2025 – 237: Ein innerer Monolog

Meine wirren Gedanken sortiere ich manchmal schriftlich.

 

Heute muß ich aufschreiben, was mir durch den Kopf geistert. Der Dorftratsch völlig fremder Leute hat auch mein Dorftratsch-Repertoire von früher wieder aufgewühlt. Und viele persönliche Erlebnisse und Ideen stiegen wie Blasen an die Oberfläche meines Denkichts und forderten bzw. fordern Beachtung ein. Dies da zum Beispiel:

Ich hab in meinem Leben oft und viel gewartet: Auf einen großen Erfolg, auf das große Glück, auf die große Liebe, den großen Lottogewinn. Doch gibt es all das wirklich? Den Lottogewinn vielleicht, der ist jedoch nur sehr wenig wahrscheinlich (und unwahr­scheinlich, ja unmöglich, wenn eins wie ich nicht spielt). All das andere habe ich erfahren als eine ziemlich lange Aneinanderreihung von kleinen Schritten, von Anstrengungen, von Kompromissen. Das alles konnte und kann zwar groß sein oder werden, aber eher nicht schlagartig. Und nur in ganz seltenen Fällen kam Euphorie auf oder ähnliches. So erinnere ich mich an mein Leben und Erleben.

Und ich habe gelernt, daß es unmöglich ist, einen anderen Menschen ganz und gar nur für mich allein zu haben. (Die Gründe dafür sind vielfältig, wie ihr selbst wißt.) Für mich hilfreich war immer, daß ich wirklich eifersuchtsfrei lebe, gönnend zufrieden sein kann. Wenn jemand für mich da sein mag, dann ist das wie bei mir, denke ich und kann das auch so akzeptieren. Rund um die Uhr und ausschließlich mich mit dieser einen Person zu befassen, auf irgendetwas von dieser Person zu warten: Das geht, egal wie eng die Beziehung auch ist, nicht ohne mein Leben aufzugeben mit allem, was dazugehört. (Das schrieb ich ja schon öfter: Nicht ein Leben aus zweien machen, sondern zu den beiden ein drittes, gemeinsames haben, ohne ein eigenes zu verlieren.)

Kleine Schritte, kleine Momente, kurze „gestohlene” Stunden sind kleine Glücke, die mein Leben allein nicht ausmachen, aber sehr, sehr reich und oft auch schön machten und machen. Wer mit dem zufrieden sein kann (natürlich nicht, ohne sich mehr davon oder etwas anderes zu wünschen, aber zufrieden kann ich ja trotzdem sein), was möglich ist, wird vielleicht nicht verbittern …

Den letzten Satz da, den finde ich wichtig für mich, den werde ich mir irgendwo prominent notieren.

 

Erinnerung des Tages:
Ich erinnerte mich heute an ein erstes Mal, das jedoch aus beidseitigen Fehleinschätzungen resultierte und daher auch das einzige Mal blieb.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. August 2025 war ich zufrieden mit dem aus dem Fliewatüüt geholten Krempel, mit der zum Nachdenken genutzten Zeit, mit erledigter Arbeit im Haushalt.


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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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3 Kommentare zu 2025 – 237: Ein innerer Monolog

  1. Elvira sagt:

    Ein Rezept gegen Verbitterung! Ja, das scheint dein letzter Satz zu sein. Zufrieden mit dem, was möglich ist. Das bedeutet auch, das, was nicht mehr möglich ist, loslassen zu können. Aber einfach ist das nicht! Nicht erreichte Ziele, unerfüllte Träume, ja, die kann ich loslassen. Dann gibt es aber die Dinge, die das Altern mit sich bringt, Sachen, die plötzlich nicht mehr gehen, Ausflüge, die nicht mehr gemacht werden können, das Öffnen eines Glases, das ohne Hilfsmittel nicht mehr möglich ist. Zwischen all den unmöglich gewordenen Alltäglichkeiten mit dem sehr klein gewordenen Teil des noch möglichen zufrieden zu sein, ist leider nicht immer einfach.

    • Der Emil sagt:

      Das stimmt, es ist nicht einfach. Aber deshalb möchte ich mich hinreichend oft an diesen Satz erinnern. (Und ja, ich habe viele Träume und Ziele schon losgelassen, mich von ihnen verabschiedet, weil ich keine realistische Möglichkeiten mehr sehe dafür.)

  2. Pingback: Zum Sonntag: Meine 7 Links der Woche › Digital Diary

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