Überwuchert (#247)

Die Folgen der Nichtnutzung und Nichtpflege

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Im Ortsteil Reideburg existiert eine alte Bewässerungsanlage für die Felder. Es wurden irgendwann mit viel Mühe Rohre in den Ackerflächen verlegt, und in einigem Abstand voneinander hat man damals auch Entnahmestellen eingerichtet.

Noch heute ist die Anlage zu erkennen. Und in dem einen Brunnen, den ich fand, rauscht auch noch das Wasser. Allerdings war der Deckel, besser das Scharnier des Deckels zu fest eingerostet. Deshalb konnnte ich keinen Blick in die Tiefe werfen.

Die Betonringe sind überall noch zu sehen. Einige sind verschlossen, einige sind offen und leer.

Was zwanzig Jahre, in denen solche Anlagen nicht genutzt und nicht gepflegt werden, damit anrichten können, ist an diesem Entnahmepunkt am Feldrain gut zu erkennen:

 

Überwuchert

Technik und Natur
Zwanzig Jahre ohne Nutzung und ohne Pflege hat die Natur genutzt, um mit Bäumen menschliche Eingriffe zu kaschieren. Die Technik ist wahrscheinlich nicht mehr nutzbar.

 

Was da betriebsbereit dem Zahn der Zeit überlassen wurde, ist heute nur noch schwerlich nutzbar. Bäume sind um die Ventile und Schieber gewachsen. Wer weiß, was deren Wurzeln mit den Rohren in der Tiefe anstellten.

Zwanzig Jahre. So, wie ich die Anlage am Freitag nachmittag sah, waren das zwanzig Jahre Stand-by-Modus.

Was geschah zum Beispiel mit einem Videorecorder, der seit 1997 oder 1998 ständig in diesem Bereitschaftsmodus gehalten wurde? Funktioniert der heute noch? Und das moderne Fernsehgerät, das seit vier Jahren nicht mehr genutzt, aber auch nie richtig ausgeschaltet wurde?

Und in Freundschaften, wo der eine dem anderen Freund ganz plötzlich zumutet, an der Seite stehen und nur noch auf ein Lebenszeichen warten zu müssen: Wie lange bleibt die Freundschaft eine Freundschaft, wenn nichts dazu erklärt wird?

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 2. September 2012 war der weggebügelte Wäschehaufen.

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247 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 338 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Überwuchert (#247)

  1. Amelie sagt:

    Und der Standby-Modus in Beziehungen. Also nicht in freundschaftlichen, sondern in partnerschaftlichen. Was mutet man/frau da der einstigen Liebe des Lebens zu? Überlebt sie das?

    Einen sonnigen Montag. Amelie

  2. nextkabinett sagt:

    Reblogged this on Germanys next Kabinettsküche und kommentierte:
    Danke, lieber Emil für diesen Daily Post. Deine Aussagen korrespondieren mit dem, was sich auch Mundraub zum Ziel gesetzt hat. Pflegen und Nutzen, um unsere Kulturlandschaft zu erhalten.

  3. irgendlink sagt:

    Und was ist mit Blogs, die einmal eingerichtet wurden mit großen Zielen; mit veralteten Webseiten bwie hoch ist der Anteil nicht relevanten, überarbeitungsbedürftigen Inhalts im Web? Wieviele Facebook Leichen? Wieviele ungenutzte Mailaccounts. All die Dateileichen in den Adressbüchern (habe letzte Woche mein Adressbuch von über 400 auf 190 Adressen geschrumpft; das tat gut).
    Freundschaften: ich würde sagen, in vielen Fällen dauern sie lebenslang. Die echten Freundschaften. Auch wenn man jahrelang nix voneinander hört. Menschen wohnen doch immer im Herzen anderer Menschen. Auch wenn sie davon nichts mitkriegen.

  4. Sofasophia sagt:

    hm, das sind so fragen … mein mathelehrer hätte gesagt: du kannst nicht birnen und äpfel mischen. worauf wir grinsend antworteten, dass das sehr wohl gehe, zum beispiel auf einem früchtekuchen.
    im ernst: ich denke, die fragen, die du stellst, müssen alle ganz individuell betrachtet werden. zumal eine menschliche beziehung letzendlich eben doch keine maschinelle sache ist. zum glück noch nicht.
    ja, es braucht bei menschlichen beziehungen von beiden seiten „futter“, damit sie laufen.
    danke für diese spannenden gedanken.
    beim aufstehen heute musste ich an dich und deine neue tagesbeschäftigung denken. ich schickte und schicke dir den wunsch, dass es besser als gedacht ist. mir blüht auch schon bald ein programm, aber nur 9 tage auf 3 wochen verteilt. und danach eine art ausbildung in journalismus und so. (auch so ein unterschied zwischen arbeitslos in dtld und ch: hier gilt: das könnte jedeR/M passieren. also das beste draus machen.)
    herzliche grüsse, soso

  5. Gudrun sagt:

    Lieber Emil, jetzt müsstest du deinen ersten Tag eines neuen Abschnittes überstanden haben. Ich drück dir die Daumen, dass du einiges Neues mitnehmen kannst, auch an Begegnungen mit anderen.
    Ich bin jetzt wieder zu Hause an meinem Rechner und siehe da, die Haare stehen mir nicht mehr zu Berge. So schnell kann man sich über kleine Dinge freuen.
    Und zu den Freundschaften. Ich finde, man sollte sich immer die Mühe machen, seinem Freund oder der Freundin Erklärungen zu liefern. (Die müssen aber dann auch hingenommen werden.) Manchmal hat man Angst, den Freund zu verletzen und schweigt eben. Ich weiß nicht, was mehr weh tut.

    Einen Gruß von der Gudrun, vor deren Hütte jetzt auch wieder die Straßenbahn fährt. Jaja! 😀

  6. minibares sagt:

    Die Natur holt sich zurück, was ihr gehörte, Du zeigst es deutlich.
    Wenn alte Freunde sich wiederfinden, gibt es normalerweise in freudiges Hallo!

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