5. Türchen (Nº 339 #oneaday): Kriegsweihnacht

Und doch tut es weh.

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(Ich muß dieses Thema einfach einmal ansprechen zur Adventszeit.) Mal ehrlich: Wer kann sich an ein Weihnachtsfest in Kriegszeiten erinnern? Wer kann sich das vorstellen?

Ich nicht, ich kann mich “nur” an Weihnachten bei der NVA erinnern.

Doof. Heimweh. Friedlich.

In Uniform habe ich 1983 Weihnachtsgeschichten im erzgebirgischen Dialekt vorgelesen (und übersetzt). Das Jahr darauf hatte ich Urlaub … Nie war ich dabei, beim Krieg. Und doch tut es mir weh, wenn ich an Weihnacht im Krieg denke:

 
Da wird das Weihnachtsfest von 1940 gezeigt. Die Deutschen waren noch am Siegen, vom Endsieg überzeugt. Jedenfalls dann, wenn sie auf Heimaturlaub waren. Wie es an der Front aussah, das weiß niemand mehr. Nein, nur noch wenige wissen es, wenige überlebende und uralte Menschen, die den Zweiten Weltkrieg tatsächlich noch erlebten.

Daneben gibt es noch andere Zeitzeugen, Zeugnisse aus Kriegszeiten. Kurze Lichtblitze auf das, was zu Weihnachten zwischen den feindlichen Linien geschah. Viele kennen wie ich entsprechende Szenen aus Hollywoodfilmen.

Aber: es gab solche Szenen tatsächlich. Frieden in der friedlichen Nacht, in der Heiligen Nacht. Für mich unvorstellbar und doch verständlich.

1914

Im ersten Weltkrieg. An der Westfront. Im ersten Kriegsjahr schon.

 

“Es klingt kaum glaubhaft, was ich euch jetzt berichte, ist aber pure Wahrheit”, schrieb ein gewisser Josef Wenzl vom bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment 16 am 28. Dezember 1914 an seine Eltern: “Kaum fing es an Tag zu werden, erschienen schon die Engländer und winkten uns zu, was unsere Leute erwiderten. Allmählich gingen sie ganz heraus aus den Gräben, unsere Leute zündeten einen mitgebrachten Christbaum an, stellten ihn auf den Wall und läuteten mit Glocken … Zwischen den Schützengräben stehen die verhaßten und erbittertsten Gegner um den Christbaum und singen Weihnachtslieder. Diesen Anblick werde ich mein Leben lang nicht vergessen.”

 
Quelle: Weihnachten 1914: Ein bisschen Frieden mitten im Gemetzel
 
 

 
Und heute? Heute verteidigen «wir» die deutsche Wirtschaft am Hindukusch, liegen junge Männer und Frauen in Feldquartieren. In Uniformen einer Armee, die einem Land dient und in ein Land gehört, von dessen Boden nie wieder Krieg ausgehen sollte …

Es ist Advent. Friedliche Zeit. Vorbereitungszeit auf das größte Friedensfest dieser Welt, auf Weihnachten. Mag sein, daß andere Religionen, andere Völker das nicht oder anders feiern. Und doch ist es eine Zeit des Friedens. Des Stillewerdens. Des Stillehaltens.

Es ist Zeit, nach Hause zu gehen. Für alle Soldaten, die in fremden Ländern Weihnachten feiern sollen und müssen. Und den Heimkehrern singe ich dieses Lied – mit euch allen und allen, die im weitesten Sinne zur Familie der Heimkehrenden gehören:

 
Ich weiß, daß mir nicht jeder zustimmen kann. Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 4. Dezember 2011 war der Fortschritt beim Beantworten der Interviewfragen – ich bin fertig! – dabei habe ich vieles doch klarer formulieren können.

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Über Der Emil

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14 Kommentare zu 5. Türchen (Nº 339 #oneaday): Kriegsweihnacht

  1. oh wie schön, alles schon so weihnachtlich. das gefällt mir. danke dir steff

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  3. Elvira sagt:

    Ich stimme in den Gesang mit ein, lieber Emil, und wünsche mir und aller Welt ewigen Frieden. Aber ich befürchte, so lange es Menschen auf diesem Planeten gibt, wird die Welt keinen Frieden finden.
    Ich wünsche Dir weiterhin eine beschauliche Adventszeit!
    Liebe Grüße,
    Elvira

  4. Hallo Emil,
    darf ich was Schlimmes fragen?
    Hast du als Mitglied der NVA auf Menschen geschossen?

    • der_emil sagt:

      „Mitglied“ *lach*

      Einmal habe ich eine scharfe, geladene Waffe im Wachdienst auf einen Offizier gerichtet, der sich im Kasernenarrest unerlaubt entfernt hatte und über die Objektmauer verbotenerweise zurückkehren wollte. Leutnant lag etwas über eine Stunde auf der Mauer – und ich bekam einen Tag Sonderurlaub.

