Lind Kernig 02 (#124)

Danksagung 2412

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Ein weiteres Dokument aus dem Jahr 2412 hat mich gestern erreicht. Lind Kernig hat das 2012er Projekt Um’s Meer weiter verfolgt:

 
2. Mai 2412. Noch immer bin ich unterwegs auf den Spuren dieser Bloglegende Irgendlink. Es wird immer schwerer, seinen Weg nachzuvollziehen, weil nur wenige Gebäude die 400 Jahre seit seiner Tour “Um’s Meer ” überstanden haben. Ruinen, ab und zu eine halbverschüttete Grundmauer, manchmal rostige Überreste einer Stahlkonstruktion. Ich verliere sehr oft die Orientierung im Gelände.

Wenn ich mir seine Berichte ansehe und mich von meinem Velo durch die Gegend rollen lasse: Seine Leistung ist nicht mehr abschätzbar. Seinen Berichten zufolge hat Irgendlink fast auf der gesamten Strecke nur seine eigene Muskelkraft als Antrieb genutzt. Allerdings kamen mir in den letzten drei Tagen oft Zweifel. Wenn mir kein Irrtum in der Lokalisierung seiner Route unterlief, dann war dieser Abschnitt seiner “Reise” die reinste Quälerei.

Auf dem Weg von Robin Hood’s Bay über Whitby zu Fletcher’s Farm vom 28.04.2012 schrieb er damals:

«Ich klettere über zahlreiche Auf und Abs, die selten unter 16% Steigung oder Gefälle haben bis auf etwa 250 Meter über dem Meer. Am Straßenrand läuft braunes, torfiges Wasser, langhaarige Heidschnucken, immer wieder muss ich Viehsperren überqueren, quer in die Fahrbahn eingelassene Stahlschienen, die verhindern, dass die Schafe, die hier freien Lauf haben und oft auf der Straße liegen, nicht ausbrechen.»

Ich lasse mir über VPN – diese Möglichkeit der sicheren Datenübermittlung funktioniert noch immer; wahrscheinlich wurde ihre Unterbindung bei der großen Netzreform 2019 einfach vergessen, als der freie Zugang zu Informationen auf drei kostenpflichgtige Geschwindigkeitszirkel umgestellt wurde – kurzerhand anzeigen, was diese 16% Steigung bedeuteten.

 
Die Steigung einer Geraden spielt auch im Straßenverkehr eine Rolle. Das Verkehrszeichen für die Steigung bzw. das Gefälle einer Straße basiert auf dem gleichen Steigungsbegriff, allerdings wird sie in Prozent ausgedrückt. Eine Angabe von 12 % Steigung bedeutet zum Beispiel, dass pro 100 m in waagerechter Richtung die Höhe um 12 m zunimmt. Nach der oben gegebenen Definition hat man 12 m durch 100 m zu dividieren, was zum Ergebnis 0,12 führt (in Prozent-Schreibweise 12 %).

Quelle: Wikipedia unter CC – share alike.
 

Wenn Manancestor wüßte, daß ich noch immer auf diese Datenbestände zugreifen kann … Zwar ist die Signalqualität schlecht, die Übertragung mit 320 Divedis extrem langsam: Doch mir steht der gesamte Datenbestand der WWW-Daten aus Halzig zur Vefügung. So weiß ich jetzt, daß Irgendlink sich und sein Fahrrad mit der gesamten Ausrüstung auf 100 m Strecke auch noch bis 30 m nach oben bewegen mußte.

Und irgendwann werde ich mich mit jener seltsamen Formulierung des Abenteurers beschäftigen müssen: Höhen «bis auf etwa 250 m über dem Meer» – was wollte er auf dem Meer?

Im Bericht aus dem Jahr 2012 fehlen die Tage vom 29. April bis 1. Mai. Am zweiten Mai – also heute vor genau 400 Jahren – ist er nach eigenen Aussagen in einem Hafenort “Craster”. Hafen, am Meer: Unvorstellbar, daß die Menschen damals das Wasser zum Transport von Gütern mißbrauchten.

Endlich stehe ich vor einer dunklen Wand, und es ist Basalt, sagt die Amimputch-Analyse. Zum ersten Mal auf dieser Reise nutze ich die Lift-Funktion des Seposh (Security power shield, das Kraftfeld, das fast überall von den Menschen fernhält, was nach dem energetischen Kollaps übrigblieb an natürlichem Wetter). Langsam lasse ich das Velo vor der Basaltwand auf- und absteigen. Da! Da sind Schriftzeichen!

«SoSo, Sofasophia, beste Koautorin der Welt, die Homebase. Neue Zeile. Emil, April, May, June, Szintilla, Lissi, Engelbert, Mara, Dina, Hanne, Siri Buchfee, Selma Buchfee, Wildgans, Klausbernd, Blinkyblanky, Stefan, Stefunny, Frau Freihändig, Papa und Mama. [ … ] Baba [ … ] Speedy, Patrick Z., Anaorgos, Violetta, Ingrid, Ingrid, ihr mit dem heißen Frühling, Sarcom, SportH2. [ … ] Sustrans!»

Die erwähnte Irgendlink in seiner Danksagung! Und während ich die kaum lesbaren Spuren der archaischen Schriftzeichen entziffere, merke ich, daß mein CeyS ausgefallen ist. Es gibt leider keine Bilder von dem, was ich sehe, vom eingemeißelten Dank. Und Irgendlink muß Stunden für diese Schrift gearbeitet haben.

EINEM hat er wirklich nicht gedankt. Ich nehme meinen Ioneninjektor, stelle auf Kupfer und lasse unter den antiken Zeichen noch einen rot schimmernden Schriftzug zurück:

Danke ganz besonders an Irgendlink
                         2.5.2412 – Knildnegri

Endlich hat mein Velo wieder Boden unter den Titanen. Und ich folge seiner Route, die nach Norden führt, seltsamerweise in westliche Richtung und verabschiede mich historisch:

Liebgrüß
Knildnegri

P.S.: Am Abend werde ich dann endlich herauszufinden versuchen, was eine «Hilda» ist.
 

Hochinteressant, was geschehen wird.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 2. Mai 2012 waren die umgesetzte, sprudelnde Phantasie und die positive Mail aus Igls in Tirol.

© 2012 – Der Emil. Kein CC!

124 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 769 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Lind Kernig 02 (#124)

  1. S(tef)unny sagt:

    fühlt sich merkwürdig an, dass da in 400 Jahren noch Spuren zu finden sein werden von uns …. 😉 Science fiction at its best.

  2. Pingback: 6.00 Uhr « Stefunny's Weblog

  3. Pingback: Nachrichten aus der Zukunft | irgendlink

  4. nextkabinett sagt:

    Reblogged this on Ministerium für Reiseangelegenheiten und kommentierte:
    Wunderbar. Danke, danke, danke an Lind Kernig …

  5. Anaorgos sagt:

    tolle Idee, die Geschichte weiter zu spinnen

  6. Stefan sagt:

    Ein irres Gefühl, meinen Vornamen 400 Jahre später in einem Reisebericht zu lesen, mit dem Wissen, dass genau ich gemeint bin, es fühlte sich kurzfristig wie Reinkarnation an. Tolle Idee.

  7. Gabi sagt:

    Ich bin begeistert von dieser Geschichte.
    LG Gabi

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