschieht das ja auch aus gutem Grund. Und sind diese Dinge wirklich „vergessen“ oder nur nicht abrufbar? Warum sonst treten oft psychische oder psychosomatische Beschwerden auf, die man sich manchmal nicht erklären kann?
Ich denke, es wird noch lange dauern, bis unser Gehirn wirklich erforscht sein wird.
Ich selbst bin ja auch eine „Bandlkramerin“, wie man bei uns sagt. Ein Mensch, der am liebsten alles aufheben möchte und sich kaum von etwas trennen kann. Ich finde es meist schön, wenn man mal in Kästen und Laden herumkramt und Dinge findet, an die man sich gar nicht mehr erinnern kann. 🙂 Und Fotos kann ich sowieso keine wegwerfen. 🙂
lg Gabi