2025 – 326: Eine Unmöglichkeit

Was aber, wenn es doch eine einzige, einmalige Möglichkeit gäbe?

 

Stell dir vor, du könntest drei bis fünf Sekunden deines Lebens ungeschehen machen oder drei bis fünf Sekunden in deinen Lebenslauf einfügen – jeweils als ganz kurze Szene des Lebens mit allen Konsequenzen: Dein Leben würde deshalb ganz anders verlaufen sein, du wärst ein ganz anderer Mensch, die Kreise, in denen du lebtest, wären ganz andere – nicht wahr? Und bedenke: Es ist nur eines möglich, Einfügen (dann kein Löschen) oder Löschen (dann kein Einfügen), nur eine einzige Mög­lich­keit dazu existiert. Wurde die Möglichkeit genutzt, erhält dein Leben ein Kennzeichen, einen Vermerk, so daß es absolut keine weitere Möglichkeit geben wird.

Hast du auf Anhieb eine Idee, wie du diese einzige Möglichkeit nutzen würdest? (Ich würde wohl nicht.)

Würdest du sie überhaupt nutzen wollen? (Niemand muß sie nutzen.)

Diese wenigen Sekunden … Wenn du dir Löschen vorstellen kannst, vielleicht sogar konkret vorstellen kannst: Hast du eine Ahnung von den Konsequenzen für dich und für andere beteiligte Menschen? (Ist das überhaupt in allen EInzelheiten denkbar?)

Nur so wenige Sekunden … Wenn du Einfügen wählen würdest: Welche Hoffnungen verbindest du mit dem, was vom in dieser kurzen Zeit Geschehenden dein ganzes Leben völlig umkrempeln wird?

Ist es Angst, Zufriedenheit, Abgefundensein, Gewohnheit oder oder oder, was dich eine solche einmalige Gelegenheit nicht nutzen ließe? (Bei mir ist es die Ungewißheit, die schnöde Ungewißheit.)

Nicht in meinem Leben kann ich mir einen solchen Eingriff vorstellen. Da ist nichts zu löschen, nichts einzufügen – noch nicht, gestehe ich augenzwinkernd. Denn wer weiß, was noch kommt? Allerdings ist in mir lange schon der Wunsch, daß es diese Möglichkeit für das Leben eines anderen Menschen geben würde bzw. gegeben hätte … Bisher sprach und schrieb ich nicht über diese sonderbare Idee, hütete sie als eines meiner Geheimnisse. Warum ich ausgerechnet jetzt damit herausrücke? Mir war in der Nacht schon danach. Ach: Ein wenig gruselig finde ich diese Idee, diese Vorstellung trotz allem.

 

Erinnerung des Tages:
In unmittelbarer Nähe des Elternhauses gab es früher drei kleine Läden, die immer fast alles hatten, was man so brauchte. Drei sich im Sortiment sehr ähnelnde Läden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. November 2025 war ich zufrieden mit diesem nachts um 3.30 Uhr geschriebenen Text, mit dem Einkauf für meine Mutter, mit einem unverhofften Gespräch.


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Über Der Emil

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8 Kommentare zu 2025 – 326: Eine Unmöglichkeit

  1. Das würde ich gerne in Anspruch nehmen, also das Löschen.

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