Unbeabsichtigt belauschtes Dilemma mit gutem Ausgang.
„Jetzt aber mal Butter bei die Fische!” „Wozu? Ist doch alles klar wie Kloßbrühe!”
Ich habe mich gerade an den Tisch direkt daneben gesetzt und außer diesen beiden Sätzen nichts von dem geführten Gespräch gehört. Über was wurde da gestritten, gesprochen, diskutiert? Die zwei Menschen sehen beide unzufrieden aus; die eine Person hat keine Antwort bekommen und die andere etwas schon viel zu oft zu erklären versucht. Doch sie sprechen beide dieselbe Sprache, sollten sich demnach verstehen können? Meine Gedanken schweifen vom Geschehen im Café ab. Denn früher erlebte ich das auch, dieses Nichtverstehen, Aneinandervorbeireden. Nicht nur, wenn es um Gefühle ging, sondern auch bei ganz handfesten Versuchen, etwas gemeinsam zu entscheiden. Ich schaffte es nur selten, meine Beweggründe für mein Gegenüber nachvollziehbar zu machen. Sie und ich, wir hatten damals einen Versuch des Zusammenlebens gestartet, kamen aber aus ganz unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten. Da trafen z. B. ihre reichen Eltern und wenig Beziehung auf meine normalverdienenden und viel familiären Halt. Noch dazu konnte ich ihre Probleme nur selten als Problem wahrnehmen – umgekehrt war es wohl auch so. Und nach einer Diskussion, bei der wieder nichts herauskam, die mit zwei Floskeln endete, endete auch unser Zusammenleben.
Kommunikationsschwierigkeiten. Zwischen Lebenspartnern. Das ist alltäglich allgegenwärtig, denke ich mir, und werde unterbrochen vom gerade servierten Milchkaffee. Gedankenverloren beginne ich, ihn zu rühren. Am Nebentisch wird gezahlt. Und es fällt der Satz, der mich für diese beiden Menschen hoffen läßt: „Na gut, dann getrennte Schlafzimmer, aber mit großen Betten …”
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Getrennte Schlafzimmer, aber große Betten – das klingt sehr gut, wäre für mich und den besten Ex der Welt auch eine Option gewesen, vielleicht wären wir dann länger zusammengeblieben.