Zwei Künstler müssen nun verhungern (Nº 234)


Meiner Eitelkeit wegen

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Ich weiß, mensch soll seine Arbeit nicht an Unternehmen verschenken. Und trotzdem tat ich es gestern.

In den Suchbegriffen tauchen immer wieder “Buckelkäfer” oder “Hilfe Käfer” auf. Es gibt nur wenige Tage, an denen mein Artikel vom 28. Mai 2011 nicht aufgerufen wird, seit Erscheinen wurde er (bis 2013-08-21, 23.50 Uhr) 611 mal angesehen, im letzten Quartal steht er mit 240 Zugriffen hinter der Startseite auf Rang zwei. Er in der #oneaday-Aktion bisher auch der am zweithäufigsten angsehene Beitrag.

Gestern wurde ich von einem Öffentlich-Rechtlichen Sender gefragt, ob ich ihnen die Nutzungsrechte für das letzte Bild, auf dem der Käfer neben einem Streichholz zu sehen ist, unentgeltlich gewähren kann. Normalerweise stehen meine Bilder und Texte unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz: Attribution, NonCommercial, NoDerivs. Das heißt, jeder darf sie nutzen, wenn er mich als Urheber nennt, sie nicht kommerziell (also mit Gewinnerzielungsabsicht z. B. oder als Unternehmen) nutzt, sie nicht verändert – und jeder darf sie auch weitergeben. Nur muß immer auch die Lizenzbedingung dazu genannt werden.

Da nun aber ein Unternehmen …

Reichlich 30 min dachte ich darüber nach, dann rief ich dort an. Gut, die vorgesehene Nutzung ist mir recht. Und ich muß ja nicht Geld verdienen mit meinen Texten und Bildern, will das auch nicht. Aber ich weiß sehr gut, daß ich die Preise für die freischaffenden Künstler oder Bildjournalisten damit ein wenig ruiniert habe. Für ein paar Tage erhöhte Aufmerksamkeit. Jetzt werden mindestens zwei Fotokünstler am Hungertuch nagen müssen (ich weiß auch, daß das übertrieben ist), vielleicht sogar Hungers sterben.

Weil ich eitel genug bin, mich mit der Nennung meines Namens auf der Website einer Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalt zufriedenzugeben.

Asche auf mein Haupt.

Der Sender darf mein Bild wie vorgesehen nutzen, ohne mir ein entsprechendes Entgelt dafür zu zahlen. Schließlich hat er auch einen Bildungs- und Informationsauftrag. Er ist keine CC-Lizenz, eine Weitergabe ist also ausgeschlossen. Das wahrscheinlich übliche Honorar von etwa 30 € für eine dreimonatige Nutzung oder ca. 50 € für ein halbes Jahr steht in keinem Verhältnis zum bürokratischen Aufwand, der für mich damit verbunden wäre.

Und nun bin ich gespannt, ob ich mein Bild bei Bayern 1 find. Und wie ich mein schlechtes Gewissen besänftigen werde.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 21. August 2013 waren die gekitzelte Eitelkeit und wirklich nette Gesprächspartner.

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© 2013 – Der Emil. Nein, diesmal keine Creative-Commons-Lizenz.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Antworten zu Zwei Künstler müssen nun verhungern (Nº 234)

  1. Lieber Emil. Ich finde das man schon Geld nehmen sollte für seine Arbeit.. Auch wenn es dir Spaß macht. Und erst recht wenn damit Geld verdient wird. Diese Einstellung von Firmen es gibt auch Leute dies umsonst machen, finde ich nicht gut. Aber ich kann dich auch verstehen.
    Lieber Grüße Steff

    • Der Emil sagt:

      Verdient ein ÖR-Sender wirklich Geld? Wozu dann noch dieses Rundfunkbeitragsmonstrum, weiland GEZ? — Die Anfrage war auch ganz – naja, neckisch, liebreizend?

      Ach, ich bin ja selbst nicht ganz zufrieden mit meiner Entscheidung …

  2. irgendlink sagt:

    Hmmm. Der bürokratische Aufwand. Da hast Du allerdings recht. Ich hatte kürzlich auch Bilder überlassen. An eine Hallensische Grafikerin, die ein Plakat und Flyer für die Universität gestalten wollte. Kurz danach ist mir eine Preisliste für Bildjournalismus in die Hände geraten. Huiuiui. Da schlackern einem die Ohren.

