Der ist schon sonderbar und weckt Erinnerungen.
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Ein Fahrrad also. Ein Fahrrad will das Jungchen zum Geburtstag. Aber eben nicht einfach ein Fahrrad! Sondern genau so eines, wie es seine Urgroßmutter auf diesem Foto hatte. Ein Klappfahrrad von MIFA, so eine olle Krücke aus der DDR. Jetzt tut es mir leid, daß ich das von meiner Mutter weggegeben habe, als wir vor Jahren das alte Häuschen am Hof ausräumten, ausräumen ließen. Am Hof weit draußen vorm Dorf. Wir zwei Alten wollten ein bequemeres Leben in der Stadt gleich nebenan. Mit dem Verkauf von Haus und Grund konnten wir uns diese schöne Wohnung hier leisten, mit Fernheizung, Bad und heißem Wasser aus dem Hahn. Und jetzt haben wir alles Notwendige in der Nähe, können wir alles auf kurzen Wegen zu Fuß erreichen: den Doktor, die Apotheke, den Konsum. Damals konnten wir nicht viel mitnehmen hierher. Wir haben nunmal nur unsere drei Zimmer, die kleine Küche und das Bad. Ja, einen kleinen Keller haben wir auch. Wohin sollten wir aber mit all dem Zeug, was im Schuppen und in der Remise stand, mit all dem Krempel vom Dachboden? Viel davon konnten, haben wir nicht behalten. Der Trödelhändler gab uns einiges Geld für alles und räumte gründlich aus. Unter den Sachen, die er mitnahm, war auch das Klappfahrrad meiner Mutter. Es ist seit Jahren weg, es existiert nur noch auf ein paar alten Fotos, auf denen es das Jungchen sah.
Unsere Tochter hat sich umgesehen: Es gibt noch MIFA-Klappräder zu kaufen, keine neuen, nein, aber gebrauchte. Herrjeh, was die Leute für Preise dafür haben wollen! Aber das Jungchen enttäuschen, unserem Enkelchen seinen Wunsch nicht erfüllen? Drei Wochen Zeit haben wir noch …
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 24. Oktober 2023 war ich zufrieden mit dem Aufstehen um Neun, mit dem gefutterten knappen Kilo Trauben, mit gelöschten Dateien.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@deremil "so eine olle Krücke aus der DDR" Boa ich bin mit so einem 1 Jahr lang zur Arbeit gefahren. Während die Wende im Gange war. Ich wohnte da schon in Hessen bei einer netten Familie auf irgend einem Dorf. Im nächsten Dorf, 5km weiter, war meine Arbeit. Klapprad und ordentliche Mukke auf dem Walkmankopfhörern und los gings. Bin dabei sogar einmal geblitzt worden. Zu schnell mit dem Klapprad HAHAAlles in allem … nicht der schlechteste Wunsch und alles Gute dem Enkelchen 🙂
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„Die überragende Qualität der Produkte unserer Volkseigenen Betriebe bewies sich erneut, als die imperialistischen Ordnungskräfte bei einer Verkehrskontrolle feststellen mußten, daß selbst unsere Klappfahrräder schneller sind, als die bundesdeutsche Polizei erlaubt!“
Ich bin damals in Merseburg damit in die Schule, zum einkaufen und später zur Arbeit in die Bibliotheks-Zweigstelle-Nord gefahren. Zeitweise sogar mit Hundekörbchen vornedrauf! Es war sehr zuverlässig. Ein Foto habe ich davon nicht, denn es war einfach nur Alltag!!!
Ich füür meinen Teil habe festgestellt: Es ist schade, daß so wenig Dokumente und Bilder vom Alltag damals existieren.
Hach, mit der Geschichte hast du mich an mein altes Mifa Klappfahrrad erinnert. Da passte sogar so ein Kinderkorb an den Lenker. Prüfender Blick, ob jeder seine Mütze auf hat und die „Brotsche“ um den Hals und dann rauf auf das Radel. Mit der Fahrt zu Krippe und Kindergarten fing einige Jahre lang unser Tag an und irgendwie war das gut.
Die Dinger sind heute wieder gefragt wie auch die Schwalbe und das Esfuffzisch — und es ist nicht (nur) Ostalgie, die zum Kauf drängt. (Und es ist ja auch wahr: Zeig mir Westprodukte jener Zeit – und gleich gar neuerer Zeit -, die ebenso langlebig waren bzw. sind …)
So ist es.
Als es mit dem Laufen schlechter wurde, wollte ich dem Kumpel meines Sohnes so ein Klappdingens abgaupeln. Er hat es nicht rausgerückt und viel konnte ich nicht zahlen. Mein Rührgerät von damals hab ich noch und werde mich hüten, es weg zu tun.
Eine herrlich erzählte Opa-Geschichte.
💜
Danke.