(Dies ist eine Weihnachtsgeschichte aus der Kinderzeit einer Freundin. Ich darf sie dankenswerterweise hier erzählen.)
In der Adventszeit sah das Mädchen, wie ein wirklich großes Paket eintraf. Und die genervten Eltern gaben nach einiger Zeit zu, daß es das Weihnachtspaket von guten Bekannten war.
„Aber das war soooooooo groß! Was war denn da alles drin?”
Die Eltern sprachen von verscheidenen Leckerein und Kleinigkeiten. Und davon, daß es das alles erst zu Weihnachten gebe.
„Aber das Paket war soooooooo groß? Was war da noch drin?”
Wieder wurden nur kleine Dinge genannt, die es aber erst zu Weihnachten geben wird. Und so ging es tagelang weiter. Und die Neugier wuchs.
„Aber das Paket … soooooooo riesig? Was war da noch drin?”
Als die Eltern zur Arbeit waren, nutzte das Mädchen die Gelegenheit zum suchen. Im Schlafzimmerschrank fand sie das Paket.
Vorsichtig hob sie eine riesige, weiße, weiche Plüschkatze heraus. Im beiliegenden Brief stand, daß das sie das Tier zu Weihnachten bekommen solle. Wie freute sie sich da!
Und so herzte und drückte das Mädchen eine Weile das Tier. Danach legte sie alles wieder so in den riesigen Karton zurück, daß niemandem etwas auffallen konnte.
Wie Mädchen allerdings so sind: Sie schrieb auch das mit ihrer sauberen, runden Mädchenschrift in ihr Tagebuch. Dort stand schließlich alles Wichtige ihres Mädchenlebens.
Dann kam Weihnachten. Und unter den Geschenken fand das Mädchen —
keine Plüschkatze.
Wie groß die Enttäuschung war, kann ich mir gut vorstellen. Und wie schwer es ihr fiel, nicht nach dem Tier zu fragen, kann ich mir auch vorstellen.
Aber wie Mütter von jungen Mädchen so sind, hatte diese regelmäßig das Tagebuch ihrer Tochter gelesen. Eine Tochter hat doch sowieso keine Geheimnisse vor ihrer Mutter.
Mit dem Tagebuchschreiben war es vorbei, als das Mädchen von der Neugier ihrer Mutter erfuhr. Und die weiße Plüschkatze bekam meine Freundin erst zu ihrem nächsten Geburtstag.
Danke fürs Lesen – und habt eine besinnliche Zeit.


oh wie heftig, niemals habe ich von
meinen Töchtern die Gedankenbücher gelesen
und ich hoffe die meinen Einträge werden immer ein Geheimnis
bleiben!
Und ich habe eine echte, mit viel Fell
umhüllte Katze, zwar nicht zu Weihnachten bekommen,
ich habe sie mir selber geholt!
Du weckst mein Leben auf, lieber Emil,
hab Dank dafür!
Ach Emil,
das ist das Pendant zu Kevin. Bei Mädchen ist das alles verdeckter und vesteckter. Gisi hat Recht, Tagebuchlesen geht ja sowas von gar nicht und ist ein Vertrauensbruch, der im Grunde kaum zu kitten ist, und bis ins Erwachsenenalter hinein wirkt.
Selbst wenn die Mutter das Tagebuch liest, darf sie es doch niemal erkennen lassen, dass sie es gelesen hat. Und mit dieser Strafmaßnahme hat sie es. Was soll’s, Kinder sind neugierig und wenn man das Paket nicht gut genug versteckt, muss man damit rechnen, dass Kinder in das Paket schauen. Dies aber durch den Entzug des Geschenkes zu ahnden ist etwas, was ich als ganz schlimm empfinde.
Und das Mädchen hat seine Lektion gelernt, es darf nicht sagen, dass es die Plüschkatze gesehen hat. So ist das Misstrauen auf schleichenden Wegen in diese Familie eingezogen und das kindliche Vertrauen dahin. Etwas, was sich bis ins hohe Alter der Eltern hin auswirken kann. Schade, schade.
In diesem Sinne, einen guten Tag noch,
Renate
Krass und gemein wie die Mutter reagiert. So verliert man für eine lange Zeit den Zugang zu seinen Kindern …
Pingback: Statistik 2010 | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen
Pingback: Statistik 2010 (Nº 04 #oneaday) – Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen