Ach, die gute alte Weltliteratur!
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Faust.
Vom Eise befreyt sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Thale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Ueberall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Thor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feyern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß, in Breit' und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's seyn.
Johann Wolfgang von Goethe: Faust – Der Tragödie erster Teil.
Tübingen: Cotta. 1808, Seite 63 bis 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource,
URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Faust_I_(Goethe)_063.jpg
(Version vom 17.8.2016)
Natürlich ist zumindest der Anfang dieses Monologes des Doktor Faust vielen bekannt. Manche aber wissen nicht, daß es aus Johann Wolfgang von Goethes Theaterstück „Faust: Eine Tragödie” stammt. Sogar ziemlich am Anfang, in der Szene „Vor dem Thor” ist es zu finden. Dort unternimmt Faust mit Wagner einen Ausflug, die beiden mischen sich in frühlingshafter Natur unter promenierendes Volk (heute nennt man das Spaziergänger). Das eben waren die Zeilen 903 bis 940 des Stückes, in der Schreibweise, wie sie in der 1808 in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung in Tübingen gedruckt wurde:
Ihr alle könnt also wohl ein Stücklein zitieren aus einem Theaterwerk der Weltliteratur. Ich auch. Und nachdem ich den Text von Faksimiles der Seiten 63 bis 65 aus dem gerade genannten Buch abgetippt hatte, erinnerte ich mich: Dieses Buch findet sich bei Wikisource (so stand es auf den mittlerweile entsorgten Blättern, ich habe mir den Link zu den Lesezeichen gepackt). Wer durch die Bilder vom Originalbuch blättern möchte, kann die von mir jetzt ergänzte Quellenangabe (verweist auf Wikisource) anklicken. (Ich weiß nicht, wie barrierefrei Wikisource für Sehbeeinträchtigte Menschen ist.)
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 17.04.2022 leckeren Met bei einer Art Frühschoppen, den Rundgang um die Burg, eine neue Bespaßungsgeschichte.
Für morgen zog ich die Tageskarte Ritter der Kelche.

