251.2026: Sieben Jahre später

Etwas Vermißtes ist zu mir zurückgekehrt.

 

Im Herbst des Jahres 2019 lud ich an einem Sonntagabend mein Zeug aus dem Vereinstransporter. Beim Hochbringen ließ ich meinen Stecken, den ich als #MarktMönch #BruderEmil nutzte, neben dem Fahrstuhl im Erdgeschoß stehen. Klar bemerkte ich das – aber zu spät. Als ich wieder hinunterfuhr, war der Stecken weg. Oh ja, dass war schade, ein Verlust, den ich nicht so leicht verschmerzte. Hatte ich ihn doch mit dem Lötkolben verziert am oberen Ende, und das war nicht so schnell erledigt. Leider tauchte mein „Hirtenstab” nicht wieder auf. Und ich hatte und habe ja noch drei Ersatzstöcke zuhause, von denen einer, der passend zu meiner rechten Hand gewachsen war, mich seitdem auf den Märkten begleitete.

Mittlerweile hatte ich mich mit dem Verlust abgefunden und wünschte den Findern viel Vergnügen mit meinem Requisit.

Heute nachmittag mußte ich doch noch aus dem Haus; ich brauchte Milch und etwas Obst und Gemüse. Ich bog um die Hausecke und blieb fast wie angewurzelt stehen. Neben den Mülltonnen standen zwei Stühle, ein Bistrotisch, ein Wäschekorb. Und inmitten des Stillebens lag: mein Stecken. Eindeutig. Das E, das keltische Kreuz, die stilisierte Jakobsmuschel – alles eigenhändig mit dem Lötkolben hineingebrannt. Sieben Jahre sah ich ihn nicht. Und seinem Zustand nach stak er in dieser Zeit in einem Blumenkübel: Die unteren 15 cm sind leicht angerottet, verfärbt. Ehe ich einkaufen ging, nahm ich meinen Stecken, meinen Hirtenstab an mich und brachte ihn nach oben. Nach sieben Jahren ist er zu mir zurückgekehrt.

Da steht er jetzt im Flur. Nach sieben Jahren. Ich überlege, ob sich das untere Ende „retten” läßt oder ob ich es einfach abschneide. Auch danach wäre er noch lang genug für mich, nur könnte ich ihn nicht mehr in Kopfhöhe mit der Hand halten. Ein Bild von ihm? Nein, erst wenn ich mich um ihn gekümmert habe. Also um sein unteres Ende. Aber ein Wunder ist es dennoch für mich, daß er nach sieben Jahren wieder bei mir ist.

 

Erinnerung des Tages:
Sogar zwei davon sind heute erwähnenswert: Eigene Texte aus den Jahren 2012/13 und die Erlebnisse um meinen Hirtenstab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 17.10.2026 drei Stunden Vormittagsschlaf, acht Gigabyte zusammengesuchte Daten, mein zurückgekehrter Stecken.


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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 251.2026: Sieben Jahre später

  1. Nati sagt:

    Das ist ja schön, so etwas passiert nicht alle Tage.

  2. oemmes sagt:

    @deremil

    Wie Du da so positiv rangehst.

    Ich hätte ja versucht herauszufinden wer meinen Stecken stahl.

    Aber naja, möglicherweise ging die Person davon aus, dass er 'übrig' war und hat sich jeden Tag an den Verzierungen erfreut.

    • Der Emil sagt:

      Nun, hier im Haus ists üblich, noch brauchbares „ins Haus zu stellen”. Und wahrscheinlich erfüllte mein Stab eine Aufgabe, die er bei mir nicht hatte.

      Natürlich war ich angesäuert, als er grad verschwunden war, doch mit der Zeit übernahm „den hat jemand dringend benötigt”.

  3. Hiraeth sagt:

    Das ist ja ein schönes Wiedersehen, das freut mich für dich. Ich freue mich auch auf das Bild.

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