Lebenskunst 01 (#012)

Nimm Dir Zeit

To get a Google translation use this link.

Am Montag hat es mich im Umsonstladen gefunden, dieses Buch von Anselm Grün OSB …

 
Komm zu Dir

Wer sich genau beobachtet, wird erkennen, wie oft er gedankenlos durch den Tag geht. Du nimmst gar nicht wahr, was Du tust. Du läßt deinen Schlüsselbund liegen oder deine Brille. Weil du nicht bei dir bist, merkst du nicht, daß dir nicht nur der Schlüssel verloren geht, sondern du selbst. Und alles angestrengte Grübeln kann Dich nicht wieder zu dir zurückbringen.

Versuche es mit einem Gebet.*) Komm in Berührung mit deiner kreativen Mitte. Da kommt dir auf einmal die Idee, wo du suchen könntest. Das gilt nicht nur für Verlorengegangenes. Es gilt für alle schwierigen Situationen. Geh vom Problem weg. (Hervorhebg. Der Emil) Komm in Kontakt zu deiner Mitte. Hier, in deiner Mitte findest du dich selbst. Dort tauchen auf einmal kreative Lösungen auf. Es fällt dir ein, wie du dich in einer unübersichtlichen Situation entscheiden und was du in einem schwierigen Gespräch einem andern sagen kannst.

In deiner Mitte liegt die Lösung schon bereit.

 
*) Gebet: Kann auch ein Innehalten, ein Atemholen, eine kurze Denkpause sein. Der Emil
 

Anselm Grün: Buch der Lebenskunst; S. 61
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2002. ISBN 3-451-27997-3
 

Dr. theol. Anselm Grün OSB ist Benediktinerpater, Autor, Referent zu spirituellen Themen, geistlicher Berater und Kursleiter für Kontemplation, Meditation, geistliches Leben usw. Seit 1977 ist er Cellerar der Abtei Münsterschwarzach.
 
 

 
Wie ich das kenne! Und wie selten ich mich daran halte! Klar, kreativ bin ich, wenn es um Texte oder um Photographien geht. Aber andere kreative Ideen zur Lebensgestaltung, zum Weiterleben: nichts. Weggehen vom Problem? Das ist schwer, denn es grübelt sich so gut um ein Problem herum. Wenn ich einmal mit dem Grübeln angefangen habe, dann kann ich mich so wundervoll hineinsteigern.

Hineinsteigern ist allerdings das falsche Wort. Es sollte Hinabsinken heißen. Denn mit der Stimmung geht es bergab, immer weiter, immer tiefer hinein in das Loch mit dem Namen Depression. Gut, ich habe gelernt, solche Phasen, solche Schübe aufzuhalten, zu vermeiden, rechtzeitig gegenzusteuern.

Aber in Zukunft – in Zukunft denke ich an diesen Text von Anselm Grün.

Hochinteressant, sehr gut geschrieben, diese kurzen Textchen (die ich aufgrund ihrer Kürze in Übereinstimmung mit den Zitationsparagraphen des UrHG hier im ganzen zitieren darf). Ich geh mal weiter lesen.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 11. Januar 2012 waren die vielen fertigen Texte.

012 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 413 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter Geschriebenes, One Post a Day, postaday2012 #oneaday abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Lebenskunst 01 (#012)

  1. Elvira sagt:

    Man richtet sich in seinen Problemen manchmal einfach gut ein. Denn es mangelt nicht an einer bestimmten Behaglichkeit, dieses bequeme beim und im Problem bleiben. Denn nicht das Probem geht weg, oder nur sehr selten, sondern ich muss gehen. Eigentlich einfach.
    Liebe Grüße,
    Elvira

  2. M. sagt:

    Nicht böse sein, lieber Emil, aber ich kann mich im Moment nur schwer auf wirklich tiefgreifende Postings konzentrieren. Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich auch mehr Ruhe für sinnvolle Gedanken für dich finden. Bis dahin sei lieb gegrüßt. Mandy

  3. hm.
    1 Kommentar Veröffentlicht in Psychospace
    48. Der Engel Des Verstehens
    Aug22

    ______________________________________

    Die Psychologie versucht, den kranken Menschen zu heilen, indem sie ihn versteht, ohne zu werten, ohne zu beurteilen, ohne zu verurteilen, was immer er auch erzählen mag. Wenn sich ein Mensch verstanden fühlt, dann kann er alles, was in ihm ist, aussprechen. Dann hat er keine Angst mehr, irgend etwas zu verheimlichen. Er spürt, bei diesem Menschen ist alles gut aufgehoben. Er versteht mich, und so ermöglicht er mir, mich selbst besser zu verstehen. Ein Mensch, der mich versteht, ohne mich zu beurteilen oder gar zu verurteilen, hat eine heilende und befreiende Wirkung auf mich. Endlich kann ich einmal das sagen, was mich schon lange bedrängt, was ich aber immer hintangehalten habe, weil ich mich dafür geschämt habe, weil es meinen moralischen Vorstellungen nicht entspricht. Und indem ich es vor dem andern offen ausspreche, verliert es seine vergiftende Wirkung. Da brauche ich nicht mehr meine ganze Energie, um das Unangenehme und Unaussprechliche zu verheimlichen. Es kommt aus dem Versteck ans Licht, und so kann es sich verwandeln.

