Elektronik, Bauchgefühl, Ausweis, sonderbare Regelungen.
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Für einige Wochen war ich mit abgelaufenem bzw. vorläufigem Personalausweis unterwegs. Nun habe ich wieder einen „normalen”, der meiner Meinung nach allerdings auch wieder nur ein vorläufiger ist, denn: Gültig ist der nur für kurze Zeit, für nur 10 Jahre – Achtung! – ab Antragdatum. Es ist hierzulande gesetzlich vorgeschrieben, daß Mensch einen Personalausweis oder Reisepaß (mit Meldebestätigung) haben muß. Warum muß ich dafür zahlen? Und warum für die Steueridentifikationsnummer nicht? (Oh, hoffentlich habe ich damit keine schlafenden Hunde geweckt.) Also werde ich in 9 Jahren und 10 Monaten wieder bezahlen müssen. Die derzeit 37,00 Eu Gebühren dafür sind im Bürgergeld zwar nicht aufgeführt oder vorgesehen, müssen aber regelmäßig aus diesem gedeckt werden. (Sie könnten nach PAuswGebV §1 Abs. 6 für bedürftige Personen vermindert oder gar nicht erhoben werden, aber hierzustadt …)
Moment: 10 Jahre soll nur vorläufig sein? Natürlich, denn dauerhaft sind 10 Jahre nun weiß Gott nicht! Und warum wird in meinem Fall ein Paßbild mit Kopftuch nicht zugelassen, das ohne Kopftuch aber schon? Auf beiden trage ich nämlich meinen wirr aussehenden Vollbart; eine Rasur würde mein Aussehen wesentlich deutlicher verändern als das getragene Kopftuch! Mich wird man nicht sehr häufig barhäuptig antreffen, und das Bild soll mich doch so zeigen, wie ich aussehe? Und warum muß das ein „Online”-Ausweis sein, wenn ich mit absoluter Sicherheit sagen kann, daß ich diese Funktion nie nutzen und das Teil nur elektronisch abgeschirmt (in einer kleinen Blechschachtel) herumtragen werde?
Paranoid? Ich?
Tatsächlich ja. Wer – ohne physischen Kontakt – Daten aus meinen Plastekarten auslesen kann (und das ist technich recht einfach), kann diese dann auch nutzen. Es sind auch und gerade auf dem Ausweis Daten gespeichert, die ich ohne wichtigen Grund nicht preisgeben werde (darum die Blechschachtel, ein Faradayscher Käfig). Das kann ich rational nicht vollständig begründen, aber es beruhigt mein Bauchgefühl ungemein. Ich bin eben – wie alle Menschen – keine rein rationale Entität.
Sagte ich es schon? Ich habe wieder einen gültigen Personalausweis (und ich diskutiere nicht darüber, warum der „Personalausweis” heißt). Bedauert habe ich es sehr, daß ich den vorläufigen weder gescannt noch fotografiert habe, denn der wurde eingezogen und zerschnitten.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 9. Mai 2023 war ich zufrieden mit den erledigten Haushaltsdingen, mit dem abgeholten Ausweis, mit Bockwurst und Kartoffelsalat zum Abend.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Als ich neulich mit meinen Jüngsten, er wird bald 18, seinen neuen Ausweis beantragte, fragte er mich warum man dafür zahlen müsse wenn er Pflicht ist und nur 6 Jahre Gültigkeit hat. Auch fand er es von dem „Sachbearbeiter“ unmöglich mit einem Hoddy dort zu sitzen, wenn man für die Stadt arbeitet.
Recht hat er, mit seinem kritischen Denken in jungen Jahren.
Tja, Daseinsfürsorge, wie sie im Sozialstaat verpflichtend war, ist in der marktkonformen Demokratie nur noch gegen monetären Einsatz zu erhalten.
Der Junge denkt mit!
Ähnlich läuft es ja mit dem Führerschein, der nur noch 15 Jahre gültig ist.
Wobei solche Karten stabiler sind als die vorherige „Papierversion“.
Ja, er ist oft kritisch denkend unterwegs und sprüht auch gern mit Sarkasmus und Ironie.
Wohl dem, der beides voneinander zu unterscheiden weiß, und: Chapeau!
Aber der Führerschein ist doch nur für LkWs befristet oder? Jedenfalls hat hier, außer mir (LKW), noch niemand einen befristeten Führerschein, weder der 87 jäjrige Papa, noch die 19 jährige Töchter.
Neeeee. Karte(!) ist max. 15 Jahre gültig …
Das ist mir neu
Ich mußte meinen ewig gültigen DDR-Führerschein von 1982 auch schon in soeine Plastikkarte umtaschen: nach 15 Jahren wieder notwendig.
Die neue Kartenform ist befristet und muss alle 15 Jahre erneuert werden, ohne Prüfung wie beim Personalausweis. Ich habe meinen schon in Kartenform ausstellen lassen, weil der rosa Lappen kaum noch lesbar war.
Danke, Dona hat’s bestätigt.
Gerne
Ihr habt ja aber auch teuer für die Sozialfürsorge bezahlt, oder?
Was meinst Du jetzt damit genau?
Also, vielleicht trifft es für dich ja nicht zu, aber Freunde und Verwandte aus der Zone berichteten vom „goldenen“ Käfig, der oft leider nur aus Katzengold war und den Schutz erkaufte man sich durch tiefgreifendes Misstrauen allen und jedem gegenüber. Im Westen lernte man von früh auf, dass man etwas leisten muss, um etwas zu erreichen und dass es wenig bis nichts um sonst gibt. Heute ist das halt alles schon wieder ganz anders, sowohl hier, wie dort. Was schade ist, ist, dass es immer noch ein hier und dort gibt. Für die jungen vielleicht nicht so sehr.
Okay.
Mein Erleben war ein anderes. Aber es scheint ja sowieso sehr viele DDRen gegeben zu haben.
Das freut mich für dich.