Auch, wenn die Benennung nicht mehr paßt …
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Der Groschen. Eingeführt in den deutschen Gebieten wohl zuerst in Tirol, als der bis dahin übliche Denar heftig an Wert verloren hatte. Später Mehrfachpfennig: mal 12 Pfennige, mal 10 Pfennige wert. Der Groschen ist eine Münze mit langer und wechselhafter Geschichte (dort nachlesbar). Früher gab es Kleingeld mit diesem Namen, in Österreich hatte der Schilling 100 Groschen, und auch der Polnische Złoty hatte hundert Groszy. Die 10-Pfennig-Stücke kenne ich von klein auf unter dieser Bezeichnung. Aber seit dem Verschwinden der Währungsbezeichnungen Mark und Pfennig spreche ich nicht mehr von Groschen, sondern nur noch vom „Zehner” oder „Zehnerl”.
Es gab in der BRD und in der DDR so einige Dinge, die durch den Einwurf einer 10-Pf-Münze, eines Groschens also, in Betrieb gesetzt wurden. Nach dem Einwurf waren die Münzen auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Daher kommt wohl die Bezeichnung Groschengrab bzw. Groschengräber. Den Groschen kannte wahrscheinlich jede und jeder, obwohl das niemals offizielle Münzbezeichnung war, nicht in der DDR und nicht in der BRD. Manche der Groschengräber existieren noch. Spielautomaten zum Beispiel, auch wenn die sich schon lange nicht mehr mit Groschen zufriedengeben. Ja, auch Jukeboxen und andere Musikautomaten findet man noch, die nach dem Einwurf von Geld Geräusch ertönen lassen – aber auch die wollen mehr als Groschen sehen, um tätig zu werden. Was ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen habe, sind Parkuhren, die noch mit Münzen gefüttert werden und den Ablauf der Parkzeit mit einer roten Scheibe anzeigen. Und Münzfernsprecher gibt es hierzulande seit 21. November 2022 nicht mehr, jedenfalls kann an noch vorhandenen Geräten nicht mehr mit Münzen bezahlt werden. Ach ja, manchen nannten auch die Kaugummiautomaten (auf den Schulwegen) Groschengrab (die gab es in der DDR zum Glück nicht), und von denen soll es ja wirklich noch welche geben, die noch befüllt und betreut werden. Aber die, die ich kenne, sehen allesamt ziemlich verwahrlost aus.
Als ich heute mittag dieses Wort in einem Buch las, fiel mir einiges zum Groschen ein und zu seinen Gräbern. Es gab auf meinem Schulweg einen kleinen Laden, in dem neben vielen anderen Dingen auch Schulhefte für einen Groschen, also für 10 Pfennige verkauft wurden. Die Semmel kostete bei jedem Bäcker genau einen Groschen, und auch die Schaumwaffeln mit dieser klebrigen Masse drin: das Stück zu 10 Pfennigen. So manche Kugel Eis kostete – Na, wieviel? – einen Groschen, auch 1982 noch. Ach, Erinnerungen können manchmal schön sein. Und ich habe heute wieder viel gelesen von Sachen, die ich nur noch vage erahnte, gar noch überhaupt nicht wußte.
Ach ja: Nennt ihr das 10-ct-Stück Groschen? Oder ist der Groschen für euch auch mit den Pfennigen und der Mark untergegangen?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 4. April 2023 war ich zufrieden mit der Erdnußbutter (hm, naja, jetzt weiß ich, wie das Zeug schmeckt, hatte sie mir aber süßer vorgestellt), mit den gekauften Fahrkarten, mit den zwei Stunden zu Fuß durch HaNeu.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Also bei uns gibt es auch keine Groschen mehr. Und der letzte Blödsinn Automat wurde hier vor einem halben Jahr abgebaut.
Stimmt! Das Wort ,,Groschen“ wird in meiner Umgebung nur noch für die Redewendung ,,da ist der Groschen gefallen!“ verwendet – und selbst die stirbt langsam aus.
Dass der Groschen fällt, war auch mein erster Gedanke bei dem Wort ( bei ’ner früheren Lehrerin wohl klar). Aber sonst fällt mir dazu nicht mehr so viel ein wie dir, Emil. Brausepulver kostete zu meiner Zeit schon zwei Groschen…
Das war bei festgesetzten EVP nicht zu ändern, bei Semmel & Co. blieb alles bis Ende 1989 konstant einen Groschen „teuer“ …
Wenn es um die Preise geht:
Zu meiner Grundschulzeit kostete ein Brausebonbon noch 2 Pfennig!
😉
Die Preise waren eher Nebenschauplatz.
Heißt das 10-ct-Stück bei Dir noch Groschen?
Nein. Auch bei uns ist das Wort mit der Einführung des Euro fast verschwunden.