Ausmisten (Nº 280)

Eine besondere Art der Vergangenheitsbewältigung

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Vielleicht sollte ich heute nur auf den gewesenen Feiertag hinweisen? Warum wurde denn der 7. Oktober nicht zum Feiertag gemacht, an dem die sogenannte Einheit gefeiert wird? Oder soll ich mich nicht an 27 Jahre meines Lebens erinnern, die ich in der DDR lebte?

Ach, darüber schreibe ich heute nicht.

Aber auch die anderen Artikel, an denen ich mich zur Zeit abmühe, kommen gerade nicht recht voran. Für den nächsten Halleschen Brunnen muß ich noch Bilder auswählen und bearbeiten – und das aufgenommene Video müßte ich um 90° drehen. Zumindest dafür fehlt mir einfach die Software. Dann liegt hier noch ein Text zur Psychofabulozoologie, eigentlich sind es sogar zwei. Um daran arbeiten zu können, brauche ich eine entsprechende Stimmung, in die ich gerade nicht komme.

Da hinten, dort, auf dem “kleinen” Stapel von Kladden und Zetteln liegen noch immer Fragmente von “Romanen, Novellen, Erzählungen und Feullitons”, von Fotoberichten und thematischen Fotogalerien. Was ist das hier zum Beispiel? “Wolkentiere”, zu denen ich keine Bilder machen konnte oder gemacht habe – die liegen seit zwei Jahren da. Ach was: weg damit. In diese Sprache finde ich mich nicht wieder hinein, obwohl ich das geschrieben habe. Nein, ich hole den zerrissenen und zerknüllten Zettel nicht wieder aus dem Papierkorb.

Zu meinen Pilzsammeltouren wollte ich auch noch schreiben. Zweimal war ich noch unterwegs. Beide Male fand ich keinen einzigen mir bekannten eßbaren Pilz. Soll ich wirklich über meine Mißerfolge und Fehlschläge texten? Nein, deshalb wird auch der Zettel mit dieser Idee entsorgt. Was war das denn, was heißt das hier? “Seelenwanderung – auf und ab? Hin und her?” Meine Güte, was wollte ich mir denn damit sagen?

Da. Noch ein unverständlicher Zettel und noch einer. Ein Kassenzettel von Deichmann – der hat auf diesem Haufen überhaupt nichts verloren! Ab zu den anderen Kassenzetteln damit, in das Jahr 2008, das es nichtmehr gibt, weil es schon zu lange her ist. Also auch in den Papierkorb. Und hier? Ein Vokabelheft. Einzelne Worte, immer schön mit Linien verbunden. Nur weiß ich nicht, wie “Schuster” und “Senfsaat” und “Weimar” zusammenpassen, bzw. ich weiß es nichtmehr.

Noch so ein Relikt aus der Vergangenheit. Ein Buch in DIN A4, kariert, mit über einhundert durchnumerierten Seiten. Darin hatte ich begonnen, Fotoprojekte zu planen und über ihre Umsetzung zu berichten. Hm, das hebe ich mir noch auf; es könnte ja geschehen, daß ich davon noch das eine oder andere umsetzen mag. Siehe da: Über Hallesche Brunnen hatte ich schon 1999 nachgedacht, sogar ziemlich gründlich. Das ist doch etwas womit ich arbeiten kann.

Na gut. Den Stapel dieser seltsamen Postkarten aus den C∗t∗-Card-Aufstellern gebe ich komplett ins Altpapier. Wenn ich erst anfange, mir die Karten einzeln anzusehen, werde ich nie fertig damit. Dann möchte ich sehr wahrscheinlich eine ganze Anzahl davonaufheben, ich könnte sie ja als Ideengeber für meine Blogs noch brauchen. Nein, nicht ansehen, so wie sie sind in die Altpapierkiste damit.

Ich glaube, das reicht jetzt. Für heute habe ich genug weggeworfen. All die alten Zeitschriften und sonstigen Zettel und Papiere füllen eine ganze Klappkiste bis obenhin. Ich bin mir sicher, daß ich eine c’t von 2002 nie wieder besitzen muß. Wenn ich sie lesen mag, dann finde ich sie in Bibliotheken.

Es war ganz gut, einmal herumzukramen. Denn ich habe auch etwas gefunden, was ich wieder benutzen möchte, genau so, wie ich sie schonmal hatte: meine Visitenkarten. Über der ganzen Sucherei habe ich beinahe vergessen, einen Blogtext zu verfassen – dann nehm‘ ich eben gleich diesen hier.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 6. Oktober 2013 waren die gefundenen Visitenkarten und die Gewißheit, daß ich heute abend wieder Fernsehgerät habe.

© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Ausmisten (Nº 280)

  1. twilight sagt:

    Was ist denn ‚Psychofabulozoologie‘?

  2. Elvira sagt:

    Erst kommt das Einnisten, dann das Ausmisten 😉 Und dann entsteht so scheinbar leichthändig auch noch ein Blogbeitrag. Gut gemacht!

  3. nextkabinett sagt:

    Gut gemacht! Weg mit den Altpapierlasten. Raum für Neues schaffen. Bei mir steht das mit zwei Stapeln auf meinem Schreibtisch auch noch an. Wie Elvira sagt, ein „scheinbar leichthändiger Blogbeitrag“.

  4. Gudrun sagt:

    Manchmal ist es gar nicht so schlecht, sich von Unausgegorenem zu trennen. Und manchmal macht man es ein zweites Mal und dann findet man es besser.
    Wieso aber ist es ein Mißerfolg oder ein Fehlschlag, weil du keinen Pilz gefunden hast?

  5. Gabi sagt:

    Manchmal ist es echt gut „alten Ballast“ abzuwerfen. Wäre hier (bei mir) auch schon längst mal fällig.
    LG Gabi

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