(Un-)Wahre Geschichten.
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Es ging in einem Gespräch am heutigen Nachmittag um wahre und unwahre Geschichten. Einhellig waren wir der Meinung, daß sich notorische Lügner irgenwann zwangsläufig im Geflecht ihrer Lügen verlieren, den Überblick über ihre Lügen verlieren und sich dann beinahe zwangsläufig auch als Lügner enttarnen müssen.
Nun sind geschriebene unwahre Geschichten etwas anderes. Wieder stimmten unsere Meinungen überein, daß solche “literarische Lügen” immer dann, wenn sie nicht zu (science) fiction und oder fantasy gehören, so leicht nicht zu enttarnen, zu erkennen sind. Mein Gesprächspartner war der Meinung, daß sie höchstens an der geschliffeneren Sprache, ich hingegen, daß sie nicht von wahren Geschichten zu unterscheiden seien. Denn wenn ich eine gute, aber unwahre Geschichte schreibe, dann – Achtung, ein Geständnis – schreibe ich sie so, als seien sie wahr, tatsächlich erlebt von mir und mir geschehen. Sie sollten sich also nicht von den wahren Geschichten oder von meinen Phantasien unterscheiden.
Sie tun es trotzdem, unterscheiden sich zumindest in der von mir beobachtbaren Resonanz, im Feedback, in den erkennbaren Reaktionen. Mehr als das Eingeständnis eines erkennbaren Unterschiedes aber verrate ich nicht, insbesondere nicht dessen Art. Und diese Unterschiede gibt es nicht nur hier in diesem Blog. Sondern auch draußen im realen Leben, wenn meine Geschichten dort, außerhalb des Internets, auftauchen und gelesen oder gehört werden. Das ist die überraschendste Tatsache gewesen.
Meine unwahren Geschichten aber werden auch in Zukunft so von mir geschrieben, daß sie tatsächlich (fast/ganz) genau so überall geschehen sein könnten oder geschehen können. Ist das Betrug an der Leserin, am Leser und an den Lesenden hier im Blog?
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 03.05.2018 waren die fertige Sendung, die Aufklärung eines Mißverständnisses, Bratwürste.
Die Tageskarte für morgen ist XIX – Die Sonne.
© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


NEIN – ist es definitiv nicht – und ich hoffe, dass dieses Recht Dir/Uns allen, die schreiben, nicht genommen werden wird!
Nein, ich finde nicht, dass es Betrug ist. Ich würde es nur Betrug finden, wenn du alles als wahr ausgeben würdest.
Dazu müsste man Wahrheit absolut definieren können. Da sie aber relativ ist, halte ich mich an Begriffe wie wirklich und so. Fiktion ist für mich durchaus auch wirklich. Und nicht Lüge sondern Möglichkeit. So irgendwie.
Ja! Genau das!
Danke.
Du thematisierst das immer wieder. Der Emil, ein Erfundener, der sich nicht entscheiden kann, was er sein will: schlauer als alle anderen, oder verstanden. Aber beides geht nicht.
Der von zwei Möglichen Übriggebliebene … Der Wahrscheinlichere … Der Entpuppte …
Ja, ich thematisiere das immer wieder, und das Gespräch heute Nachmittag war sehr angenehm.
Ah, und da fällt mir noch eine Frage ein: Bin ich der, der ich in meinem Herz und Kopf bin, oder der, der von außen gesehen wird?
Wir alle sind in beider Hinsicht sowohl wie Wasser, das um Steine fliesst, als auch die Steine selbst, denke ich.
Ich denke nicht das es Betrug ist. Meist erkenne ich eine Fiktion.
Bei mir hat letztens eine Bloggerin erleichtert aufgeatmet als sie am Ende gelesen hat das der Beitrag auf H&V nur fiktiv geschrieben war. Ich schreibe es immer hinzu. Ich will mit den Lesern nicht nur darüber schreiben ob etwas fiktiv ist, sondern die Gedanken zu dem bestimmten Beitrag selbst. Jeder macht es anders und das ist völlig in Ordnung so.
Ich finde deine Gedankenwelt immer recht interessant.