Alte Männer und ihre Krankheiten (#271)

Medizinisches Wissen – so und so.

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Es gibt noch eine Fortsetzung zu meinem Notfall und dem Herzkatheter. Das hatte ich zwar nicht vermutet, aber gestern bei meinem Hausarzt … Hoffentlich langweile ich euch jetzt nicht mit dem Geschwätz eines alten Mannes über seine Krankheiten.

 

Daß mein Arzt ein ganz wunderbarer Arzt ist, schrieb ich ja schon. Zu ihm habe ich wirklich alles Vertrauen dieser Welt. Er führt seine Praxis im Rahmen eines Projektes der MLU zudem als Lehrpraxis für Hausärzte (ein Zeitungsartikel der MZ dazu). Zum Projekt gibt es auch einen eigenen Blog (soviel Information auf einmal, ich weiß, aber ich finde dieses Vorgehen in der Ausbildung der Allgemeinmediziner gut und wichtig und richtig).

Auch gestern war eine Medizinstudentin dabei, mit der er, während sie handelte, alles absprach. Doch, wirklich, ich finde das echt gut, daß er sich so um den Nachwuchs kümmert. Aber was fang ich jetzt an mit seiner Aussage “Keine Indikation für Herzkatheter – ganz klassisch wäre das ein Kunstfehler gewesen, wenn …”, die er mir gegenüber auf Nachfragen wiederholte?

In meinen Ohren klingt das, als wäre da eine Leistung erbracht worden (gut erbracht worden, ja), die medizinisch nicht notwendig war. Den Einwand, daß er ja “nur” Hausarzt und die Herren in der Klinik Spezialisten seien, laß ich nicht gelten. Denn erstens muß ein Allgemeinmediziner diagnostisch hervorragend sein und zweitens waren die vorbereitend diagnostizierenden Doctores im Krankenhaus mehrheitlich in Weiterbildung.

Nichts gegen deren Qualifikation!

Aber für mich, für mich war dann die Herzkatheteruntersuchung überflüssiger Streß und für meine Krankenkasse überflüssige Kosten. Schon klar, lieber eine Untersuchung mehr als eine zu wenig, aber: Hätte es nicht der Herzultraschall getan?

Icb bin wirklich verwirrt. Sitze jetzt hier und weiß nicht so recht, was ich mit dem Wissen um die Indikationslosigkeit der beileibe nicht risikolosen Prozedur anfangen soll. Ich werde wohl mit meinem Arzt darüber sprechen müssen, in knapp zwei Wochen, wenn ich ihn wegen der Medikamentenumstellung sowieso wieder aufsuchen muß.

Ach, ich bin ausgesprochen zufrieden mit meinem Hausarzt. Einen bessren könnte ich mir nicht vorstellen. Und eines weiß ich bereits jetzt: Ich werde mich weder beim Krankenhaus noch bei der Krankenkasse beschweren, aber in Zukunft mehr Fragen stellen.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 26. September 2012 waren mein Arztbesuch und das Vereinstreffen.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Alte Männer und ihre Krankheiten (#271)

  1. lesbomat sagt:

    Ist ja bekannt, dass das Gesundheitssystem ein Moloch ist und unnötige Untersuchungen täglich die Kasse aufbessern. Die gute Nachricht: Dir geht’s besser als vermutet und deshalb kannst du dich ja auch ein bisschen freuen.

  2. Frau Momo sagt:

    Sich zu beschweren ist auch leider meistens verschwendete Lebenszeit. Wir haben mal versucht, eine betrügerische Abrechnung bei der Krankenkasse zu melden…. hat die nicht interessiert.
    Ich war auch lange in einer akademischen Lehrpraxis und hatte immer was dagegen, wenn wieder ein neuer Azubi mit dabei war. Klar, die müssen auch was lernen, aber mich hat das irgendwie immer gestört. Mein Doc wußte das aber auch. Meine Probleme waren auch selten organischer Natur.
    Ich habe aus anderen Gründen nun gewechselt und bin mehr als glücklich mit meiner Hausärztin. Das ist schon ein gutes Gefühl, sich in guten Händen zu wähnen, oder?

    • Der Emil sagt:

      Ja. Ein guter Arzt ist da wie ein perfekter Schuh …sehr selten, und nicht ganz neu 😉

      • Anna-Lena sagt:

        Das gefällt mir . Ich überlege, welchem Arzt meines Vertrauens ich dieses Kompliment zukommen lassen werde.

