042.2026: Handarbeit

Für viele „völlig altmodisch und überflüssig”.

 

Letzthin kaufte ich wieder 1 kg Kaffee, ungemahlen, ganze Bohnen. Weil der wirklich preisgünstig war – und meine Lieblingssorte ist es auch. Heute vormittag fing ich an, den zu mahlen. Mit einer der altmodischen Handkaffeemühlen, ohne Strom, nur mit Muskelkraft. Und die braucht es nicht zur zum Drehen der Kurbel, sondern auch zum Festhalten des Gerätes. Das geht durchaus auf die Arme.

Warum ich das mache? Weil ich es kann! Weil mir manche archaische Methode der Hausarbeit gefällt. Wie das Kaffeemahlen, das Bügeln, das Brotschneiden (mit einem scharfen Messer, nicht mit diesen Sägedingern) u.v.a.m. Da merke ich, was an Arbeit notwendig war (oder ist), um etwas zu erreichen, das mit modernen Hilfsmitteln fast mühelos möglich ist. Da finde ich wieder einen Maßstab für den Wert einer Arbeit, ihrer Ergebnisse, den – so glaube ich – viele nicht mehr haben (können, siehe Heizen mit Holz- und Kohleofen). Ich wog sogar nach, wieviel Kaffee ich mahlte: pro Müh­len­füllung im Durchschnitt 50 g. Und für die heute gemahlenen 250 g benötigte ich etwa 90 Minuten (ja, richtig: eine anderthalbe Stunde, davon aber etwa 30 min Pause und Nebentätigkeiten). Wahrscheinlich bekomme ich wieder Musklekater wie beim letzten Mal, vor allem in den Oberarmen. Dabei wechselte ich ziemlich oft zwischen rechts- und linkshändiger Bedienung; hätte ich das nicht getan, hätte ich wohl eher aufgehört mit dem Kurbeln. Und für 50 g braucht es mit dieser Mühle um die 600 Umdrehungen (Ich habe gezählt!) der Kurbel – damit habe ich in den 90 Minuten 3000 mal daran gedreht (das heißt: etwa 50 Umdrehungen pro Minute geschafft während der reinen Mahlerei, was in meinen Augen nicht wenig ist).

So viel Aufhebens für ½ Pfund Kaffee und das Mahlen dessen? Dabei habe ich doch sogar eine elektrische Kaffeemühle? Ja, eine sehr kleine, die schafft knapp 20 g pro Mahlgang und muß nach dem dritten für einige Zeit abkühlen. Außerdem war mir danach …

Habt ihr jemals schon Kaffee mit der Hand gemahlen – und wie lange ist das jetzt her?

 

Erinnerung des Tages:
Wie immer beim Kaffeemahlen mit der Hand: Die Wochenenden im Haisl der erzgebirgischen Großeltern.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 11.02.2026 bis jetzt der gemahlene Kaffee, zwei Scheiben Toast mit Nudossi.


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Über Der Emil

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20 Kommentare zu 042.2026: Handarbeit

  1. @deremil Ja, Bügeln, Wäsche aufhängen, Abwaschen … ich liebs & betreibe es meditativ. Und ebenso sehr liebe ich meinen Hochleistungsmixer.

    • Der Emil sagt:

      @elbtalpomeranze@mastodon.social

      Ich besitze tatsächlich auch einen Pürierstab, und der wird genutzt. (Eine Geschirrspülmaschine geht ja sowas von gar nicht!)

      @deremil@deremil.blogda.ch

  2. Hiraeth sagt:

    Also, so richtig mit der hand noch nie. Wir hatten früher, als ich noch klein war so eine von Krups, mit durchsichtigem Deckel und Mixmessern, da hat man die Kaffeebohnen rein und dann so lange den Deckel runtergedrückt, bis diese Pulver waren. Seit ein paar Jahren habe ich jetzt eine feine elektrische Mühle, die hinkriegt, was keine Handmühle kann, glaube ich, Espresso mahlen. Das ist schon ein ganz schöner unterschied zu dem Pulver im eingeschweißten Alupack.

    • Der Emil sagt:

      Laß mich raten: Espresso ist feiner? Drei meiner vier Mühlen (die drei funktionierenden) lassen den Mahlgrad einstellen bis hin zu einer Feinheit, die ich in meiner Filtemaschine nicht mehr nutzen kann …

      Ach ja: Meine Eltern hatten das komplette Set der KM-5, dazu gehörte ein Schlagwerkmühlen-Aufsatz, der für den Kaffee benutzt wurde.

