Es waren keine weißen Mäuse.
To get a Google translation use this link.
Die Sonne schien, hatte aber nicht mehr die Kraft, die Landschaft zu erwärmen. Selbst auf der Lichtung blieb es kühl, im Wald war es sogar kalt. Kein Frost tagsüber, nein, aber nur grade so kein Frost. Es wollte wohl bald Winter werden. Am Nordrand der Lichtung stand eine Futterkrippe, die wieder zur Überlebenshilfe für die Tiere im Stadtwald werden mußte. Die Kinder in den umliegenden Kindergärten und Schulen hatten wie jedes Jahr Eicheln, Bucheckern und Kastanien gesammelt. Ich sah, wie hie und da große Papiersäcke damit gefüllt wurden. Irgendwann in jenem Jahr holte ich die ab, aus einer Einrichtung nach der anderen. Ab dem ersten Tag, an dem der gefrorene Boden nicht auftaute, brachte ich Futter zur Krippe. Heu, Stroh, und eben die gesammelten Früchte und auch Getreide. Einer der Stadtrandbauern schenkte es mir, weil es für andere Käufer und Zwecke von zu geringer Qualität war. Und so konnte ich den ganzen Winter über zusätzliches und notwendiges Futter geben. Ich sah, wenn ich wie an diesem Tag nur lange genug stillsitzen konnte, die Rehe, die Wildschweine, einige Hasen oder Kaninchen, es kamen Vögel und Eichhörnchen zur Futterkrippe. Es war alles wie in all den Jahren zuvor. Bis ich an diesem einen Tag meinen Augen nicht traute und einen Schimmel am Waldrand sah. Ein Schimmel. Ein großes, weißes Pferd stand da und fraß. Nein, das konnte nicht sein. Das war nicht real. Waren das Phantasiebilder, die von der langen Zeit in der Kälte angeregt wurden? Der kleine Flachmann reichte ganz gewiß nicht aus, um eine Halluzination dieser Größe hervorzurufen. Aber von diesem Tag an blieb ich nicht mehr sitzen, bis die Tiere zum Fressen kamen.
Zwei Tage später las ich im Lokalteil der Zeitung, daß einem Stadtrandbauern ein Schimmel ausgebrochen war und für zwei Tage unauffindbar gewesen sei. Genau jenem Bauern, der mir das Getreide geschenkt hatte. Ich hatte bei ihm noch nie, ich schwöre: noch nie! Pferde gesehen. Sonst hätte ich doch gleich, sofort, noch von der Lichtung aus …
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 29.10.2021 waren positiv ein Anruf zur Mittagszeit, eine geklärte Schuldlosigkeit, Chinesisch mit Stäbchen am Abend.
Die Tageskarte für morgen ist XVII – Der Stern (die Früchte der Arbeit genießen und den aktuellen Gefühlen freien Lauf lassen).
© 2021 – Der Emil. Text & Bilder unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Eine schöne Geschichte Emil, die zum Weiterspinnen anregt.
Wäre eigentlich eine für dein Adventskalender. 😉
Ich hoffe, daß es dafür noch genug Geschichten geben wird.
Ganz bestimmt, freue mich schon darauf. 🙂