2025 – 266: Kann ich das?

Vielleicht ist es Vermeidungsdenken oder -handeln.

 

Der schöne Schein ist etwas, das auch ich zumeist aufrechterhalten möchte. Das geht aber nicht immer. Manchmal muß etwas raus, das das Bild von mir verändern, verstören kann. So etwas ergibt sich oft, wenn ich schriftlich nachdenke.

Täglich erwähne ich am Ende meines Blogbeitrags drei Dinge, mit denen ich am Tag zufrieden war. Sehr oft sind das Banalitäten, denke ich, und doch sind es wirklich Momente, mit denen und in denen ich zufrieden war. Allerdings bin ich im Grunde ein unzufriedener Mensch (geworden). Und mir scheint, daß ich mich mittlerweile mit meiner Unzufriedenheit zufriedengebe. Geht das überhaupt? Kann ich das, bin ich, ist der Mensch dazu wirklich in der Lage?

Womit ich unzufrieden bin? Tja, darüber habe ich heute (wieder, denn das mache ich oft) sinniert. Und ganz, ganz unten auf dem Grund dessen, was ich gedanklich hin- und herwälzte, finden sich zwei Dinge, aus denen sich ganz viele Unzufriedenheiten ergeben und die mich mein derzeitiges Leben allgemein als unbefriedigend erleben lassen. So ist es doch: Was stets und ständig unbefriedigend ist, unbefriedigend bleibt, das macht unzufrieden.

Zwei Dinge also:

  • der Mangel an vielem, das nicht überlebensnotwendig ist,
  • die Schäbigkeit, die mich zuhause umgibt.

Mangel: Das leidige Problem der Bürgergeld-Empfänger. Es reicht gerade zum Über­leben, die vielbeschworene soziokulturelle Teilhabe ist damit nicht wirklich möglich. (Dennoch komme ich einigermaßen zurecht; es dürfen nur keine unerwarteten Zahlungen nötig werden wie z. B. bei den Nebenkostenabrechnungen, auf die anzu­sparen schaffe ich nämlich nicht.)

Schäbigkeit: Die verdanke ich mir selbst, meiner Unfähigkeit, „mich zusam­men­zu­reißen” und einen Anfang zu machen. So wurden der Baustellen immer mehr. Und aus dem Haufen all dessen, was hier im Argen liegt, eines auszuwählen, das ich in Angriff nehme: Das wurde und wird für mich immer schwerer, je mehr da nach und nach zusammenkam und -kommt. (Die vielen kleinen, winzigen Schritte, die ich beim Aussortieren, Weggeben und Wegwerfen schaffe, machen mich im Moment, aber nicht allgemein zufrieden. Ich sehe noch keinen Fortschritt.)

So bin ich zufrieden unzufrieden – mit meiner Unzufriedenheit muß ich mich gerade zufriedengeben. Und aus all dem und aus meinem „Versagen” bei den tatsächlich not­wen­digen Veränderungen entsteht noch etwas, über das ich ein andermal schreiben werde.

 

Erinnerung des Tages:
Wie oft ich früher anderen beim Renovieren oder Möbeltauschen geholfen habe …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. September 2025 war ich zufrieden mit der gereinigten Kaffeemaschine, der wegge­bü­gel­ten und weggeräumten Wäsche, mit dem für morgen vorbereitetem Essen.


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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 2025 – 266: Kann ich das?

  1. Muldenkind sagt:

    @deremil
    Und doch sind die vielen Zufriedenheiten am Abend so wichtig
    💚

  2. Ich lese mich gerade intensiv in die Stoa ein. Wenn man das Intus hat, hat man keine Probleme mehr und ist durchweg zufrieden.

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