        Untersuchungen bringen Geld, wenn man sie nur ordentlich rechtfertigen kann und das war sicher in deinem Fall kein Problem. Ob sie immer nötig sind, sei dahingestellt.

        Liebe Grüße zu dir,
        Anna-Lena

  3. Elvira sagt:

    Es gibt Situationen, in denen stellen Patienten nicht viele Fragen, da die Situation überraschend eintrifft und sie somit unvorbereitet sind. Da ist dann auch immer die Angst um das eigene Leben ein Vertrauensvorschuss für die sich kümmernden Ärzte. Wärst Du mit Deinen Symptomen nicht in der Ersten Hilfe eines Krankenhauses gelandet, sondern in einer kardiologischen Praxis, wäre die Vorgehensweise wie folgt: Ruhe-EKG, Troponintest (das ist der Schnelltest, der im Blut anzeigt, ob ein frischer Herzinfarkt vorliegt), wenn der negativ ausfällt, also kein Herzinfarkt angezeigt wird, geht es aufs Ergometer. Unter ärztlicher Aufsicht wird der Patient ausbelastet. Wenn dieses Belastungs-EKG unauffällig ist, wird evtl. noch ein Herzecho gemacht. Bei positivem Troponintest gbt es natürlich eine Einweisung ins Krankenhaus ohne Umwege nach Hause. Wenn das Ergometer oder das Herzecho Auffälligkeiten zeigt und auch noch erhöhte Cholesterinwerte beim Hausarzt vorliegen, dann wird ein Herzkatheter zur Diagnostik herangezogen. Bei dieser Untersuchung können kleinere Verkalkungen beseitigt oder Stents gesetzt werden. In einigen Fällen führt diese Untersuchung zur Operation, wenn nur noch Bypässe dem Herzen helfen können.

    • Der Emil sagt:

      Troponin war negativ – und danach war der Ablauf etwas verdreht …

      • Elvira sagt:

        Ja, das hatte mich etwas gewundert. Darum schrieb ich damals (wenn ich das jetzt im richtigen Zeitablauf erinnere), dass Du – in meinen Augen – eher keine Disposition dafür hast.

        • Der Emil sagt:

          Also Risikofaktoren für einen Infarkt habe ich mehr als genug: familiäre Disposition, BMI > 34, Diabetes, Raucher, Cholesterin-Werte zu hoch, Hypertonie … Dementsprechend könnten im Ultraschall feststellbare Fehl-/Minderfunktionen (die es nicht gab) durchaus auch von Verengungen der Herzkranzgefäße herrühren (vereinfacht gesagt) und einen Herzkatheter erfordern/empfelenswert machen. Nun, es war bei mir andersrum. Drauf ge…achtet beim nächsten Mal. 😉

  4. Sofasophia sagt:

    oh weh! meine deutsche ärztin hat mir vor einem jahr in einem zweiminütigen ultraschall eine vergrösserte schilddrüse plus medikamente aufgebürdet. als ich dieses jahr endlich mal wissen wollte, was sache ist, und eine sehr ausführliche untersuchung der schilddrüse machen liess (im spezialzentrum) war alles, alles bestens. nix vergrössert.
    ich habe da schon so meine ansichten über die technischen errungenschaften in den praxen und kliniken: die müssen eben amortisiert werden.
    aber bitte nicht auf kosten der patientInnen, die sich danach verunsichert fühlen. und gestresst und überhaupt …
    ja, rede mit deinem arzt – gerade auch über die unsicherheitsfaktoren.
    ich bin aber trotzdem auch froh, dass du offenbar keine körperlichen probleme am herzen hast.
    liebe grüsse
    soso

  5. Frau Blau sagt:

    wie es die anderen und du selbst schon geschrieben habt: ein guter Hausarzt (Hausärztin) ist Gold wert!!! Und es scheint nicht so ganz einfach in diesen Zeiten zu sein, was höre ich da immer für Geschichten, Soso schrieb ja auch gerade eine…
    es gibt so unglaublich viel Unsinniges, auch an OP`s, da ist es erstens gut, wenn man selbst ein bisschen Bescheid weiß und zweitens, wenn man Fragen stellen kann. Ich brauche immer noch einen zweiten Besuch für meine Fragen, weil mir beim ersten, wenn eine Diagnose auftritt, erst einmal die Beschäftigung mit der Diagnose selbst im Vordergrund steht.

