Es gibt einfach kein gutes, ganz sicheres.
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Wo und wie ihr euch auch verstecken möget, dem Leben entgeht ihr nicht.
Erwin Strittmatter: Geschichten aller Ard(t). Aus Tagebüchern. S. 15
3. Auflage 1983 © Aufbau Verlag Berlin und Weimar 1982, DDR
Lizenznr. 301. 120/51/84 · Bestellnr. 612 783 2
Oder umgangssprachlicher: Vorm Leben kann sich niemand verstecken. — Eine Binsenweisheit notierte Erwin Strittmatter da am 26. Juni 1967. Hat, hatte er Recht mit diesem Satz? Ich kann und muß ihm aus eigenem Erleben heraus zustimmen. Und ich habe bemerkt, daß es auch das Verstellen umfaßt, also die Bemühungen, nicht der zu sein, der ich war und bin. Es stimmt, noch immer stehe ich nicht überall zu meinem Ausweisnamen, zu meiner Ausweispersönlichkeit. Doch lehne ich mich und diesen Namen nicht mehr so vehement ab, wie ich das für etwa zehn Jahre vor etwa zehn Jahren noch tat und dann mit großem Aufwand und therapeutischer Unterstützung beendete.
Allerdings ertappe ich mich hin und wieder dabei, daß ich mich verstelle. Verstelle, aber nicht verstecke, anders zu erscheinen versuche als ich bin. Dafür gibt es verschiedene Gründe (beispielhaft):
- Ich möchte Ablehnung vermeiden.
- Ich möchte Zugehörigkeit vermeiden/verhindern.
- Ich will nicht durchschaubar/berechenbar sein.
Und im Nachhinein bemerke ich zumeist, daß dieses Verstellen nicht nötig gewesen wäre. Wenn ich bin, wie ich bin (und ich bin immer wieder anders, abhängig von Stimmung und Situation), dann sind Begegnungen auch nicht anders als wenn ich mich in diesen verstellt hätte. Allerdings befürchte ich, daß das Verstellen eine ganz normale menschliche Verhaltensweise ist, eine Tarnung, eine Mimikry oder ähnliches. Noch bin ich nicht in der Lage, immer und überall mit offenem Visier aufzutreten, für mich einzutreten. Noch fühle ich mich ohne das schützende (so glaube ich) Verstellen nicht immer und überall wohl.
Verstellen tu ich mich noch, verstecken aber nur noch sehr, sehr selten. Weil es stimmt: Dem Leben bin ich dadurch nie entgangen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 30.10.2021 waren positiv die auf MEZ zurückgestellten Uhren, ein Schwatz mit seit vielen Jahren nicht mehr getroffenen Freunden, einiges in meiner „therapeutischen Biographie” Ergänztes.
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Stäbe (furchtlos und mit Verantwortung neuer Situation stellen).
© 2021 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Was hat es letztendlich für einen Sinn, sich zu verstellen/verstecken?
Drei davon hab ich genannt …
Durch deine Texte verrätst du viel und könntest dadurch Ablehnung erfahren. Tust du aber nicht, zumindest habe ich hier noch keine gesehen oder gelesen.
Mir wäre es, ehrlich gesagt, zu anstrengend mich zu verstellen.
Das hier ist aber auch … Nun, nicht das Leben.
Ein Teil davon, denke ich.
Für dich nicht?
Nun ja, hier war ich schon immer und bin ich Der Emil. (Und nur der.)
Wenn es für dich richtig erscheint, ist es doch okay.
Ein Name ist nur ein Name.
Siehst Du, für mich stimmt das eben nicht.
Ich denke ja, dass es sinnvoll ist, wenn ich mein Visier nicht für jeden und zu jeder Zeit offen halte. Das heißt ja nicht, dass ich mich selbst verleugne oder verstelle. Ich brauche diese Möglichkeit zum Eigenschutz. Manchmal schütze ich auch den anderen, wenn ich nicht alles sage, was ich denke.
Ja, Eigenschutz.
(Und doch bin ich viel zu oft so unzufrieden mit manchem …)
Ich verstelle mich nicht! Für die paar Lebensjahre, die ich noch vielleicht noch habe, ist mir das zu anstrengend. Aber ich verstecke mich! Finde tausend Gründe, nicht rausgehen zu müssen – die Pandemie kam mir da sehr entgegen, oder hat etwas begünstigt, was in mir lauerte. Denn bis kurz davor war ich sehr aktiv. Vielleicht nur blinder Aktionismus? Ich verstecke mich hinter fremden Leben, Leben in Büchern und Serien, die ich auf dem Sofa liegend, lese oder auf dem Tablet streame.
Diese „tausend Gründe, nicht rausgehen zu müssen“ finde ich seit einiger Zeit auch. Und doch: jeden Tag einmal nach draußen muß bei mir sein (klappt aber zur Zeit nur an vier oder fünf Tagen die Woche, was mich unzufrieden macht und mich hadern läßt mit mir).
Ganz froh bin ich, daß ich wieder mehr in Büchern lese und weniger „nur“ am Rechner unerwegs bin.
(Und zum Verstellen und Verstecken: Da habe ich Sofasophia schon für den Schubs gedankt.)
Dieses von dir Verstellen genannte, ist nicht wirklich eine Verstellung. Meine Therapeutin nennt das ‚Formen von Selbstschutz‘. Ich muss nämlich nicht jedem mein Innerstes offenbaren. In einer ersten Phase darf ich durchaus undurchschaubar sein. Es kommt immer auf das Stadium der Beziehung an. Dazu auch auf deine Befindlichkeit und Belastbarkeit. Von daher: Ich finde es gut, wie du das handhabst und reflektierst. Und auch was Strittmatter sagt, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. (In Zeiten von Internet können wir eh noch weniger vorm Leben davonlaufen.)
Ich finde ja, dass du auf einem guten Weg bist, soweit ich das von außen sagen kann/darf.
Ich danke Dir und deiner Therapeutin für diese wesentlich angemessenere Bezeichnung. Ja, Selbstschutz ist es, dieses … Jetzt weiß ich gar nicht mehr, was ich anstatt des „verstellen“ …
Danke.
Ich weiß es natürlich nicht genau, aber ich finde nicht, dass du dich verstellst. Du bist in Ordnung, so wie du bist. Ich habe dich gesehen und weiß das. Dass du nicht alles preisgibst und auch nicht jedem, das ist verständlich und auch gut so.
Ich wünsche dir, dass du mit vielem unbefangen umgehen kannst.
Danke. Mittlerweile ist das ja besser geworden. Aber eben (in meinen Augen) noch nicht gut.
Es bleibt noch genug Potential für weitere Entwicklungen.
Und genau da bist du gut dabei.
Danke nochmal.