Mein Schreibraum (Nº 235)

Ein Zimmer nur fürs Schreiben (und Kritzeln und Bildbearbeiten usw.)

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Gestern dachte ich über meine “Arbeitsumgebung” nach. Angeregt durch einen Text von Caroline, in dem sie über ihr Spielzimmer sinniert. Und dort sagt sie genau das, was ich auch spüre, umsetze, brauche: “… elementar ist das Nichtsehenkönnen von Arbeit in jeglicher Form.” Aus meinem begonnenen Kommentar wuchs in meinem Kopf plötzlich etwas größeres und ich nahm den Stift und die Kladde:

 

Zum Schreiben brauche ich entweder die Bewegung in der Straßenbahn (dort entstanden bisher die meisten meiner Texte, zumindest ihre Grundzüge). Oder einen recht leeren, hellen Raum ohne bunte Ablenkung. Allerdings kann ich mir den überall schaffen, die Umgebung ausblenden, in meinem Kopf alles mit weißen Tapeten abhängen, den Scheibtisch (der in Wirklichkeit sehr, sehr chaotisch aussieht) völlig leer sehen. Spartanisch ist die von mir für mich in meinem Kopf geschaffene Schreibumwelt …

Den Menschen um mich herum erscheine ich dann abwesend, bin es ja auch. Ich existiere dann nicht mehr in der Realität. Mein Ich ist in meinen virtuellen Schreibraum verschwunden, kennt nur noch sich selbst, die Kladde / das Papier, den Stift. Aber ist er das überhaupt, mein Schreibraum: virtuell? Er existiert nicht “nur im Internet”, er ist nicht “von einem Computer simuliert”, er ist: von unwirklicher, nicht tatsächlicher, scheinbarer, täuschender Form, eine von mir für mich geschaffene Illusion. Also doch virtuell.

Aber mehr im Stil der Virtual Reality oder Mixed Reality. Der passendste Begriff für meinen imaginierten Schreibraum ist vielleicht “augmented virtuality” die im Wikipedia-Artikel zur augmented reality(Erweiterte, Unterstützte Wirklichkeit) erwähnt wird. Nur, daß ich keinen Computer benötige, keine besonderen Ausgabegräte und nichts. Mein Bewußtsein und meine Phantasie schaffen mir den stillen, weißen Raum ohne Ablenkung, während meine Sinne trotzdem noch in der Lage sind, Reize aus der Umwelt zu bemerken. Ganz ohne Hintergrund, in absoluter Stille gelingt es mir nur schwer, mir diesen Raum zu schaffen …

Da fällt mir auf, daß ich neuerdings auch viel direkt an meinem Netbook produziere. Ja, weil ich das eben überall mit hinnehmen kann, fällt der erste meiner Arbeitsschritte immer öfter weg. Eigentlich schade, weil dadurch die papierne Dokumentation meines Schreibens löcherig wird. Die Archivierung auf lange Zeit geht dadurch zumindest in meiner Vorstellung verloren. Das Abschreiben vom Papier in den Computer war und ist notwendig, um bloggen zu können. Aber vom Computer schreibe ich doch nichts mehr aufs Papier ab … (Ist das schlecht? Ist das gut? Darüber denke ich ein andermal nach.) So verändert sich mein Arbeiten und mein Leben von mir immer wieder (und um das zu bemerken, muß mich etwas darauf aufmrksam machen).

Um diesen Artikel zu verfassen, habe ich mich in meinen inneren, in den imaginierten Schreibraum zurückgezogen. Es herrscht hier drin eine himmlische Ruhe, während meine Ohren noch immer die Geräusche aus dem Radio registrieren (aber eben nicht hören oder wahrnehmen). Es ist hier drin beinahe alles weiß, als schwebte ich mitten in einem weißen Rauschen. Die Augen waren und sind in der Kladde verhaftet, der Stift huscht übers Papier. Die Verlinkungen habe ich auf meine spezielle Art gekennzeichnet, ich werde sie beim Abtippen einarbeiten. Ebenso wie die Erklärungen, die ich in Wikipedia noch nachlesen muß und dann kursiv kennzeichne, damit das einmal für die Lererinnen und Leser nachvollziehbar wird.

 

Ich glaube, ich bin vom Thema “Schreibraum” ziemlich oft abgekommen. Aber es scheint zu passen.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. August 2013 war mal wieder die geschaffte Hausarbeit – manchmal ist das ein beinahe nicht zu bewältigendes “Problem”.

