Nº 232 (2022) – Schaukasten

Relikt aus der Vergangenheit – oder?

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Ich kann mich noch an sie erinnern: an die Schaukästen, in denen die aktuelle Ausgabe der lokalen Tageszeitung zu finden war. Schon zu Uhrzeiten, die für mich heute Unzeiten sind. Ich erinnere mich daran, einmal morgens kurz vor vier Uhr in Hamm vorm Lokalblatt gestanden und mir Stellenanzeigen und Wohnungsanzeigen (beides allerdings nicht für mich) notiert zu haben. Ja, das Internet gab es da schon – doch die ganze Zeitung in lesbarer Form dort zu finden ist heute i. d. R. nicht kostenfrei, wie es am Schaukasten möglich war (Gegenbeispiele für Lokalzeitungen sind gern gesehen).

Auch anderswo gab es sie und gibt es sie, die Schaukästen. Angefangen von Kirchgemeinden, Gemeindeverwaltungen, Gartensparten, Freibädern über Kirch- und Friedhöfe, Standesämter oder andere Behörden (mit den sogenann­ten „öffentlichen” Zustellungen von amtlichen Bescheiden usw. usf., bei denen auf den Schutz persönlicher Daten geschissen aufgrund gesetzlicher Vorgaben verzichtet wird). Natürlich an Bahnhöfen und Haltestellen, in denen dann z. Bsp. die unverbindlichen Abfahrtszeit-Empfehlungen mit Gleisvorschlägen zu sehen sind, wie die Fahrpläne oft genannt werden können. Oh! Ich erinnere mich auch an Zeiten und Gegenden, da waren an den Kneipen, Gaststätten, Restaurants und Bars Aushänge vorgeschrieben, die die komplette Speisekarte enthalten mußten, inklusive der Preise.

Und nun habe ich eine Idee, die mit diesen Schaukästen zu tun hat. Nur weiß ich noch nicht, ob ich leere Schaukästen, solche mit hemmungslos veralteten Informationen oder Schaukästen mit regelmäßig oder gerade erst aktuali­sier­ten Schaukästen … nun ja, aufmerksamer betrachten sollte. Und ich weiß noch nicht, was ich aus diesen Beobachtungen machen werde.

Ach, es fehlt noch der Hinweis auf jemanden, der nicht unwesentlich zu dieser Idee beigetragen hat: Es war Irgendlink mit seinem Projekt ZU – vermauerte Türen zwischen Nordkap und Gibraltar, sogar schon mit den Vorarbeiten dazu, also mit seinen Fotos von verschlossenen Türen, die er auf seinen Reisen machte. Schaut euch bitte um in seinen verschiedenen Blogs und Projekten, ganz gleich, ob sie UmsLand oder Flussnoten oder Erdversteck oder MudArt heißen, bitte, und bitte bei all den vielen, die er zusammen mit Sofasophia umsetzte. Ich finde bei den beiden immer wieder einen besonderen Blick auf das, was Sichtbar und Erlebbar und Denkbar ist, und auf alles andere auch. (Ich danke euch beiden für eure immer wieder unspektakulär grandiosen Sachen!)

Ach: Ich beschränke mich zunächst mal auf die Schaukästen der Stadt und die, die an meinen Wegen (z. Bsp. zu Ärzten) zu finden sind und sammle Material. Wahrscheinlich eher zufällig und sehr unsystematisch. Ob etwas und was daraus wird, weiß ich wirklich noch nicht. Vielleich aber habe ich ja jetzt jemanden auf eine Idee gebracht mit meinen Gedanken zum Schaukasten …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 21.08.2022 die tatsächlich wiederhergestellten Daten der fremden Festplatte, eine zu Papier gebrachte Idee (ja, diese hier), das Unterwegssein in der Stadt.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte XVIII – Der Mond.

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Über Der Emil

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4 Kommentare zu Nº 232 (2022) – Schaukasten

  1. Sofasophia sagt:

    Oh. Ich bin gespannt, sehr, und danke dir für die liebe Erwähnung.
    🙏🏼

  2. irgendlink sagt:

    Die eine der beiden städtischen Tageszeitungen hat in ihren Fenstern Teile der Ausgabe aushängen. Nicht alles, vermutlich. Die andere muss ich mal schauen. Abe bestimmt hängt da auch die tagesaktuelle Ausgabe im Schaufenster. Die Idee zur Fotoserie finde ich gut. Es wird sich mit Deinem Artikel etwas in meinem Blick ändern: Ich werde nie wieder einen Schaukasten einfach so links liegen lassen können. Gerade fällt mir ein verwaister Waldcampingplatz nahe Homburg ein, wo vermutlich ein uralter Schaukasten hängt. Vorm hießigen Jägerhof ist glaube ich auch einer. Eigentlich könnte ich auch einen Schaukasten vorm Haus aufstellen …

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