    und nein, du langweilst nicht mit deinem Bericht über dein Wohlbefinden, denn mir ist auch wichtig, dass es dir gut geht… in diesem Sinne lieber Emil, bleib gesund und sei von Herzen gegrüßt
    Frau Blau

  6. wildgans sagt:

    Alles verfolge ich und es bestätigt mich in meiner Meinung, IMMER eine zweite Meinung hinzuzuziehen, was schwierig ist, wenn`s zu brennen scheint.
    Dankbar bin ich auf jeden Fall dafür, das von der Möglichkeit über den Arm von Dir erfahren zu haben!!!
    Weiter gute Besserung- und: Noch eine Frage: Wurde in Eurer „Maßnahme“ über den gestrigen Mord in Neuss gesprochen?
    Gruß von Sonja

    • Der Emil sagt:

      Mir wurde sie vom Arzt genannt, aber sie ist auch aus den Schaubildern auf den standardisierten „Belehrungsbögen“ ersichtlich – wenn man denn hinschaut. Nach der OP per A. radialis sind jedenfalls Bettruhe und Gehprobleme weniger wahrscheinlich als bei dem Eingriff über die Leiste (auch dort wird nämlich ein heftiger Druckverband angelegt).

      P.S. Bin zur Zeit ja noch nicht wieder in der Maßnahme, weiß also nichts davon.

  7. Gudrun sagt:

    Mit meiner behandelnden Ärztin habe ich damals einen Deal gemacht: Sie überläßt mir Aufnahmen von meinem Herzen und ich höre auf zu rauchen. Ich sollte ihr mal schreiben, dass ich meinen Part der Abmachung auch eingehalten habe.
    Die Hauptsache ist aber, dass es dir und deinem Herzen gut geht.

    • Der Emil sagt:

      Jaaaaa, das tuts. So langsam verschwinden auch die sichtbaren Überreste der Gewebeeinblutungen an den Suchstellen für einen venösen Zugang, und das Jucken an der eigentlichen Eingriffsstelle läßt nach … 😉

  8. Mia sagt:

    Ein Fehler war die Untersuchung sicher nicht, zumal dich ja ein Arzt direkt von der Straße aufgesammelt hat. Da würde ich mal ein Auge zuklemmen, doch manche Folteruntersuchung ist tatsächlich unnötig. Was mir dabei Kummer macht, ist – wem kann ich da noch Vertrauen? Was ist wirklich nötig? Was ist nicht nötig? – Mein Mann ist auch vor Kurzem vom Untersuchungstisch geflüchtet, weil sie ihm ein Kontrastmittel spritzen wollten für eine MRT-Untersuchung. Diese hat sich tatsächlich als unnötig erwiesen. Er ist einfach runtergehüpft und ist nach Hause gegangen 😉
    Gut, dass Du deinem Hausarzt so ganz vertrauen kannst.

  9. minibares sagt:

    Wie schön, dass du zufrieden bist mit deinem Arzt.
    Das ist nicht selbstverständlich.
    Aber doch, mein Mann ist auch zufrieden mit dem Arzt, bei dem er seit ca. 1 1/2 Jahren ist. Der hat endlich mal einen guten Anfang gemacht. Er begann mit einer Tablette gegen den Bluthochdruck. Nach 2 Wochen kam eine halbe andere Tablette dazu. Nach noch 2 Wochen die dritte. Und der Blutdruck stimmt.
    Vorher hat er einmal 5 Tabletten auf einmal von einem Arzt verschrieben bekommen, die nicht halfen.
    Dann bei einem andren waren es sogar 7 Tabletten, die aber auch nicht halfen.
    So war er lange nicht bei Ärzten, sondern pflegte seinen hohen Blutdruck. Obwohl das nicht gut ist. Aber was sollte er tun?
    Dann endlich ging er zu einem Arzt hier in unserem Stadtteil. Und es war echt ein toller Treffer.
    Wir sind glücklichn und dankbar.

  10. Gabi sagt:

    Es ist wohl immer als „Laie“ schwierig zu beurteilen, was an medizinischen Untersuchungen notwendig ist oder nicht. Da muss man halt den Ärzten glauben. Blöd ist nur, wenn einer so und der andere was anderes sagt. Aber ich denke für Dich war das Ergebnis der Untersuchung ja sicher nicht schlecht. So kannst Du wenigstens beruhigt sein, dass nichts schlimmes ist.
    lg Gabi

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