Monatskartenabo (#021)

Nachtrag zum Freitag, den 13.

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Mensch versucht ja, so sparsam als nur irgend möglich über den Monat zu kommen mit seinem bißchen Geld. Ich zum Beispiel habe kein Auto, fahre also Bus und Bahn. Und weil es für mich ausreicht, leiste ich mir seit Jahren den Luxus einer 9-Uhr-Monatsfahrkarte. Deren Preis ist in den Jahren 2001 bis heute von 26 Eu auf 39,50 Eu gestiegen. Dafür fahren Busse und Bahnen jetzt seltener (zum Beispiel die S-Bahn Nietleben – Trotha erst alle 15 min, dann alle 20 min, heute alle halbe Stunde) und auf weniger Linien.

Preisentwicklung

Aus dem Geschäftsbericht 2006 der HAVAG: Preisentwicklung 9-Uhr-Ticket 2001 – 2006

Weil ich eine ganze Zeit dem Einzug mit Er,ächtigung nicht so recht traute, konnte ich bisher noch nie die wirklich günstige Abokarte nutzen. Mit der würde ich für zwölf Monate Fahren nur den regulären Preis für zehn Monate in zwölf Beträgen zahlen. Jetzt wollte ich es versuchen, hatte meine Angst vor unberechtigtem Abbuchen besiegt.

Deshalb war ich am Freitag, den 13. Januar 2012 beim örtlichen Verkehrsbetrieb, um mir eine solche Abokarte zuzulegen. Was ich nicht wußte: Das Abo ist ein Kreditvertrag oder ein Handyvertrag oder sowas ähnliches. Zwar wurde keine SCHUFA abgefragt, aber bei der CEG (Creditreform – ich liebe diese Firma!) meint man, daß mir die zum Straßenbahnfahren notwendige Bonität fehlt.

Hä?

Jedenfalls darf ich, weil ich zuwenig Geld habe, nicht preiswerter fahren. Für den anderen Mist mit dem ALG II werde ich nun auch vom örtlichen Verkehrsbetrieb noch bestraft.

Ein Sozialticket, wie es das in Berlin, München, Hamm, Leipzig, Stuttgart usw. möglich und üblich ist, gibt es hier nicht. Unsere Verkehrsbetriebe können sich das “nicht leisten”

Toll. Echt. Das wären monatlich sechs Euro gewesen, die ich anderweitig gut gebrauchen könnte.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 20. Jauar 2012 war ein freudiges Wiedersehen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Monatskartenabo (#021)

  1. Follygirl sagt:

    Ja, das ist echt ärgerlich… aber irgendwie auch so typisch.
    Trotzdem liebe Grüße, Petra

  2. zauberfrau sagt:

    Da fehlen mir echt die Worte … Irgendwas läuft verdammt falsch auf dieser Welt. Können wir nicht ne Tardis bauen?

  3. sucherin sagt:

    Das hört sich in der Tat sehr unsinnig an. Meinst Du, dass es nützen könnte, diesen Widerspruch irgendwie öffentlich zu machen (Leserbrief, Beschwerdebrief an Stadt oder ä.)? Liebe Grüße

  4. Gudrun sagt:

    Dann reichen wir uns mal die Hand, lieber Emil. Wenn ich in meine liebste Lieblingsgroßstadt fahre, muss ich zwei Zonen im Nahverkehr nutzen. Und das wird echt teuer und immer teurer. Das Sozialticket gibt es im Landkreis Leipzig nicht. Auch ein Grund, warum ich umziehen möchte, denn mal schnell in die Bibliothek ist nicht. Tja, und da sind wir schon beim nächsten Problem …
    Ich wünsche dir dennoch ein schönes Wochenende.

  5. Inch sagt:

    Ich bin fassungslos. Sprachlos

  6. Was Du beschreibst, ist leider so typisch in diesem Saftladen „Staat“. Alles wird teurer, dafür aber schlechter. Und als wenn das noch nicht reichen würde, kommt für manche (siehe Du da oben) noch ein Extra-Sahnehäubchen drauf.

