188.2026: Aufraffen

Das muß doch ohne den berühmten „Tritt in den Hintern” gehen.

 

 

Das Notizbuch liegt noch immer auf dem Hocker neben dem Tisch. Aufgeschlagen, seit drei Wochen. Wahrscheinlich finde ich gleich eine Staubschicht auf dem Papier, wenn ich es hochhole auf die Tischplatte.

Na dann. Die letzten notierten Worte kenne ich aus­wen­dig. Schließ­lich geistern sie mir seit drei Wochen Tag und Nacht durch mein Gehirn, denn ich suche händeringend nach einer möglichen Fort­set­zung der Szene. Tja, wenn ich da nur nicht dieses – für mich – perfekte Ende mit großem Cliffhanger niedergeschrieben hätte …

Noch gestern hatte ich die Idee, einen zweiten Handlungsstrang zu eröffnen. Vielleicht etwas Vorgeschichte? Oder etwas parallel Ablaufendes? Nur muß ich in beiden Fällen dafür sorgen, daß nicht zuviel vom Geheimnis preisgegeben wird, das ich bisher nicht aufgelöst habe. Weil ich die Szene ja weiterschreiben möchte. Da liegen vier Möglichkeiten neben dem Notizbuch, auf Schmierpapier – und ich kann mich für keine entscheiden. Weil ich eben auch noch keine Möglichkeit gefunden habe, wie ich das bruchlos an den fertigen Text anbinden kann.

„Ich ärgerte mich über meine Unbeherrschtheit. Vor lauter Ärger hatte ich den Brief ungeöffnet und damit auch ungelesen in den Müll geworfen. Vielleicht war das ein unverzeihlicher Fehler.” — Und nun? Eine Nachfrage beim Absender per Telefon? Das setzt voraus, daß der bekannt ist. Was ist bei einem unbekannten Absender oder einem Brief ohne Absenderangabe? Wenn der Brief aber beim Wegbringen des Papiermülls wiedergefunden wird: Ist es dann für irgendetwas zu spät? Kommt eventuell eine weitere Nachricht, eine nachfragende Textnachricht, oder gar ein weiterer Brief? Taucht überraschender Besuch auf, der mit ihm/mit ihr über den Brief reden möchte? Ha, eben: Ich weiß ja noch immer nicht, ob die handelnde Hauptperson weiblich, männlich oder sonstwas ist. Bisher habe ich es vermeiden können, das angeben zu müssen. Schaffe ich das auch weiterhin?

„… Vielleicht war das ein unverzeihlicher Fehler. Es könnte aber auch anders sein. Die Augen huschen im Zimmer umher und bleiben dann am Papierkorb hängen. Völlig überraschend liegt in dem jener Brief, den ich eben noch verloren glaubte. Zerknüllt, aber ungeöffnet und sonst unbeschadet. Vorsichtig streiche ihn ihn glatt. Weder kenne ich die Handschrift, die meine Adresse schrieb, noch finde ich einen Absender. Es könnten zwei oder drei Blatt Papier darinnen sein. Auch handschriftlich? Ein- oder beidseitig beschrieben? Kleine oder große Schrift? Wenn ich den Brief nicht öffne, werde ich das nie erfahren. Dennoch ist in mir eine Angst vor dem, was ich dann lesen kann; denn es ist völlig unvorhersehbar für mich, völlig ungewiß.

Na gut, dann mache ich mich mal daran und schreibe diesen omi­nösen Brief. Das sollte mich für einige Zeit von meinem Problem der bisher unentschiedenen Fortsetzung ablenken. Hoffe ich.

 

 

Nein nein, das da dreht sich nicht um mich. Auch, wenn mir solche und ähnliche Fragen schon begegneten. (Allerdings: Über einen handgeschriebenen Brief würde ich mich sehr freuen. Nur weiß ich nicht, ob ich eine Antwort fertigbringe.)

 

Erinnerung des Tages:
Einige spezielle Plastedosen und -schüsseln, die durch ein neues Schüsselset ersetzt wurden, gab ich ob ihrer Schäbigkeit in den Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 18.08.2026 am Ende doch das Ausschlafen bis Mittag, der Besuch in der Apotheke, leckerer Fisch am Abend.


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Über Der Emil

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