  3. Ulli sagt:

    Ich bin mit der Kaffeemühle aufgewachsen, versucht habe ich es vor ca. 3 Jahren nochmal, gebe zu, es war mir zu mühselig, obwohl der Kaffee viel besser schmeckt.

    • Der Emil sagt:

      Das wird am „ganz frisch gemahlen” liegen …

      (Ich gestehe, daß ich so richtig erst wieder mit der Hand mahle, seit ich das vor Jahren bei Jürgen mit dieser kleinen Mühle probiert habe.)

  4. Nati sagt:

    Im Garten mag ich es ganz ursprünglich. Dort haben wir eine Spülschüssel, in der wir alles per Hand spülen. Man könnte ja eine Spüle einbauen, aber wozu.

  5. Ich habe eine Dose mit feinen Kaffeebohnen, da mahle ich den Kaffee zu besonderen Gelegenheiten mit einer Kaffeemühle aus dem Jahr 1850, die noch einwandfrei funktioniert. Den Kaffee bereite ich dann in einer Presstempelkanne – manche sagen „French Press“ – zu. Besseren Kaffee gibt es für mich nicht.

  6. annette sagt:

    Ich mahle jeden Morgen meine Tagesportion, manchmal auch schon am Abend vorher, und das seit Jahren. Davor hab ich halt aus Gewohnheit gemahlenen Kaffee gekauft. Eine elektrische Mühle ist mir einfach zu laut, hab nie eine besessen.
    Ach so, Spülmaschine hatte ich auch noch nie. Abwaschen ist meditative Tätigkeit, außerdem hatte ich bis vor wenigen Jahren immer Goldrandgeschirr – nicht spülmaschinenfest.

    • Der Emil sagt:

      Goldrandgeschirr und -gläser … Ach, das waren Sehnsuchtsgüter in der DDR, die wurden in der ČSSR gekauft, blieben „für gut” im Schrank. Wenn ich jetzt sehe, wie dieser „wertlose Krempel” so oft einfach im Müllcontainer liegt, dann tut mir das in der Seele weh.

      Jeden Abend mahlen mag ich nicht (noch nicht), deshalb mach ich das immer für etwa eine Woche im Voraus.

  7. Sonja sagt:

    Vor vielen Jahren mal gemahlen mit der Kaffeemühle meiner Großmutter, die das Holzgerät immer so zwischen ihre Knie nahm, wie auch das Butterfässchen!
    Du machst das so klasse nach der alten Art, finde ich!

    • Der Emil sagt:

      Die verwendete kann ich nicht zwischen die Beine klemmen (machten meine Omas auch), die hat die Kurbel an der Seite und nicht obendrauf. Nun, ich versuche wirklich, Kulturtechniken zu bewahren.

  8. Lin sagt:

    Seit wir vor etlichen Jahren versehentlich ganze Espressobohnen statt gemahlenem Espresso gekauft haben, sind wir bei den Bohnen geblieben und mahlen genau die Menge, die wir brauchen, in einer alten Holzkaffeemühle von den Vorfahren meines Vaters. Wie alt sie genau ist, weiß ich leider nicht. Sie mahlt relativ grob, aber in unserem italienischen Espressokocher wird das Ergebnis wunderbar. Wir mögen diese Zeremonie 🙂 Wenn Besuch kommt, werden allerdings die Filterkaffeemaschine und der fertig gemahlene Kaffee rausgeholt.

  9. Flusskiesel sagt:

    Meine Kaffeebohnen mahle mich immer mit meiner kleinen „Brrrrrrrrt!“-Kaffeemaschine (auch so eine, wo man den Deckel runter drückt). Meist frisch oder für den nächsten Tag.

    Mit einer einfachen Hand-Kaffeemühle habe ich auch schon mal gemahlen, aber da hat mich geärgert, dass die so unhandlich war. Man muss schon Kraft aufbringen, kann das eckige Teil aber nicht richtig gut festhalten. In einem Film sah ich mal, dass es früher wohl auch Kaffeemühlen gab, die man sich zwischen die Beine klemmen konnte zum Festhalten.

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