278–2024: Flink

Mit lakonischer Stimme in zügigem Tempo zu lesen.

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Sagt auch niemand mehr: flink. Gibt nur noch schnell. Und zwar alles. Am besten schnell. Keine Zeit mehr. Und dann noch: schnell mal. Schnell mal dies, schnell mal das. Flink ist wahrscheinlich nicht schnell genug. So langsam wie flugs. Ach. Und das Gegenteil von schnell ist gleich. Mach ich gleich. Geschwind gesagt. Aber dann. Gleheich! Bei Behörden vielleicht noch unverzüglich. Niemals aber noch flink. In Windeseile war auch flink. Aber heute? Sagt niemand mehr. Beides nicht. Viel zu schnell ist möglich, aber doch nicht viel zu flink.

Schade. War ein schönes Wort, das flink. Sah immer etwas nach Reh aus. Meint ihr nicht? Jedenfalls mußte sich niemand beeilen, um flink zu sein. Schnell sein ist Hetzen. Flink war nur nicht langsam. Ist. Nicht langsam und nicht schnell. Anmutig vielleicht noch dazu. Jedenfalls hat flink eine ganz andere Bedeutung als schnell. Für mich. Nur weiß ich nicht mehr, wo ich es heute noch verwenden könnte. Es sieht immer unpassender aus. Immer unpassender. Dieses kleine feine Wort flink.

Flink noch Ade gesagt …

 

 

So sprach es in meinem Kopf vor ein paar Tagen. Als ich bemerkte, daß ich dieses eine, gerade in einem Buch gelesene Wort, seit langem nicht mehr in meinem Alltag vernommen hatte. Es gibt mit Sicherheit noch mehr solche Worte/​Wörter, die mit der Zeit verblaßten, verschwanden. Doch bei diesem fiel es mir besonders auf. „Flink wie ein Reh” stand da geschrieben, und ich kenne auch noch „wieselflink” – aber wer weiß schon noch, was ein Wiesel ist … Wenn bestimmte Dinge, Tiere, Tätigkeiten aus dem alltäglichen Leben verschwinden, so vergessen wir Menschen auch die Worte dafür. Weil wir sonst zu traurig wären über den Verlust?

Sprache entwickelt sich, ja. Aber ich befürchte, sie verliert auch ihre Vielfalt. Deshalb erinnere ich heute an dieses kleine Wörtchen flink. Vergeßt es nicht ganz. (Und wer ihn kennt, kann sich ja gern vorstellen, daß Hagen Rether den Text aus dem grauen Kasten vorträgt.)

 

Erinnerung des Tages:
Als ich zum ersten Mal den Hashtag #moderndenken las, mit dem das Land Sachsen-Anhalt seit geraumer Zeit für sich wirbt, fragte ich mich: „Was zum Henker ist enken?”

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 4. Oktober 2024 mit uralten Witzen, mit dem trockengebliebenen Schlafplatz, mit Kaffee beim Nachbarn.

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Über Der Emil

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5 Kommentare zu 278–2024: Flink

  1. Nati sagt:

    Flink ist wie rasch und erinnert an alte Zeiten.
    Danke fürs Erinnern, Emil.

  2. Gudrun sagt:

    Flink wie ein Wiesel kenne ich, aber unsere Gartenmaus ist es auch, vielleicht weil es zu wenige Wiesel gibt, die ihr ans Leder wollen.
    Ach, Emil, es ist schon schön, wenn es Leute gibt, die Worte vor dem Vergessen bewahren.

  3. Sonja sagt:

    Das war jetzt aber wie ein schöner Abzweig vom Buchfink zu lesen…jedenfalls habe ich dran gedacht, war ja auch grad Freitagabend!

  4. Flink, flink: Ich bin der Fink und rufe: Pink, flink, pink…

  5. Elvira sagt:

    „Nun mal flink“ haben wir früher oft gesagt. Bei „gleich“ muss ich an eine, leider schon verstorbene, Kollegin denken, die gerne sagte: „Das mach ich gleich nachher!“.

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