    • Der Emil sagt:

      Die ganz großen haben Leser-/Zuschauerreporter und zahlen hauseigene „übliche“ Honorare an Journalisten/Künstler (die nicht die Höhe der MFM-Liste erreichen – Auszuge dort).

      Ich bin – naja, s.o.

      • irgendlink sagt:

        Ein sehr interessanter Link. Wir wären reich!! Hab übrigens geschaut, was die Designerin mit den Bildern angestellt hat: sie hat nur eins verwendet. Und es wirklich klasse gemacht – die Veränderung hätte ich nicht erkannt. http://www.germanistik.uni-halle.de/im/1375204938_292_00_200.jpg

        • Der Emil sagt:

          Ha, den Flyer hab ich hier zuhause rumliegen – ich tüte ihn ein und schick ihn Dir!

          • irgendlink sagt:

            Ha, klasse. Die Verhandlungen waren übrigens an dem Tag, an dem Du Deinen neuen PC gekriegt hattest – ich hatte nämlich – weil ich dachte, das ist vielleicht eine größere Werbeagentur, gefragt, ob sie abgeschriebene Laptops zu vergeben haben als Bezahlung :-). Aber die Frau ist Einzelperson und muss sich sicher mit weit unterbezahlten Aufträgen rumschlagen. Ich war dann erleichtert, dass Du den PC von anderweitig gekriegt hast.

  3. edithwally sagt:

    So wie du es schon ausgesprochen hast…auf der einen Seite nimmst du den Künstlern das Brot und auf der anderen möchtest du glänzen. Nun…das glänzen war dir wichtiger und auch da ist nicht schlimmes zu erkennen, oder?
    lg Wally

    • Der Emil sagt:

      Es bleibt trotzdem ein schales Gefühl … das ist alles so zwiespältig! Glänzen – nein, glänzen ist auch der falsche Ausdruck …

  4. christA sagt:

    Lieber Emil, ich bekomme Deine Beiträge übrigens immer per Email und lese sie dort, weil ich mich anfangs dafür eingetragen habe. Nicht immer rufe ich sie dann noch einmal auf, erscheine deshalb wohl gar nicht in der Statistik.

    Zur Anfrage des Senders: z.B. sind sämtliche Fotostrecken zu verschiedenen Themen des Berliner Tagesspiegels online zum Großteil mit unbezahlten Leserfotos bestückt. Manche werden auch in die Printausgaben übernommen, mit Namensnennung. Und viele andere Blätter lassen sich Fotos von Lesern schicken, u.a. auch die ZEIT. Es ist eine allgemein übliche Praxis geworden.

  5. Du brauchst doch kein schlechtes Gewissen zu haben, lieber Emil!

    Da gab es eine Möglichkeit, die Du ohne Rechtsbruch nutzen konntest und Du hast es getan. Ich sehe darin kein Potential für ein schlechtes Gewissen, absolut nicht!

  6. Der Emil sagt:

    Ah ja, ich habe mich gefunden 😉

    Käfer befallen Wohnung – Ich bin froh, daß es bei mir nur einer war.

  7. 😉

    mb

  8. christA sagt:

    Über „ob das richtig ist“ läßt sich nicht mehr viel nachdenken. Es hat sich in die Praxis eingeschlichen.

  9. Frau Momo sagt:

    Ich bestehe immer auf die Nennung meines Namens. Das hat mit Eitelkeit nur bedingt was zu tun. Ich möchte nämlich auch vermeiden, das ich selber dann abgemahnt werden kann, wenn ich mein eigenes Bild veröffentliche. Alles schon dagewesen und deswegen bestehe ich immer auf ein Copyrighthinweis. Meine Bilder gehen auch gelegentlich kostenfrei an Kleinkünstler, die Obdachlosenzeitung oder andere, die kein Geld haben, dafür was zu bezahlen. Wenn allerdings der NDR oder das Abendblatt ein Bild haben wollten, dann nur gegen Kohle. Schon aus Prinzip.

  10. Gabi sagt:

    Das hat nichts mit Eitelkeit nichts zu tun. Du hast ein Foto gemacht und jemand anderer kann es gebrauchen. Also warum nicht den Namen nennen.
    Aber wenn ich den link zu BR anklicke, lese ich beim Foto nirgends Deinen Namen.
    LG Gabi

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