English poem (#270)

Ich kanns auswendig

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Heute möchte ich euch noch ein Gedicht vorstellen. Es ist älter als das von gestern, wurde 1817 von George Gordon Noel Byron, 6. Baron Byron of Rochdale – bekannt als Lord Byron – geschrieben. Ich kenne es seit 1984 – das Gedicht, das die Gedanken an die Liebe nicht länger umherziehen läßt. Es ist eines meiner liebsten in modernem Englisch – und das einzige von Lord Byrons Werk, das ich auswendig aufsagen kann.

 

 
 
So We’ll Go no More a Roving

George Gordon, Lord Byron (1817)

So we’ll go no more a roving
    So late into the night,
Though the heart be still as loving,
    And the moon be still as bright.

For the sword outwears its sheath,
    And the soul wears out the breast,
And the heart must pause to breathe,
    And Love itself have rest.

Though the night was made for loving,
    And the day returns too soon,
Yet we’ll go no more a roving
    By the light of the moon.

Source: Wikisource.

 
 

Wir wollen nicht gleich Dieben.

Wir wollen nicht gleich Dieben,
    Herumziehn in der Nacht,
So sehr wir uns auch lieben,
    So hell des Mondes Pracht.

Das Schwert durchwetzt die Scheide,
    Die Seele reißt die Brust,
Ruh‘ braucht des Herzens Saite
    Und selbst die Liebeslust.

Ist auch die Nacht zum Lieben
    Und kehrt der Tag so bald,
So wollen nicht gleich Dieben
    Wir nächtlich ziehn im Wald.

Quelle: Projekt Gutenberg.

 
 

 

Ich ziehe die englische der deutschen Version vor: die Sprachmelodie ist sanfter (meiner Meinung nach). Und auf deutsch fehlt mir der rhythmische Bruch in der letzten Zeile, die Nachdichtung läßt sich bis zum Schluß “herunterleiern”.

Wie geht es den Lesern, die beide Sprachen beherrschen? Welche Version gefällt besser?

 

Der Verfasser des Blogs schleicht mit seiner lyrischen Ader davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 25. September 2012 war ein entspannter, trockener Spaziergang um die Ententeiche hinterm Haus.

Die Gedichte sind gemeifrei.
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Antworten zu English poem (#270)

  1. Ellen sagt:

    In seiner Weichheit – mein Favorit ist das Original

  2. Hhhm, ich fremdel im Moment noch mit beiden Versionen. Das Englische hat sich mir nicht gleich erschlossen. Die deutsche Fassung wirkt in der Tat etwas gekünstelt.

  3. Herbstbaum sagt:

    Die dunklen Vokale der englischen Worte gefallen mir besser zu einer Nacht-Vorstellung,

  4. Gudrun sagt:

    Oh ja, heute ist wahrlich Gedichtstag bei vielen. Ich halte mich da lieber raus. Ich mag zwar Gedichte, aber ansonsten habe ich keine Ahnung mehr vom Jambus und beim Trochäus u.ä.

  5. Sofasophia sagt:

    And Love itself have rest. – na ja, liebe mit liebeslust übersetzen ist ein schwacher kompromiss, doch ich könnts nicht halb so gut. es ist sicherlich gut übersetzt, doch mir klingt auch das englische original sanfter durch die ohren … es hat so was latent-melancholisches, das in der deutschen version schon fast ein bisschen zu dramatisch daherkommt.
    ist aber ganz subjektiv as usual …

    das gedicht gefällt mir sehr. ich kann nur ein paar lieder auf englisch auswendig, aber gedichte keine. eigentlich schade …

    • Der Emil sagt:

      Umherirrn werden wir nimmer Umherirrn werden wir nimmer    In einer so dunklen NachtDa uns der Herzen Schimmer    Hell wie der Mond gelacht Als brächt‘ das Schwert der Scheide Schmerzen    So will die Seele aus der BrustEtwas Ruhe brauchen die Herzen    Und es ruh’n auch Liebe und Lust Nachts brennt die Liebe immer    Die uns am Tag verschontDoch umherirrn werden wir nimmer    Nachts, unterm Mond 
      Mein ganz eigener Versuch einer Nachdichtung … (nochmal korrigiert)

  6. Frau Blau sagt:

    jetzt musste ich doch schnell mal das Lexikon heraus holen und schauen was roving heißt… denn ja, der englische Text gefällt mir besser! er ist rhythmischer- eine hohe Kunst ist es wohl lyrische Texte in andere Sprachen zu verwandeln oder Haikus und…
    danke dir für dieses Gedicht am späten Mittwochvormittag!
    Frau Blau

  7. april sagt:

    ‚Eigentlich‘ kann man Gedichte gar nicht übersetzen, ‚uneigentlich‘ finde ich die Übersetzung daher gar nicht so schlecht, auch deine ist ziemlich gut geworden. Aber der ‚Sinn‘ wird doch verändert. Ge-dichte sind ja verdichtete Sprache und da ist jedes Wort von Bedeutung.-
    Das dreimalige ‚and‘ kommt in der deutschen Version gar nicht vor. Allerdings hat Byron in der letzten Zeile eine Silbe zu wenig. (Nichts ist perfekt …)

    • Der Emil sagt:

      Und genau dieses „eine Silbe zuwenig“ fehlte mir in der „offiziellen“ Übersetzung.

      Ja, der Sinn wird verändert, wie so oft bei Nach-Dichtung. Ich wollts halt einfach mal versuchen.

  8. Anna-Lena sagt:

    Ich ziehe das Original auch eindeutig vor, aus den von dir genannten Gründen. Zudem schleifen Übersetzungen oft am Original vorbei.
    LG Anna-Lena

  9. Frau Momo sagt:

    Ich ziehe das Original auch vor. Gedichte sind sicherlich sehr schwer zu übersetzen. Da fällt mir ein, das ich mich jetzt schon auf einen Abend im Dezember freue mit Harry Rowohlt, einem begnadeten Übersetzer und Erzähler. Sorry, das war jetzt off topic

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