Nº 258 (2022) – Hölzern

Eckig, steif und ungelenk, ungeschickt.

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Hölzern. Kennt ihr das Wort noch? Verwendet ihr es noch?

Ich las es dieser Tage in einem Buch, und es blieb in meinem Kopf hängen. Es geht nicht darum, das etwas aus Holz gefertigt wurde, aus Holz, also hölzern ist. Die Verwendung im übertragenen Sinne ist es, die mich interessiert. Es gibt hölzerne Bewegungen: eckig und ungelenk. Und hölzerne Ausdrucksweise: steif, ungeschickt. Mit beidem habe ich Erfahrung. Nicht nur, weil ich es bei anderen erlebte, sondern weil auch ich ab und zu so bin. Hölzern.

Oft liegt das daran, daß ich nicht wirklich weiß, wie ich gerade angemessen reagieren kann. Wenn mir Worte fehlen, ich mich aber trotzdem äußern muß. Wenn ich unschlüssig bin, wie ich jetzt handeln kann (also mich bewegen sollte). Manchmal auch aus tiefer Traurigkeit oder Scham oder oder oder. Ich hoffe nicht, daß ich allgemein als hölzerner Kerl gesehen werde.

Hölzern als Adjektiv gefällt mir jedenfalls weitaus besser als linkisch oder plump, die in diversen Wörterbüchern ebenfalls als Synonyme angegeben sind. Es hat etwas von einer Kantigkeit, die mir heute manchmal fehlt. Vielleicht schaffe ich es, das Wort wieder in meinen aktiven Sprachschatz aufzunehmen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 16.09.2022 den recht reibungslosen Aufbau, das Wieder­sehen mit ganz ganz vielen Bekannten, den gerade aufgemachten Met.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Bube der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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8 Kommentare zu Nº 258 (2022) – Hölzern

  1. C Stern sagt:

    Hölzern bin ich vor allem dann im Umgang mit Menschen, wenn ich mich von Gesprochenem distanziere. Und dies nicht mit unfreundlichen Worten kommentieren möchte. Dann werde ich eckig und verziehe mich – was bei Menschen, die tratsch-affin sind, sicherlich seltsam, eben hölzern, ankommt. Ist mir aber in diesem Zusammenhang durchaus schnuppe, aber andere durch den Kakao zu ziehen, das ist nicht so mein Ding … Wer mich kennt, weiß das und muss sich über meine eckige Reaktion gar nicht erst wundern.

    Das Wort „hölzern“ verwende ich durchaus, muss es also nicht wiederbeleben in meinem Wortschatz 😉

  2. Elvira sagt:

    Das Wort habe ich schon sehr lange nicht mehr gehört. In dem Kontext, den du benennst, ist ein Mensch, der zum Teil als hölzern in seiner Ausdrucksweise oder seinem Auftreten beschrieben wird, ein sympathischer Mensch. Irgendwie entsteht vor meinen Augen ein Landmensch, einer, der der Natur mehr verbunden ist als seinen Mitmenschen. Einer, der die Bäume eher versteht als seinen Nachbarn. Hölzern – ein Wort, das eine Assoziationskette bei mir freisetzt.

    • Der Emil sagt:

      Diese positive Deutung ist mir bisher nicht bekannt gewesen. Aber nach langem Nachdenken gebe ich Dir recht: Einer, der die Bäume eher versteht als seinen Nachbarn – eine schöne, mich lächeln machende Beschreibung.

      Danke.

  3. Sofasophia sagt:

    Hölzern finde ich viel neutraler und ehrlicher als die Synonyme. Wie ein Baum, der da steht und einfach eben nur da steht. Umarmbar, aber irgendwie passiv.
    Ich mag den Begriff.

    • Der Emil sagt:

      Passiv … Ja, auch. Für mich aber eher die Unmöglichkeit des hölzernen Menschen, angemessen zu handeln und zu kommunizieren, aus einem erlebten Zwiespalt oder Überforderung heraus vielleicht?

  4. Sonja sagt:

    Das Wörtchen „hölzern“ gefällt mir.
    Und welcher der ganz ganz vielen Bekannten, wiedergetroffen, war dir der oder die liebste?

    • Der Emil sagt:

      Am Freitag? Die Truppe mit dem Badezuber – und viele andere auch. Es gibt auf den Mittelaltermärkten nur sehr wenige Akteure, zu denen ich eine gewisse Distanz halte.

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