© 2013 – Der Emil. Eigener Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Mein Schreibraum (Nº 235)

  1. Sofasophia sagt:

    das heisst, du brauchst die außenreize, um sie ausblenden zu können, während dich hingegen ein „fertiger leerer raum“ eher irritiert? faszinierender ansatz.
    wir lernen das ausblenden wohl oder übel, sonst könnten wir in dieser lärmigen zeit ja gar nicht konzentriert arbeiten/kunstschaffen.

    ich arbeite am liebsten in einer möglichst reizarmen umgebung, weil es auch dort noch immer viel auszublenden gibt. als HSP (hochsensible Person) habe ich ja das „problem“, dass ich von außenreizen buchstäblich überflutet werde. und manchmal muss ich auch und vor allem mich selbst ausblenden (meine eigene ruhelosigkeit).
    ich frage mich, ob sich ein/e künstler/in(seele) vor allem dadurch auszeichnet, wie hoch ihr mass an phantasie ist, um für sich die arbeitsumgebung zu optimieren … *lach*

    deine gedanken nehm ich mal mit in meinen freien tag (seit langem der erste tag ohne „äussere“ to-dos. heute „muss“ ich nur tun, was ich „will“).
    herzlich, soso

    • Der Emil sagt:

      Ja, ich brauche Außenreize. WIe Wellen, auf denen ich mich davontreiben lassen kann, wie Meeresrauschen … Schon als Kind bin ich beim Lesen komplett im Buch verschwunden und habe auf Ansprache kaum reagiert (ist heut noch so). Ja und das geht beim Selberschreiben auch so.

      Zumindest muß das Maß an Phantasie so hoch sein, daß „etwas“ geschaffen werden kann:optimierte (imaginierte) Arbeitsumgebung und/ oder Kunst 😉

  2. christA sagt:

    Mein Schreibraum ist dort, wo ich mit Stift und Papier und meinem Denken sitze. Radio hören nebenbei, U-Bahn, Café… ist dabei nichts für mich.

  3. Frau Blau sagt:

    lieber Emil,

    gerade denke ich darüber nach, wie das eigentlich bei mir ist – ich kenne wohl beides, aber ich gebe zu, dass ich am besten in Bewegung denken und schreiben kann- sprich auf Reisen im Zug oder mit dem Schiff … beim Autofahren muss ich mich sehr konzentrieren, damit das Gedachte nicht verloren geht , dann beginne ich das Gedachte monoton zu wiederholen, ist eine interessante Übung-
    was ich aber auch kenne, ist dieses Ausschalten von allem, was drumrum ist, mir hat die Formulierung des weißen Raums sehr gut gefallen, das trifft es – danke und guats Nächtle für heute

    herzlichst Ulli

  4. Lieber Emil,
    ich habe das schon von vielen Menschen gehört, dass sie sich vor allem in der Bewegung, sei es flanierend oder in der Straßenbahn etc. zum Schreiben inspiriert fühlen. Auch dm geht es da ganz ähnlich wie Dir.
    Für mich ist das beinah unvorstellbar. Zu viele Reize (ähnlich, wie Soso es beschrieb) stören dann meine Gedanken und lenken mich ab. Allerdings mag ich es sehr, unterwegs zu sein, und/um dabei Beobachtungen zu machen, die ich später in ruhiger Umgebung am Schreibtisch schreibend umzusetzen versuche.
    Spannend allemal, was Du schreibst, und wie gut mir das gefällt, wie unterschiedlich Menschen sind. Immer wieder.

    LG mb

  5. In einer unruhigen Umgebung nehme ich einiges an Inspiration wahr, oft die verrücktesten Gedankengänge. Um das alles behalten zu können, trage ich ein kleines Notizbüchlein mit und beim Autofahren ein Aufnahmegerät (habe es aber noch immer so weit geschafft, dass ich es bis zum nächsten Stift geschafft habe). Zum Schreiben selbst aber brauche ich Ruhe, zumindest meistens. Neuerdings kann ich auch ganz gut mit Musik über Ohrstöpsel schreiben, wenn die Richtung stimmt. Es bleibt jedoch jedem selbst überlassen, in welcher Umgebung er sich kreativ austoben kann und dazu gehört einiges an ausprobieren. Was aber nicht heißt, dass es dann dabei bleibt.
    Künstler sind halt eigen, aber dafür geht´s ihnen gut 😉
    Alles Liebe Caroline

  6. Gabi sagt:

    Ich lasse mich leider oft zu leicht ablenken, bei allem, wo ich nachdenken oder mich konzentrieren muss. Am meisten, wenn auch noch andere Personen im Raum sind. Das war früher nicht so und wurde im Laufe der Jahre ärger. Warum, weiß ich nicht. (das Alter?). Darum geht schreiben am besten, wenn ich alleine bin. Denke ich jedoch über etwas diesbezüglich nach, stehe ich dazwischen oft auf und gehe im Zimmer auf und ab.
    Aber ich schreibe ja meist sowieso nicht sehr tiefsinnige Texte. Aber trotzdem tu ich mir oft schwer, beim konzentrieren.
    LG Gabi

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