Ganz allgemeine Worte aus einer sehr weiblichen Sicht.
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Ich lese gerade Bücher von einer Heinrich-Mann- (1986) und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin (2020 – sie gehörte als DDR-Schriftstellerin dessen Jury von 1987-1990 an): Helga Schubert. Sie ist exakt drei Wochen älter als mein Vater und war, bevor sie als freiberufliche Schriftstellerin in Erscheinung trat, lange Zeit klinische Psychologin. Mehrere ihrer Bücher fischte ich im Jahr 2022 aus öffentlichen Bücherschränken. Und in „Blickwinkel. Geschichten.” von 1985 (2. Auflage) findet sich vorn sogar eine persönliche Widmung der Autorin, die am 22. Januar 1994 eingetragen wurde in das damals fast zehn Jahre alte Buch.
Fast könnte ich die in diesem Bändchen zu findende Sprache lakonisch nennen, so wie sie besondere alltäglich normale Situationen beschreibt. Neben 16 Geschichten findet sich im Buch aus der Reihe Edition Neue Texte auch das „Über mich selbst”. Am liebsten würde ich diesen ganzen Text abschreiben, diese anderthalb Seiten Selbstauskünfte über ihr Schreiben. Vielleicht wäre das eventuell sogar vom Zitatrecht gedeckt. Aber nein, besser nicht, so übervorsichtig bin ich mit den Jahren geworden (und ich denke darüber nach, wie ich das doch anstellen könnte, irgendwie). Aber die letzten fünf Sätze daraus, die muß ich hier zitieren:
Ich würde jetzt, vierundzwanzig Jahre nach der ersten Geschichte, nichts mehr in der ersten Wut schreiben. Diese Geschichte [die sie in einer Nacht direkt in die Schreibmaschine hämmerte – Anm. Der Emil] habe ich mir aufgehoben. Sie dient mir als Warnung.
Inzwischen vertraue ich darauf, daß sich eine Geschichte so lange in mir dreht und wendet, bis ich auch ihre fröhliche oder bittere Seite entdeckt habe. Dann darf ich sie mit gutem Gewissen schriftlich erzählen, finde ich.
Helga Schubert: Blickwinkel. Geschichten. S.186
2. Auflage 1985 © Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1984.
Edition Neue Texte. Lizenz-Nr. 301. 120/72/85, Bestellnr. 613 08 39
Und sie hat viele Geschichten erzählt. Was ich jetzt bestimmt nicht mehr dazu sagen muß: Ich mag die Bücher, die (kurzen) Geschichten von Helga Schubert. Und den Blick auf ihre weiblichen Figuren, für die ich mir für jede von ihnen ein Vorbild im wirklichen Leben vorstellen kann, lebhaft vorstellen kann. Vielleicht, weil ich einige von denen auch in meinem Leben kennenlernen durfte. Nachträglich gratuliere ich unbekannterweise zu ihrem 82. Geburtstag, den Helga Schubert am 7. Januar feierte.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 10. Januar 2023 war ich zufrieden mit dem ausgelesenen Buch, der Streuselschnecke zum Nachmittagskaffee, den endlich „ordentlich” weggeräumten Büchern.
© 2023 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Sie hatte wohl zuzeiten Zoff mit Christa Wolf und Sarah Kirsch…
Ja, mit Christa Wolf — ihrer Nachbarin — stimmte sie vor allem in Bezug auf die Entwicklung 1990 und danach nicht überein. Und auch Sarah Kirsch verkörperte für sie wohl Ewiggestrigkeit …
(Da stimme ich nicht mit Helga Schubert überein, in beiden Fällen nicht. Das tut aber meinem Gefallen an ihren Texten keinen Abbruch.)
https://www.deutschlandfunkkultur.de/bachmann-preistraegerin-helga-schubert-bis-zuletzt-hat-100.html
Ich glaube, mit zunehmenden Jahren erstarkt die Fähigkeit, über Erlebnisse / Geschichten länger nachzudenken, um sie zu drehen und zu wenden, bis ich möglichst viele Seiten entdeckt habe. Damit aus Wut nichts beschädigt wird, was mit kühlem Kopf noch lange Bestand haben könnte.
Ich laß meine Geschichten in Ruhe, dann drehen und wenden und strecken sie sich ganz alleine …