    Das Wort verstehen kommt von stehen. Die Vorsilbe „ver“ ist verwandt mit dem lateinischen „pro = für“ und „prae = vor“ und „per = durch“. Wer mich versteht, der stellt sich vor mich, der schützt mich vor Projektionen, die andere auf mich werfen. Er stellt sich vor mich hin, damit ich hinter ihm lerne, zu mir zu stehen. Und er steht für mich ein, damit ich für mich selbst einstehen kann. Er steht zu mir, damit ich besser zu mir stehe, damit ich einen besseren Stand bekomme. Und er steht meine Probleme durch. Er gerät nicht so leicht ins Wanken, wenn er von meiner Haltlosigkeit hört. Indem er meine Situationen durchsteht, befähigt er mich, mein Leben durchzustehen, Stehvermögen zu zeigen. Wenn mich ein Engel des Verstehens besucht, dann lerne ich, besser zu stehen, meinen Standpunkt zu finden, für mich einzustehen und zu mir zu stehen. Ich bekomme allmählich Stehvermögen. Ich wackle nicht mehr hin und her, weil ich weiß, was mit mir los ist. Ich kann zu mir stehen, weil mich ein anderer versteht und mir mit seinem Verständnis Beistand leistet, damit ich mein Leben durchstehen kann.

    Von zwei Freunden sagen wir, sie würden sich blendend verstehen. Ich sehne mich nicht nur nach einem, der mich versteht, sondern auch nach einem Freund, mit dem ich mich verstehe. Menschen, die sich blind verstehen, bei denen es nicht ständige Mißverständnisse gibt, stehen auf gutem Fuß miteinander. Sie stehen gut zueinander. Sie stehen zusammen. Und jeder läßt dem andern seinen Stand. Er muss sich nicht nach mir richten. Er darf sein, wie er ist. Er darf sich geben, wie er sich fühlt. Er muss seinen Stand nicht nach dem meinen richten. Sich-Verstehen heißt, daß keiner den andern für sich benutzt, sondern dass beide gut zueinander stehen, daß sie in guter Beziehung zueinander stehen. Das gelingt aber nur, wenn jeder für sich selbst gut stehen kann. Ich kann mich mit meinem Freund nur dann gut verstehen, wenn ich mich selbst verstehe, wenn ich genügend Selbsterkenntnis gewonnen habe. Wenn ich nur stehen kann, wenn der andere bei mir ist, dann werde ich abhängig von ihm. Und das ist gegen meine Würde. Um mich selbst zu verstehen, brauche ich den Engel des Verstehens. Er versteht mich besser als ich mich selbst. Er sieht Dinge in mir, die mir verborgen bleiben oder die ich nicht anschauen möchte. Er sieht sie, ohne mich zu bewerten. Er sieht und versteht. Das ermöglicht mir, mich zu sehen, wie ich bin, und mich zu verstehen, zu allem zu stehen, was in mir auftaucht.

    Verstehen heilt. In einem Seelsorgegespräch geht es mir immer gut, wenn sich der andere verstanden fühlt. Dann ensteht auf einmal eine Nähe und Intensität. Dann kann sich der andere aufrichten. Sein Herz wird weit. Weil er sich verstanden fühlt, bekommt er einen neuen Stand. Er kann wieder atmen. Alle Angst, er sei nicht gut genug, er dürfe nicht so sein, wie er ist, verfliegt. Er spürt wieder Boden unter seinen Füßen. So wünsche ich Dir, daß Du vielen Engeln des Verstehens begegnen darfst, die Dir ein neues Stehvermögen schenken. Und ich wünsche Dir, dass Du auch für andere so ein Engel des Verstehens sein darfst. Du wirst erleben, wie gut es Dir selbst tut, wenn ein anderer zu Dir sagt: „Von Dir fühle ich mich verstanden. Bei Dir stehe ich gerne. Bei Dir ist gut stehen. Denn Du stellst dich vor mich hin. Da treffen mich die Verurteilungen der andern nicht, da können auch die Selbstverurteilungen nichts anrichten. In Deiner Nähe kann ich gut zu mir stehen.“

    aus: 50 Engel für das Jahr, Anselm Grün, Ein Inspirationsbuch, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1997

    hab ich mal geschenkt bekommen. Danke Dir. Marion.

    • der_emil sagt:

      Das steht hier auch im Schrank. Aber es ist für mich schwerer verständlich, weil ich mit diesen Engeln in personifizierter Form nicht allzuviel anfangen kann …

      Die Lebensweisheiten jedoch, die hab ich mir jetzt eingeteilt: Jeden Tag einen Text lesen …

      • wobei ich damals auch eher zufällig 48. Der Engel Des Verstehens gelesen hab. weißt? ich ich hab das Buch so durchgeblättert und bin dann bei dem Engel hängengeblieben. die andern haben ich entweder noch nicht gelesen oder wieder vergessen.

        ja, oke …

  4. Gabi sagt:

    Von einem Problem „weggehen“ – wie geht das? Hört sich fast so an, wie vor einem Problem davonlaufen. Es gibt einfach Probleme, die sind immer da. Egal, wie oder wann oder wo ich hingehe. Vielleicht „verstecken“ sie sich eine Zeit lang, aber sie sind trotzdem da. Und man muss sich wohl eingestehen, dass es leider auch Probleme gibt, die man nicht oder fast nicht lösen kann.
    LG Gabi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert