Vertretung (#013)

In einem Haus, das wütend macht

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Alle Zimmernummern wurden geändert, der Autor war nur Zeuge der Vorgänge.


«Vertretung im Zimmer 825». Hilfesuchende, deren Nachname mit “M” beginnt, werden heute hier im Amt nicht wie üblich im Zimmer 827, sondern im Zimmer 825 abgefertigt, bedient, beraten oder was auch immer. Denn heute hängt dieser Zettel an der Tür.

Üblicherweise werden in 825 nur Bittsteller empfangen, deren Nachname mit P, U oder V beginnt. Beim letzten Besuch am Dienstag vor Weihnachten war die Vertretungssituation genau umgekehrt, da mußten P, U, V zu M ins Zimmer. Und es war viel unfreundlicher als diesmal. Denn 827 als Vertretung für 825 sah sich außerstande, ihrer gesetzlichen Pflicht zur Annahme von Anträgen nachzukommen.

Die mitgebrachten Unterlagen waren mitnichten unvollständig, nein. Da aber 827 “nur” Vertretung sei, meinte sie allerdings sauertöpfisch, daß sie Unterlagen, Sachverhalte aus dem Zuständigkeitsbereich der 825 betreffend, nicht entgegennehmen dürfe. Der Antragstellende müßte schon im neuen Jahr wiederkommen und seinen Kram bitte vollständig und korrekt bei 825 selbst abgeben. Fristen und Fristabläufe spielten für 827 keine Rolle.

Zur jetzt stattfindenen Antragsabgabe hörte sich 825 die Geschichte über 827 an und war ziemlich entrüstet und belustigt zugleich. Ob der Sachverhalt nocheinmal im Beisein der Teamleiterin (so heißen die Arbeitsgruppenleiter als unmittelbare Vorgesetzte der Sachbearbeiter) geschildert werden könne? Er konnte. Auch die Vorgesetzte blickte erstaunt und entrüstet, als sie hörte was geschah.

(Mag sein, ich täuschte mich: Mir schien, diese Unkorrektheit von 827 war nur der letzte Tropfen in das nun überlaufende Faß mit den Unbotmäßigkeiten und wird – den Äußerungen der Teamleiterin nach endlich! – zu Konsequenzen führen.)

Nach erfolgreicher Antragstellung verließ der Bittsteller das Haus mit der so logischen Zuordnung der Anfangsbuchstaben der Bittsteller-Nachnamen zu den Zimmernummern der Sachbearbeiter.

Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch in diesem Haus, das oft wütend macht (obwohl es kein Jobcenter ist).

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 12. Januar 2012 war die Nachricht über gewaltige Fortschritte bei meiner Liebsten.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Vertretung (#013)

  1. Ulf Runge sagt:

    Schön, dass Du Gehör gefunden hast für Deinen Wunsch nach Wertschätzung, lieber Emil.
    Schön, dass Du regelmäßig berichtest, was „heute“ positiv war…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  2. Pingback: Heute schreibe ich (fast) nichts « Mein Schreibetagebuch: "Leben"

  3. Was soll denn das für ein Haus sein? Das erinnert mich an Asterix erobert Rom. Da ist dieses Haus wo auch solche Dinge passieren und alle die da rauskommen sind dem totalen Wahn verfallen…

    Kann man das Haus nicht schließen und stattdessen alles online machen? Oder wenigstens nicht mehr hingehen müssen wenn man online kann? eGovernment ist doch voll im Trend…

  4. herr_momo sagt:

    Irgendwie kommt mir beim Lesen der Gedanke an Reinhard Mey’s „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“

    Bezüglich der Selbstherrlichkeit so mancher Behördenvertreter durfte ich ja seinerzeit auch schon die eine oder andere Erfahrung machen, wobei der Weg, den jeweils Vorgesetzten beizuziehen sich oft als hilfreich erwiesen hat.
    Nun drücke ich mal die Daumen. dass Dein Antrag auch positiv beschieden wird 😉

    • der_emil sagt:

      Hm. Ich habs zwar klein obendrübergeschrieben, daß das nicht mein Antrag war – zusätzlich wars noch ein Folgeantrag! – die nette Dame im Zimmer 825 will aber nur noch den Betrag berechnen …

      Ja, das Lied kenne ich natürlich auch. Und es ist leider immernoch wahr …

  5. mayarosa sagt:

    Ich finde Teamleiter sind eine ganz wunderbare Einrichtung, wenn man es mit boshaften, widerwiligen und einfach nur unfähigen Mitarbeitern zu tun hat. Was auch immer Raumbesetzter/in 827 zur Verweigerung bewogen hat, es ist eine interne Sache und muss intern gelöst werden und nicht in Form von Verweigerung auf die Kunden/Klienten/Externe abgewälzt werden.

  6. mayarosa sagt:

    Ups… ich schenk dir noch ein „l“. Das ist mir ausgebüxt.

  7. Himmelhoch sagt:

    Ach Emil, dann wird diese unfähige, unfreundliche Dame eben in eine andere Behörde versetzt, wo sie wieder unfreundlich und unfähig ist. – Dort hackt doch eine Krähe nicht der anderen ein Auge aus.

  8. Gudrun sagt:

    Wie fühlt man sich da?
    An solchen Tagen, bei solchen Besuchen bin ich hinterher kampfunfähig, fühle mich scheußlich, elend und muss mir große Mühe geben, das ganz schnell wieder los zu werden. Leider bestimmt es all zu oft das Leben.

  9. Elvira sagt:

    Es ist leider so, dass die meisten (nicht alle!) in hilfebwilligenden Amtsstuben meist nur einen „Fall“ oder eine „Nummer“ sehen. Der Blick dafür, dass vor ihnen ein Mensch sitzt oder steht, der auf Hilfe angewiesen ist, ein Mensch, der nichts lieber täte als dieses Amt nicht in Anspruch nehmen zu müssen, der sich gedemütigt und minderwertig fühlt, dieser Blick ist vielen abhanden gekommen. Ab und zu muss man sie daran erinnern! Gut, wenn dann jemand da ist, der einen richtig sieht!
    Liebe Grüße,
    Elvira

  10. Inch sagt:

    hihi! da hast Du das Dich wütend machende aber sehr schön beschrieben. So schön, dass ich gickern muss.

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