4. Türchen (Nº 338 #oneaday): Allein

Gedanken beim Gang über einen Weihnachtsmarkt

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Zuviel. Zuviele Menschen, zuviel Gedränge. Die sind mir viel zu nah, es ist zu eng.

Vielleicht riecht jemand durch Glühwein- und Bratwurstdunst hindurch, daß schon nach den ersten paar Metern “mein Deo versagt” hat!? Und die da, diese “Kinder”: die sehen mich so komisch an. Es gefällt ihnen bestimmt nicht, wie ich hier rumlaufe. Meine Kleidung, mein Gesicht, meine Figur, wie ich mich bewege. Nachher lachen die über mich. Und über meinen Bauch werden sie auch lästern und darüber, daß ich beim Gehen zu schreiben versuche.

Die halten mich bestimmt für bekloppt oder besoffen.

Ich will weglaufen. Raus aus dem Geschiebe. Nach Hause. An meinen Rechner. Dort sieht mich niemand, dort kann ich ich sein, ohne daß sich jemand dadurch belästigt oder gestört fühlt.

Ich bin sowieso am liebsten allein. Das habe ich mir selbst so ausgesucht. Ja, wirklich! Nachdem die letzte Frau mich so mir nichts, Dir nichts hinausgeworfen hatte, habe ich mir gesagt: Nie wieder.

Niemand kann mir Vorschriften machen – ein bedeutender Vorteil beim Alleinsein. Ich muß mich nicht verbiegen, niemandem gefallen. Seit ich allein bin, hat mich keine Frau enttäuscht. Nie gab es Streit um das Essen, das Geld oder das Fernsehprogramm. Mit wem auch?

So eine Streiterei brachte ja auch nie was. Setzte ich mich nicht durch, hatte ich mal wieder verloren. Setzte ich mich durch, wurde ich durch die Frau mit Schweigen oder dem Entzug von Nähe gestraft. Und hatte verloren.

Ein Teufelskreis!? Vielleicht. Aber ich bin raus aus ihm. Ich bin allein. Und zufrieden damit.

Jetzt in der Adventszeit zum Beispiel kann ich Kerzen und Räucherkerzen anzünden, wann immer ich will. Früh am Morgen, beim Frühstück, oder noch vor dem Kaffee. Zum Mittagessen, nachmittags. Und wo ich will: In der Küche, im Wohnzimmer, sogar in der Schlafstube und im Bad.

Auch mitten in der Nacht, wenn ich wachwerde: Dann tröstet mich der heimelige Duft des Räucherkerzchens darüber hinweg, daß in meinem Bett und in meinem Leben der Platz neben mir kalt und leer bleibt …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 3. Dezember 2011 war ein Besuch der Leipziger Weihnachtsmärkterei..

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu 4. Türchen (Nº 338 #oneaday): Allein

  1. BettyBoop sagt:

    hach emil…niemand lacht über dich und schon gar nicht über deinen bauch…so als einzige vollbärtige dauerschwangere lesbe von halle ist man doch etwas besonderes^^ ich les dich morgen wieder…

    mit lieben grüßen die udo lindenberg(ein herz kann man nicht reparieren) hörende elli 😉

  2. fudelchen sagt:

    Ja, das ist schon merkwürdig. Gestern wollte ich auch allein sein, mit niemenadem reden, nur meinen Gedanken nachhängen und einfach ein paar Fotos machen.
    Angesprochen wurde ich dann doch und nicht nur einmal, aber das war nicht unangenehm.
    Trotzdem brauche ich solche Auszeiten für mich, das ist ganz wichtig und mein Mann läßt mir da meine Eigenheiten, versteht meine Zurückgezogenheit und besser ist es dann, wenn ich an meinen See fahre, dort treffe ich niemanden, nur meine Enten und Schwäne.
    Ich verstehe dich gut.
    Hab einen schönen 2. Advent.

    GLG Marianne ♥

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  4. anniefee sagt:

    Na, mir ging es kürzliich ähnlich mit den Märkten. Gerade bei dem Weihnachtsthema. wo ja Athmosphäre vermittelt werden soll, ist es doch ärgerlich, wenn man vor lauter „Aufpassen, wo man hintritt“ nicht zum Innehalten und Gucken kommt.
    Zum Beziehungs- / Familiending:
    hier weiß man erst, was man an „seiner Ruhe und Entscheidungsfreiheit“ hatte, wenn sie los ist. Wahrscheinlich wäre, wie meistens, ein Mittelmaß das Beste.

  5. oh wie toll da fliegt schnee auf deiner seite. 😉 liebe grüsse deine steff
    p.s. ich bin nicht gerne alleine. aber wenn man das kann, gut alleinsein, ist das gut. ich glaube, das das das wichtigste ist, was ich lernen muss. jeden tag mache ich einen kleinen schritt in die richtig richtug. 😉

  6. nextkabinett sagt:

    Wieso allein? Soweit ich es begriffen habe, bist Du doch nicht mehr allein, nur räumlich getrennt. Das ist doch was ganz anderes oder?

     
    Wünsche Dir einen rundum runden zweiten Advent!

    …….☆….()
    ….☆….()..█
    …….☆.█.)/¸.¤ª“˜¨
    ¯¨˜“ª¤.☆¤ª“˜¨¨˜

  7. die luzie sagt:

    Wieso habe ich dich nicht gesehen? War doch gestern auch?! 🙁

  8. Follygirl sagt:

    Die dicke alte Frau sagt nur soviel…ich hasse Weihnachtsmärkte, es stinkt dort ekelig und auch sonst gibt es nix mehr was mir gefällt. (vielleicht auf einem MittelalterMarkt?)
    Und Aussehen…ach so… nee, is mir persönlich egal, Hauptsache von innen gefall ich mir!
    LG, Petra

  9. christA sagt:

    Wer mag schon wirklich Bratwurst mit Zuckerwatte? – Lieber Emil, für mich ist das Gedränge, Gedudel und Geschiebe – gemischt mit Gerüchen, die sich nicht vertragen – auch nichts. (Da ist mir mein heimlicher Adventskalender doch lieber.)

  10. Wildgans sagt:

    Sozialphobie kann sehr gemütlich sein…Im Ernst, ich bin sehr gern allein, aber ebenso gern in einer Partnerschaft auf Augenhöhe, in der Liebe ist und kein Meckergezänk. Auf den Weihnachtsmarkt gehe ich ein einziges Mal und das hat gefälligst schön zu sein, ich gucke dann auch nur an nette, rührende Glitzerstellen oder schaue mir die Kinder an, die vor der großen Krippe stehen (am Mainzer Dom). Besoffene Rempler und andere üble Randerscheinungen mache ich mir vorher klar, dann geht`s. Gruß von Sonja
    P.S. Irre klasse toll und gut finde ich diese positiven Tagesdinge!!

  11. Hallo Emil,
    Versuchst du echt beim Gehen zu schreiben? Wie machst du das, auf Papier und irgendwie elektronisch?
    Ich schreibe manchmal, wenn ich unterwegs bin, aber nur im Kopf. Das merkt keiner.
    Wenn ich mal einen stattlichen Herrn sehe, der im Gehen schreibt, dann frage ich ihn, ob er Emil heißt.
    Danke für deine Türchen.

  12. frizztext sagt:

    Ich habe mir ein DDR-Kochbuch gekauft zu Weihnachten
    und heute zum ersten Mal in meinem Leben Soljanka gegessen …
    säuerliche Suppe – aber sehr lecker!

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