081.2026: Mittagsschlaf

Der sollte öfter unter freiem Himmel gemacht werden.

 

 

Da steht diese Bank. Diese grüne Bank. Ich sehe sie fast jeden Tag, wenn ich den Weg ins Büro etwas abkürze. Oder: Den Weg vom Büro nach Hause.

Es ist der Südfriedhof, über den ich schneller heimkomme. Durch das kleine Tor hinten auf den Hauptweg, dann nach links am Brunnen vorbei. Die große Kastanie und die alte Linde – sie stehen an meinem Weg zum Haupteingang. Kurz danach finde ich die Bank. Die, auf der regelmäßig ein Mensch liegt und schläft. Und schnarcht. Friedliches Bild, oder?

Letzhin ging ich vorbei und hörte nichts. Dann kehrte ich um und rüttelte die Person. Weiter Stille. Aber Puls war noch da. Weil ich nicht genau wußte, was ich hätte tun können, rief ich die SMH (Schnelle Medizinische Hilfe, heute RTW und NAW, die über die Feuerwehr alarmiert und angefordert werden können). Nach gerade acht Minuten waren sie vor Ort. Unterkühlt, Puls und Atmung noch in Ordnung. Aufwecken konnten sie die Person aber nicht. Also Klinikum. Ich fuhr mit dem Linienbus hinterher. Und kam an, als sich die Augen gerade wieder öffneten.

Das Alter sei es, das den Menschen dahinrafft mit 58 Jahren, wurde mir mühvoll mit kratzender Stimme mitgeteilt. Und da stand ich neben dem Krankenbett, dachte über meine fünf Jahre mehr nach und lachte still vor mich hin. Hach, diese Jugend …

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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Über Der Emil

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