      Die NVA war NIE im einen Kampfeinsatz verwickelt, und die NVA war m. W. auch nicht in die Tschechoslowakei eingerückt

  5. Gudrun sagt:

    Warum kommen uns immer nur Weihnachten solche Gedanken?

  6. minibares sagt:

    Dass unsre Soldaten da im Hindukush ihren Dienst tun, werde ich wohl nie verstehen.
    Wie werden sie sich fühlen am Heiligen Abend?
    Das kann wohl niemand nachempfinden.

  7. Gabi sagt:

    Lieber Emil,

    Du wirst Dich vielleicht wundern, warum ich jetzt erst hier was dazu schreibe.
    Da ich es auch im neuen Jahr nicht geschafft habe, mein Zeitmanagement wirklich hinzukriegen, und das wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern, bin ich wieder mal längere Zeit nicht dazu gekommen, Deine Texte zu lesen. Ich mag aber Deine Texte und so fand ich gestern und heute die Zeit, diese nachzuholen. So auch die von der „vorweihnachtlichen Zeit“. Ich habe zwar bei diesen „alten“ Beiträgen keine Kommentare abgegeben, weil es mir fast ein bisschen peinlich war, dass ich so spät erst „nachlese“. 🙂 Aber da man im Internet ja kaum was verheimlichen kann, wird es Dir sicher aufgefallen sein.

    Gestern las ich am Smartphone und habe mir diesen Beitrag gemerkt, um mir heute das Video von den „Kriegsweihnachten“ besser ansehen zu können.
    Und ich muss sagen, das Video hat mich sehr berührt und mir sind sogar die Tränen gekommen. Wenn man sieht, mit wieviel Liebe die Eltern die Geschenke vorbereiten, der Baum geschmückt wird und die Kinder sich freuen. Da denke ich mir, wie gut es uns (ich bin Jahrgang 1960) doch immer gegangen ist. Doch ich kenne das alles recht gut von den Erzählungen meiner Mama, die damals in etwa so alt gewesen sein muss, wie die Kinder hier im Video.
    Sie hat mir immer erzählt, dass damals, damit der Christbaum nicht so leer aussieht, ihre Eltern immer kleine Holzstücke in dieses bunte Papier mit den Fransen (das wohl heute kein Mensch mehr verwendet) eingewickelt haben. Dazwischen gabs aber auch eingewickelte Würfelzucker, die meine Mama und ihr Bruder immer schnell versuchten herauszufinden. Mehr gabs einfach nicht.

    Und da kam mir schon der Gedanke, wie selbstverständlich wir heute alles nehmen und vielleicht manchmal etwas zu undankbar sind. Aber andererseits ist es ja wohl auch normal, dass die Zeiten und auch die Menschen sich ändern.

    Sorry, für meine doch sehr späte Reaktion darauf.

    lg Gabi

    • der_emil sagt:

      Ja, ich habe Deine vielen Kommentare und „likes“ bemerkt. Aber es ist doch nicht zu spät?!

      Ich kenne – wie Du – aus den Erzählungen meiner Verwandten ähnliche Geschichten. Bin ja mit Jahrgang 1963 nicht so viel jünger 😉

      Mir wäre es ja schon viel lieber, wenn im Handel z. B. nicht schon im Oktober weihnachtlich dekoriert werden würde …

      • Gabi sagt:

        Da gebe ich Dir vollkommen recht. Bis es dann Weihnachten ist, ist man schon richtig davon „gesättigt“.
        Die allerallerersten leicht „vorweihnachtlichen“ Boten sind ja die Lebkuchen, die in die Supermärkte Einzug finden. Voriges Jahr sah ich die bereits in der zweiten August-Hälfte, noch bevor wir auf Sommerurlaub gefahren sind.
        lg Gabi

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