    Beispiele gibt es zahlreiche: Ein Päckchen hat früher 3 DM gekostet, heute 4,50 Euro, also ca. 9 DM, somit das Dreifache. Ist der Service auch dreimal so gut? Nö. Zugestellt wird das Päckchen nämlich nur, wenn der Zusteller Lust dazu hat. Hat er nicht, wird lediglich eine Benachrichtigungskarte ausgefüllt und für den Adressaten mitgenommen. Ab in den Briefkasten und der kann sich sein Päckchen selbst in der Filiale abholen. Bekommt der Absender die Hälfte des Portos zurück? Nö. Fühlt sich der nicht belieferte Adressat wenigstens erst genommen, wenn er sich aufgrund der Wiederholung dieser halb-Auftrags-Ausführung schriftlich beschwert? Nö. Ernst ist etwas anderes, als ein Textbaustein, der auch noch am Thema vorbei ausgewählt wurde. Aber immerhin erfolgte überhaupt eine Antwort. Sie musste ja auch nicht durch die eigenen Mitarbeiter zugestellt werden, weil sie per E-Mail kam …

    Was Du beschreibst, ist wohl so eine Art Phänomen: Wenn Du sowieso genug Kohle hast, bombardieren Dich die Kreditinstitute spam-mäßig mit Kreditangeboten. Und wenn Du Kohle brauchen würdest oder eben einen Abo-Vertrag abschließen möchtest? Pustekuchen.

    Tja, das Leben ist nur günstig, wenn es sowieso nicht darauf an kommt …

  7. nextkabinett sagt:

    Ja, das ist wirklich oberfies. Allerdings sind die Sozialtickets in vielen Städten auch nicht das Gelbe vom Ei und vielerorts sind die dadurch ermäßigten Monatskarten für ALG II-Empfänger immer noch viel zu teuer.

  8. M. sagt:

    Mein Mann ist ja, wie du vielleicht weißt, Busfahrer. Auch er schimpft und wettert gegen die ständigen Erhöhungen, denn die Busfahrer sind es oftmals, die den Unmut der Fahrgäste darüber ertragen müssen. Ich muss ihn direkt mal fragen, was bei uns so ein Ticket kostet….

    • M. sagt:

      Ich bins noch mal Emil. Habe meinen Mann gefragt und er meinte, dass es auch bei ihnen keine Sozialticket gibt. Allerdings kann jeder ein solches Abo abschließen, ohne Wenn und Aber.

      Wir meinen: Du solltest damit unbedingt an die Öffentlichkeit gehen und darauf hinweisen. Escher klingt gut. Also ran an die Basis.

  9. wupperwasser sagt:

    Ich würde das wirklich mal an die örtliche Lokalzeitung weitergeben und/oder ans öffentlich-rechtliche Fernsehen. Bei Markt zum Beispiel werden solche Fälle oft thematisiert (läuft auf dem WDR – gibts so eine Sendung auch bei euch?). Das ist ja wirklich unmöglich. Wenn die schon kein Sozialticket anbieten, dann sollen die es wenigstens so machen, dass jeder den günstigeren Preis zahlen kann. Sowas grenzt ja schon fast an Kriminalisierung eines ALG II-Empfängers wenn davon ausgegangen wird, dass solche ihre Abos nicht zahlen können/wollen…

  10. Elvira sagt:

    Ich kann Deinen Ärger sehr gut verstehen. Allerdings würde ich auch einen Schritt weitergehen und diese Praktik öffentlich machen. Denn sie ist nicht nur diskriminierend, sondern grenzt Menschen, die ALG II beziehen, von Aktivitäten des täglichen Lebens aus.

  11. anniefee sagt:

    Bei uns kostet das sogenannte „Mobilitätsticket“ die Hälfte vom regulären Monatsticket, was sehr günstig und freundlich ist. Gut, dafür steht man dann halbjährlich zusätzliche zwei Stunden im Amt rum, um binnen einer Minute einen Stempel auf die Berechtigungskarte zu kriegen, aber das ist es wert, kontrolliert wird nämlich ständig !
    Dafür sind die brandenburgischen Mitarbeiter insgesamt herrlich unfreundlich, dagegen im MDR-Land alle tendenziell freundlicher sind. Mir wurde sogar der Preis des Semestertickets zurückerstattet, nachdem ich es einschickte, weil ich doch nicht zum Studium nach Halle kam. (In Potsdam hätten die nur gesagt: „Ja is det meen Problem, oder was ?“)
    Also, mal irgendwelche Leserbriefe, Beschwerdeschreiben etc. aufsetzen lohnt sich vielleicht. Das Geld für so ein Sozialticket kriegen die Verkehrsbetriebe ja meist anteilig von Kommune oder Land. Scheint auch so ein klassischer Fall für die Linke oder eine Bürgerinitiave zu sein.
    Eure Straßenbahnen sind aber eh teuer, mann mann mann, auch im Einzeltarif und so.

  12. der_emil sagt:

    Ich hab mir überlegt, das Ganze mal an den Herrn Peter Escher weiterzureichen (MDR, „Escher hilft“).

  13. Gabi sagt:

    Ein starkes Stück. Da läuft ja wirklich wohl was ganz verkehrt.
    Lg Gabi

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