Wenn Arglosigkeit in Dummheit umgedeutelt wird.
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Morgens spinne ich manchmal Gedanken weiter, die aus meinen Träumen aufschienen. Das da war solch einer:
Es wird Zeit, daß wir unsere Naivität aufgeben, verlieren, und uns der Realität zuwenden.
Am Morgen in einem Trööt bei Mastodon zuerst veröffentlicht.
Und ja, er erscheint mir unendlich falsch zu sein, falscher als falsch, absurd, abstrus, total plemplem, dieser Satz. Ist der Mensch nicht auch mit seiner Naivität der Realität zugewandt? Ist er – naiv! – ihr gegenüber nicht sogar offener als er es je sein kann, wenn er seine Naivität verloren hat? Daher kommt doch die pausenlose Suche nach den Haken an den Sachen?
Naiv ist doch nichts anderes als argloses Vorgehen, Denken und Handeln – ohne jeden Hintergedanken. Bei Kindern auch unvoreingenommenes und unverfälschtes Denken und Handeln, und das wird bei denen als durchaus wünschenswertes Verhalten angesehen. Aber irgendwann verschob sich die Bedeutung des Wortes naiv – und heute ist es eher mit Blauäugigkeit und Arglosigkeit und vor allem auch Unwissenheit gleichgesetzt. Warum nur? Wieso? Ich bin noch naiv genug, diese Frage zu stellen, mich über die erfolgte Bedeutungsverschiebung zu wundern. (Obwohl: Ich wundere mich eigentlich über nichts mehr, ich frage mich nur viel zu viele Fragen, deren Beantwortung wahrscheinlich keinen entscheidenden Einfluß auf mein Leben hat.)
Naiv hat ja auch in der Kunst eine besondere Bedeutung: Da sind die Naive Malerei und es existiert auch die Zweite oder Sekundäre Naivität in der Literatur (von der wußte ich bis heute noch gar nicht). Gibt es auch Naive Kompositionen?
Dieses kleine Wörtchen hat mich heute nicht losgelassen, der Satz wurmt mich noch immer. Ich sehe es auch nach einem halben Tag Herumdenkerei in jedem Fall als grundfalsch an, die Naivität aufzugeben (oder eben passiv: sie zu verlieren) – so naiv, wie ich mich zu geben verstehe …
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 14. Februar 2023 war ich zufrieden mit einer gekauften Tischlampe, dem Herumdenken auf einem kleinen Wörtchen, mit den leckeren eingelegten Oliven vom Markt.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Als Etikett gibt es m.W. „naive Kompositionen“ nicht. Realiter sehr wohl. Und das meine ich nicht abfällig. D’accord mit dir.
Ein Thema weiß ich, das ich als eine solche bezeichnen mag:
Dieses Thema begleitet mich seit Jahrzehnten. Vielleicht bin ich naiv, dass es mich so fesselt.
Ja. Einmal sehen UND hören und nie vergessen.
(Das fand ich genial von Gerst bei dem Kraftwerk-Konzert, daß er diese Töne live von der ISS einspielte.)
So ist es.
(Das vom Gerst ist an mir vorbei gegangen. Ja, das ist genial.)
Das ganze Konzert ist – für mich als sehr alten Kraftwerk-Fan – ein Juwel … Du findest es bestimmt selbst.
Es ist doch die Realität, die zu naiven Fragen Anlass gibt! Mein Lieblingsbeispiel: Warum eine Tonne Blech (u.a.) in Bewegung setzen, um ca. 60-80 kg zu transportieren?j Oder: Wozu ein Elektrogerät benutzen, wenn man etwas mit der Hand machen kann? (Kaffee mahlen, Brot schneiden, Laub zusammenharken…)
Und dergleichen mehr!
Liebe Grüße!
… schreiben mit Feder und Tinte …