Vielleicht kennt der eine oder andere ja diesen Begriff: Rauhnächte (oder Internächte, Zwölfe usw.).
Damit werden heute meist die zwölf Nächte beginnend mit der vom 24. zum 25.12. bezeichnet. In einigen Regionen wird auch die Thomasnacht (Wintersonnenwende) zu den vier wichtigsten Rauhnächten gezählt (21./24./31. Dezember und 05. Januar).
Ehe ich jetzt auf Wikipedia verweise, erinnere ich mich an das, was Großmutter dazu erzählte, als ich von ihr auch Kartenschlagen lernte:
“Es ist die Zeit zwischen den Jahren, denn früher war das Jahr zur Sonnenwende zuende und begann erst wieder mit dem Hohen Neuen Jahr (6.1., Epiphanias). In dieser Zeit sind die Grenzen zwischen den Welten durchlässiger als sonst.
Hüten muß man sich vor «Wechselbälgern» und «Wiedergängern». Es darf keine Wäsche auf der Leine hängen, ja, nichteinmal eine Wäscheleine gespannt sein. Denn in der könnte sich die «Wilde Jagd» verfangen, und die Wäschestücke würden sie im folgenden Jahr als Leichentuch zurückbringen.
Träume in diesen Nächten soll man aufschreiben, denn sie gehen dann in Erfüllung. Nur wenn vom Tod geträumt wird, darf das nicht notiert werden.
Karten soll man schlagen (legen) in den Rauhnächten, denn sie sind hellsichtige Nächte. Pendeln soll man aber nicht, denn die Geister machen sich einen Spaß daraus, das Pendel falsch zu lenken.
Kinder dürfen in den Rauhnächten nachts nicht zum Brunnen. Auch im Haus wurde Wasser vor Einbruch der Dunkelheit aus dem Brunnen geholt bzw. aus dem Hahn gelassen und in Kannen und Eimern bereitgestellt (damals gabs noch nicht überall WCs). Im Dunkeln wird aus (fließendem Brunnen-)Wasser nämlich Wein, den man nicht trinken soll. Denn der davon Betrunkene wird sich der «Wilden Jagd» anschließen.”
Großmutter wußte noch viel mehr solcher Dinge; manche erzählte sie mir, manche wird sie sicher auch verschwiegen haben. Von einer ihrer Schwestern wurde sie meist «alte Hexe» genannt – ich glaube, nicht ganz zu Unrecht.
Einige ihrer «Regeln» befolge ich noch heute.
Ach ja, da sind ja noch die Wikipedia-Links zu den Rauhnächten und zur Zeit zwischen den Jahren. Wer mehr über die religiösen Bräuche wissen möchte, kann hier u.a. über Brauchtum im Winter nachlesen.
Danke fürs Lesen – und habt eine besinnliche Zeit.
P.S.: Ihr kennt auch noch solche Bräuche? Egal, wie abergläubisch sie erscheinen, ich interessiere mich dafür!



Lieber Emil,
jetzt muss ich mich doch hinreissen lassen dir zu deinem Adventskalender einen schriftlichen Kommentar zu hinterlassen. (mal nicht direkt mündlich)
Ich finde diesen Kalender wirklich ganz super. Wenn ich auch das eine oder andere durch Erzählungen von dir kenne. Aber da hab ich deine Mimik und deine Gesten beim lesen vor mir und das zaubert mir ein warmes Lächeln in mein Gesicht.
Nun zu dem 13.Türchen-den Rauhnächten. Einiges hiervon ist mir durch Erzählungen meiner Oma,Großtante und Mutter bekannt. Anderes hat sich mir nun endlich erklärt. Und so manches neues habe ich hier erfahren.
Ich freu mich jeden Tag wieder ein neues Türchen von dir zu lesen (auch wenn ich manchmal vor Neugier nicht warten kann und dich löchere mit Fragen um was es im nächsten Türchen geht, du aber zum Glück nur knapp antwortest).
Vielen Dank, dass du dir hierfür die Zeit nimmst und dir immer wieder etwas einfallen lässt.
Auch wenn ich nicht der Weihnachtsfan bin, bereitest du schon eine die passende Stimmung in mir.
Vielen herzlichen Dank.
Eine wirklich ernstgemeinte Frage:
Darf ich Wäsche in der Wohnung auf dem Wäschetrockner aufhängen oder verfängt sich die «Wilde Jagd» auch in der Wohnung und die Wäschestücke würden sie im folgenden Jahr als Leichentuch zurückbringen?
Das mit der Wäsche kenne ich und befolge ich auch. Ich dachte bisher, es gilt vor allem für weiße Bettücher, wegen der Assoziation zum Leichentuch.
So, ich warte auf Deine Antwort.
LG,
renate
Also meine Oma machte keine Unterschiede …
Und ich laß es auch ganz bleiben.
Ja, dann halte ich es auch so wie Deine Oma. In der Regel lasse ich es auch bleiben.
LG,
Renate
Ach so, ich vergaß:
Ich liebe diese Tage und Nächte. Schon immer.
Also in meinem Heimatdorf müssen die Mädchen zur Wintersonnenwende einen Silberlöffel im Haar tragen, anderfalls darf sie jeder Bursch über Nacht vor der wilden Jagd beschützen… ein sehr beliebter Einkehrbrauch!
Hoppla, Bild einfügen geht nicht, hier die nackerte URL:
cityreporter.de/data/big/25032_1276739710_27.jpg