Manchmal erblindet ein Mensch nur zu einem ganz kleinen Teil.
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Beim Abbiegen stutzt er. Hält an, steigt aus. Eine Frechheit. Das kann doch nicht … Das geht doch nicht? Das ist seine Auffahrt, das sind sechs Meter glatter Weg in seinem Grundstück! Da hat doch niemand einfach so ein besch… uraltes Kinderfahrrad hinzustellen, noch dazu ein so abgeranztes mit Stützrädern? Außerdem: ein Kinderfahrrad, wo er ja nichtmal Kinder hat. Das! Muß! Weg! Augenblicklich weg! Aber Mist, für die Mülltonne ist es zu groß, das alte Ding. Was nun? Hm. Naja, gegenüber am Waldrand neben die Straße stellen. Vielleicht findet sich ja jemand, der den Schrott noch nutzen will oder das Ding zum Schrotthändler bringt. Gibt bestimmt 'nen Euro dafür, denkt er. Und endlich kann er mit seinem Wagen – ja, er nennt sein Auto „Wagen” – in seinen Carport fahren. Steht ja kein dämliches Kinderfahrrad mehr da, das vielleicht den Lack hätte zerkratzen können.
Drinnen wird er von seiner Frau und von seiner Mutter begrüßt. Und dann die Sätze seiner Mutter: „Ich hab beim Aufräumen in Vaters Schuppen Dein Kinderfahrrad gefunden, das Du so innig geliebt hast. Ich dachte, ich bring es her und mache Dir damit eine Freude.” Da erinnert er sich schlagartig. Wie er das Rad selbst als Jugendlicher vor dem Wegwerfen gerettet hatte und sogar die Stützräder wieder anschraubte. Irgendwann hat er die Erinnerung daran verdrängt, verloren. Er schaut aus dem Fenster, über die Straße zum Waldrand. Dort steht kein Kinderfahrrad mehr. Er beschließt zu schweigen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 26.05.2022 die schnelle und ruhige Anfahrt, die aufgebauten Zelte, den (noch andauernden) ruhigen Abend.
Für morgen zog ich die Tageskarte Ritter der Münzen.
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